Jane Eyre: Eine Autobiografie
Jane Eyre: Eine Autobiografie von Brontë, Charlotte erstreckt sich über 37 Kapitel. Das Kapitel beginnt an einem kalten, regnerischen Wintertag in Gateshead Hall. Die junge Jane Eyre wird von ihrer Tante, Mrs. Reed, aus dem Familienkreis im Salon ausgeschlossen, die ihr sagt, sie müsse auf Abstand bleiben, bis sie eine angenehmere Gemütsart an den Tag lege. Jane ist froh über das schlechte Wetter, da sie lange Spaziergänge verabscheut, besonders an kühlen Nachmittagen, wenn die Heimkehr sie körperlich erschöpft und geistig gedemütigt zurücklässt durch ihre empfundene Unterlegenheit gegenüber ihren Cousinen und Cousins Eliza, John und Georgiana Reed. Das Rote-Zimmer-Kapitel schildert Jane Eyres Auflehnung gegen die Autorität in Gateshead Hall, ihre Bestrafung und Isolation in dem unheilvollen Roten Zimmer, in dem ihr Onkel neun Jahre zuvor gestorben war, ihre wachsende Angst, als abergläubische Ängste sie überwältigen, und Mrs. Reeds letzten Akt der Grausamkeit, das Kind seiner Qual zu überlassen. Jane Eyre erwacht nach dem traumatischen Vorfall im Roten Zimmer, betreut von Bessie und Mr. Lloyd, dem Apotheker, und empfindet Erleichterung angesichts der Anwesenheit eines freundlichen Fremden, der weder zur Familie noch zu den Bediensteten in Gateshead Hall gehört. Als Mr. Lloyd geht, versinkt Jane wieder in Traurigkeit, und trotz Bessies ungewöhnlicher Höflichkeit – sie bietet ihr einen Porzellanteller mit Gebäck und Gullivers Reisen an – findet Jane keinen Trost, da ihre Nerven zu zerrüttet sind, um durch frühere Freuden oder Bücher besänftigt zu werden, die ihr nun unheimlich und trostlos erscheinen. Mr. Lloyd kehrt zurück und befragt Jane sanft zu ihrem Unglück; sie enthüllt, dass sie keine Familie hat und grausam von ihrer Tante und ihren Cousins behandelt wird, was den Apotheker dazu veranlasst, einen Wechsel von Luft und Umgebung zu empfehlen, worauf Jane hofft, dass es Schule bedeutet. Später, während die Bediensteten glauben, Jane schlafe, besprechen Bessie und Abbot ihre Situation und enthüllen, dass ihr Vater ein armer Geistlicher war, der an Typhus starb, ihre Mutter sich bei ihm ansteckte, und ihr Großvater Reed ihre Mutter wegen der Ehe enterbte, sodass Jane als Waise völlig ohne Verwandte oder Schutz zurückblieb.
Kapitel I
Das Kapitel beginnt an einem kalten, regnerischen Wintertag in Gateshead Hall. Die junge Jane Eyre wird von ihrer Tante, Mrs. Reed, aus dem Familienkreis im Salon ausgeschlossen, die ihr erklärt, sie müsse auf Abstand bleiben, bis sie eine umgänglichere Gemütsart an den Tag lege. Jane ist über das unwirtliche Wetter sogar erfreut, denn sie verabscheut lange Spaziergänge – besonders an kühlen Nachmittagen, wenn die Heimkehr sie körperlich erschöpft und im Geiste gedemütigt zurücklässt, weil sie sich ihren Cousinen Eliza, John und Georgiana Reed unterlegen fühlt.
Aus dem Salon ausgeschlossen
Mrs. Reed rechtfertigte ihren Ausschluss von Jane, indem sie erklärte, sie bedauere es, das Kind auf Distanz halten zu müssen, könne Jane aber nicht an den Vorrechten teilhaben lassen, die nur für zufriedene, glückliche kleine Kinder bestimmt seien, bis das Mädchen ein geselligeres und kindlicheres Wesen angenommen habe. Als Jane mutig fragte, was sie denn Falsches getan habe, wie Bessie gesagt hatte, tadelte Mrs. Reed sie dafür, eine Nörglerin und Fragestellerin zu sein, und erklärte, ein Kind, das seine Älteren auf solche Weise in die Mangel nehme, sei wahrhaftig abstoßend. Sie befahl Jane, sich irgendwo hinzusetzen und zu schweigen, bis sie wieder angenehm sprechen könne. Diese Ausgrenzung vom Familienherd etabliert Janes Außenseiterstellung im Hause Reed und deutet die Spannungen an, die sich im Laufe des Kapitels zuspitzen werden.
Rückzug auf die Fensterbank
Jane schlüpfte in das angrenzende Frühstückszimmer, wo sie einen Bücherschrank entdeckte und einen Band voller Bilder hervorzog. Sie kletterte auf den Fenstersitz, zog den roten Moreenvorhang beinahe geschlossen um sich herum und ließ sich mit übereinandergeschlagenen Beinen wie ein Türke nieder, gehüllt in doppelte Zurückgezogenheit. Durch die Glasscheiben zu ihrer Linken konnte sie den trüben Novembertag sehen — ferne Nebelschwaden und Wolken, nasse Rasenflächen, sturmgepeitschte Sträucher und wilden Regen, der vor einem langen, klagenden Windstoß dahinfegte. Zu ihrer Rechten schlossen Falten scharlachroten Stoffes ihre Aussicht ab. Aus diesem verborgenen Zufluchtsort fand Jane Zuflucht vor der Kälte ihrer Verwandten und schuf sich eine kleine Welt der Einsamkeit und Geborgenheit inmitten des bedrückenden Haushalts.
Lektüre von Bewicks Geschichte der britischen Vögel
Jane vertiefte sich in Bewicks Geschichte der britischen Vögel, obwohl ihr der begleitende Text nur wenig bedeutete. Hingezogen fühlte sie sich zu den einleitenden Seiten, die von den Brutstätten der Seevögel erzählten, von den einsamen Felsen und Vorgebirgen Norwegens und von den öden Küsten Lapplands, Sibiriens, Spitzbergens, Nowaja Semljas, Islands und Grönlands. Die anschaulichen Schilderungen der arktischen Zone mit ihren weiten, erstarrten Wildnissen und dem über Jahrhunderte aufgehäuften Eis erregten ihre Fantasie zutiefst. Die halbverstandenen Vorstellungen, die durch ihren jungen Kopf schweiften, gewannen eine seltsam eindrucksvolle Kraft, sobald sich die Worte mit den Holzschnittvignetten des Buches verbanden – dem einsamen Felsen, der aus einem wogenden Meer emporragte, dem zerbrochenen Boot an einer verlassenen Küste, dem kalten Mond, der auf ein sinkendes Wrack herabblickte. Jedes Bild erzählte eine geheimnisvolle Geschichte, die ihrem unentwickelten Verständnis tief und bedeutsam erschien und Erinnerungen an jene Märchen wachrief, die Bessie an Winterabenden bisweilen erzählte.
Unterbrochen von John Reed
Janes friedliche Einsamkeit wurde jäh zerrissen, als sich die Tür zum Frühstückszimmer öffnete und John Reeds Stimme mit dem spöttischen Ruf ertönte: „Boh! Madam Mope!" Er rief nach seinen Schwestern und verkündete, dass Joan in den Regen hinausgelaufen sei. Jane hoffte inständig, er möge ihr Versteck hinter dem Vorhang nicht entdecken. John mangelte es an schneller Auffassungsgabe und Vorstellungskraft, doch Eliza wies hilfsbereit darauf hin, dass Jane in der Fensternische saß. Zitternd bei dem Gedanken, hervorgezerrt zu werden, trat Jane hervor und fragte unbeholfen, was er wolle. John verlangte, dass sie ihn ordnungsgemäß mit „Master Reed" anrede und vor seinem Lehnstuhl Aufstellung nehme, und sie gehorchte, gewohnheitsmäßig folgsam, trotz ihrer Angst vor ihm.
John Reeds Tyrannei und Gewalt
John Reed wurde als vierzehnjähriger Schüler beschrieben, vier Jahre älter als die zehnjährige Jane. Für sein Alter war er groß und stämmig, mit einer schmutzigen, ungesunden Gesichtsfarbe, groben Zügen, schweren Gliedmaßen und großen Extremitäten. Sein übermäßiges Essen hatte ihn gallenleidend gemacht, was ihm trübe, verklebte Augen und schlaffe Wangen eingebracht hatte. Seine Mutter hatte ihn unter Berufung auf seine zarte Gesundheit von der Schule genommen, obwohl sein Lehrer, Mr. Miles, der Überzeugung war, dass sein Zustand weniger Kuchen und Süßigkeiten erfordert hätte. John hegte keine Zuneigung zu seiner Familie und empfand eine starke Abneigung gegen Jane, weshalb er sie unaufhörlich schikanierte und bestrafte. Jane hatte jede einzelne Faser ihres Körpers vor ihm gefürchtet, doch die Dienstboten wollten ihren jungen Herrn nicht verstimmen, indem sie für sie Partei ergriffen, und Mrs. Reed blieb hinsichtlich seiner Misshandlungen absichtlich blind und taub. John verbrachte mehrere Minuten damit, Jane die Zunge herauszustrecken, bevor er sie plötzlich schlug und dann verlangte, das Buch zu sehen, das sie gerade gelesen hatte. Er beschuldigte sie, eine Abhängige ohne Geld zu sein, da ihr Vater ihr nichts hinterlassen habe, und erklärte, dass das gesamte Haus ihm eines Tages gehören werde. Daraufhin schleuderte er das Buch nach ihr, traf sie am Kopf und ließ sie gegen die Tür taumeln, wobei sie sich eine Schnittwunde zuzog.
Janes Vergeltung und das Rote Zimmer
Der Schnitt auf Janes Kopf blutete, und der Schmerz war scharf; ihr Entsetzen hatte seinen Höhepunkt bereits überschritten. Als John sie schlug, rief Jane trotzig: „Gemeiner, grausamer Junge! Du bist wie ein Mörder — du bist wie ein Sklaventreiber — du bist wie die römischen Kaiser!" In ihrem Geist hatte Jane Parallelen zwischen Johns Tyrannei und der Grausamkeit Neros und Caligulas gezogen — Vergleiche, die sie niemals auszusprechen gedacht hatte. John stürzte sich auf sie, packte sie bei den Haaren und an der Schulter, und Jane empfing ihn in wilder Hast, leistete ihm trotz seiner größeren Statur körperlichen Widerstand. Als Eliza und Georgiana Mrs. Reed holten, kamen die Erwachsenen herbei und fanden die Szene in hellem Aufruhr. Die Dienstboten äußerten sich empört darüber, wie wütend Jane den jungen Meister John angegriffen hatte. Mrs. Reed befahl unverzüglich, Jane in das rote Zimmer zu bringen und dort einzuschließen, und vier Hände legten sich auf sie, als sie die Treppe hinaufgetragen wurde — ein Wendepunkt in diesem Kapitel, an dem Janes passives Erdulden endlich offenem Widerstand weicht.
Das Rote Zimmer
Das Kapitel „Das rote Zimmer" schildert Jane Eyres Auflehnung gegen die Autorität in Gateshead Hall, ihre Bestrafung und Isolation in dem unheilvollen Roten Zimmer, in dem ihr Onkel neun Jahre zuvor gestorben war, ihre wachsende Angst, als abergläubische Befürchtungen sie überwältigen, sowie Mrs. Reeds letzten Akt der Grausamkeit, als sie das Kind seinem Kummer überlässt.
Janes Meuterei und Zurückhaltung
Janes Aufruhr und Beherrschung Jane widersetzt sich ihren Häscherinnen Bessie und Miss Abbot mit verzweifelter Entschlossenheit und vergleicht sich mit einem rebellischen Sklaven, der entschlossen ist, „bis zum Äußersten zu gehen". Die Dienstboten halten sie körperlich fest und drohen, sie mit Strumpfbändern zu fesseln. Anfangs rasend vor Wut, wird Jane allmählich ruhiger, als ihr die zusätzliche Schmach bewusst wird, die das Fesseln mit sich bringen würde. Sie verspricht, still zu bleiben, klammert sich an den Ottomanen, und die Dienstboten beobachten sie mit finsterem Misstrauen. Sie erklären, sie sei nicht wie sonst, und beharren darauf, „es war schon immer in ihr" – ein „hinterhältiges kleines Ding", das gefährliche Tiefen hinter seiner ruhigen Fassade verbirgt.
Ermahnungen und Warnungen
Ermahnungen und Warnungen Bessie und Miss Abbot halten Jane eine Standpauke über ihre untergeordnete Stellung, erinnern sie daran, dass sie „weniger als eine Dienerin" sei, die nichts für ihren Unterhalt tue, und dass Mrs. Reed sie nur aus Barmherzigkeit bei sich behalte. Sie raten ihr, demütig, nützlich und gefällig zu sein, da sie kein Erbe wie die Kinder der Reeds habe. Miss Abbot ruft göttliche Strafe herbei und warnt, Gott könne Jane mitten in ihren Wutanfällen töten, und deutet an, ein übernatürlicher Schrecken könnte durch den Kamin herabsteigen, um sie zu holen, wenn sie nicht bereue. Nachdem sie die Tür hinter sich abgeschlossen haben, lassen sie Jane allein mit diesen Drohungen zurück, die in der Luft hängen.
Das Rote Zimmer
Das rote Zimmer Das rote Zimmer wird als der größte und prächtigste Raum in Gateshead Hall beschrieben, wird jedoch nur selten benutzt, außer wenn zusätzliche Gäste eine Unterkunft verlangen. Sein beherrschendes Möbelstück ist ein massives Bett, das mit schweren Vorhängen aus tiefrotem Damast behangen ist, während der Teppich, die Tischdecke und die Draperien eine karmesinrote Atmosphäre schaffen. Der Raum bleibt kalt, weil ihm ein Kamin fehlt, still, weil er abseits der Wohnbereiche liegt, und feierlich aufgrund seiner unheimlichen Vergangenheit. Der Schlüssel zu seiner einsamen Erhabenheit liegt in Mr. Reeds Tod dort vor neun Jahren – er hauchte in diesem Zimmer sein Leben aus, wurde dort aufgebahrt und von dort von den Leichenbestattern hinausgetragen, wodurch eine „öde Weihe" zurückblieb, die den Raum vor jedem Eindringen bewahrt.
Überlegungen zur Ungerechtigkeit in Gateshead
Reflexionen über die Ungerechtigkeit in Gateshead Janes Gedanken wenden sich bitter der Fülle der Kränkungen zu, die sie in Gateshead hat erdulden müssen. Sie stellt ihr eigenes sorgfältiges Betragen dem offenkundigen Fehlverhalten der Reed-Kinder gegenüber: Eliza ist eigensinnig und selbstsüchtig und wird dennoch geachtet, Georgiana ist verwöhnt und gehässig und wird dennoch wegen ihrer Schönheit verhätschelt, und John begeht Grausamkeit gegen Tiere und beleidigt seine Mutter und bleibt dennoch „ihr eigener Liebling". Jane wagte keinen Fehler zu begehen, wurde aber unartig, lästig, mürrisch und hinterhältig gescholten. Als John sie ohne jeden Anlass schlug, tadelte ihn niemand; ihre verteidigende Reaktion zog nur Verurteilung nach sich. Ihre Vernunft ruft „Ungerecht!", und sie erwägt Flucht oder langsames Verhungern als verzweifelte Auswege.
Steigendes Entsetzen und die Vision
Wachsendes Entsetzen und die Erscheinung Während der Nachmittag zur Dämmerung verblasst, wird Jane kalt, und ihr Mut verlässt sie. Der Regen peitscht gegen die Fenster, und der Wind heult draußen, während ihre gewohnte Stimmung der Demütigung ihren schwindenden Zorn dämpft. Sie denkt an Mr. Reeds Versprechen auf dem Sterbebett, sie wie ein eigenes Kind aufzuziehen, und erkennt, wie lästig diese Verpflichtung für Mrs. Reed gewesen sein muss. Ein abergläubischer Gedanke ergreift von ihr Besitz – dass Mr. Reeds Geist aus dem Grab auferstehen könnte, um die Meineidigen zu bestrafen und die Unterdrückten zu rächen. Als ein Lichtstreifen über Wand und Decke huscht, verwandelt ihre bereits entsetzte Fantasie ihn in einen übernatürlichen Vorboten. Ihr Herzschlag wird schwer, ihr Kopf wird heiß, sie hört Flügel und spürt eine bedrückende Gegenwart.
Der Schrei und Mrs. Reeds Grausamkeit
Der Schrei und Mrs. Reeds Grausamkeit – Janes Entsetzen bricht in einem Schrei hervor, und sie stürzt zur Tür, rüttelt verzweifelt am Schloss. Bessie und Abbot kommen herbeigeeilt und finden sie in hysterischem Zustand vor. Als Mrs. Reed mit gebieterischer Wut eintrifft, weist sie Janes flehentliche Bitten zurück und erklärt, das Kind solle zur Strafe eine Stunde länger bleiben. Sie beschuldigt Jane der Verstellung und Täuschung und weigert sich zu glauben, dass deren Entsetzen echt sei. Nachdem sie Jane zurück ins Zimmer gestoßen und eingeschlossen hat, entfernt sich Mrs. Reed und überlässt Jane ihrer Ohnmacht – einer „Art Anfall", die das Martyrium dieses Nachmittags zu seinem düsteren Ende bringt.
Kapitel III
Jane Eyre erwacht nach dem traumatischen Vorfall im roten Zimmer, betreut von Bessie und Mr. Lloyd, dem Apotheker, und empfindet Erleichterung angesichts der Anwesenheit eines freundlichen Fremden, der in Gateshead Hall weder zur Familie noch zum Dienstpersonal gehört. Als Mr. Lloyd geht, versinkt Jane wieder in Traurigkeit, und trotz Bessies ungewöhnlicher Höflichkeit – sie bietet ihr einen Porzellanteller mit Gebäck und Gullivers Reisen an – findet Jane keinen Trost, da ihre Nerven zu sehr zerrüttet sind, um durch frühere Freuden oder durch Bücher besänftigt zu werden, die ihr nun unheimlich und trostlos erscheinen. Mr. Lloyd kehrt zurück und befragt Jane behutsam zu ihrem Kummer; sie gesteht, dass sie keine Familie hat und von ihrer Tante und ihren Cousins grausam behandelt wird, was den Apotheker dazu veranlasst, einen Wechsel von Luft und Umgebung zu empfehlen, woraufhin Jane hofft, dass dies eine Schule bedeutet. Später, während die Dienstboten glauben, Jane schlafe, besprechen Bessie und Abbot ihre Lage und enthüllen, dass ihr Vater ein armer Geistlicher war, der an Typhus starb, ihre Mutter die Ansteckung von ihm bekam und ihr Großvater Reed ihre Mutter wegen der Heirat enterbte, sodass Jane als Waise völlig ohne Verwandte und Schutz zurückblieb.
Erwachen nach dem Roten Zimmer
Das Kapitel beginnt damit, dass Jane nach der furchterregenden Nacht im roten Zimmer in ihrem eigenen Bett aufwacht. Sie sieht das Kinderzimmerfeuer und erkennt Bessie und Mr. Lloyd, einen Apotheker, die in der Nähe stehen. Jane empfindet sofortige Erleichterung angesichts der Anwesenheit eines Fremden, der nicht mit dem Haushalt der Reeds verbunden ist. Mr. Lloyd ist freundlich und sanft zu ihr, und sein Weggang hinterlässt bei ihr ein Gefühl von Verlust und Traurigkeit. Bessie zeigt sich ungewöhnlich höflich und bietet an, Jane während der Nacht alles zu bringen, was sie braucht.
Die Nacht der Angst und Geistergeschichten
Bessie geht zu Bett, besteht jedoch darauf, dass Sarah, ein anderes Hausmädchen, bei ihr in der Kinderstube schläft. Die beiden Dienstboten flüstern vor dem Einschlafen miteinander und unterhalten sich über übernatürliche Vorkommnisse, die ihrer Behauptung nach im Roten Zimmer geschehen sind – eine Gestalt in Weiß, ein schwarzer Hund, mysteriöses Klopfen an der Tür und Lichter in der Nähe des Kirchhofs. Jane hört aufmerksam zu und erhascht diese Bruchstücke gespenstischen Klatsches. Trotz der Anwesenheit der Dienstboten verbringt Jane die Nacht in wachem Entsetzen, ihre Nerven sind durch den Vorfall im Roten Zimmer zutiefst erschüttert. Das Kapitel bemerkt, dass zwar keine ernsthafte Krankheit folgte, Jane jedoch die seelischen Nachwirkungen jener Nacht bis zum heutigen Tag mit sich trägt.
Der Morgen danach: körperliche und seelische Qual
Am folgenden Mittag ist Jane körperlich schwach, doch geistig noch schlimmer dran. In ein Tuch gehüllt sitzt sie am Kamin des Kinderzimmers und weint still und unaufhörlich. Paradoxerweise sollte dies eine friedliche Zeit sein – die Reeds sind in der Kutsche ausgegangen, Bessie zeigt ungewöhnliche Freundlichkeit, und Abbot ist anderswo beschäftigt. Doch Janes Nerven sind zu sehr zerrüttet, um Trost anzunehmen, und keine Ruhe kann sie besänftigen. Das Kapitel blickt auf Mrs. Reeds Grausamkeit zurück und gesteht ein, dass sie zwar die schlechten Neigungen des Kindes ausgerissen hat, aber nicht wusste, was sie tat, als sie ein solches seelisches Leiden verursachte.
Vergebliche Trostversuche: Die Torte und Gullivers Reisen
Bessie bringt Jane eine Torte auf einem wunderschönen Porzellanteller, der mit Vögeln und Blumen verziert ist—etwas, das Jane sich immer ersehnt hatte, aber nie berühren durfte. Trotz dieser lange vorenthaltenen Gunst kann Jane nicht essen; die Farben des Tellers erscheinen ihr blass und unansehnlich. Dann bietet ihr Bessie Gullivers Reisen an, ein Buch, das Jane in Ehren gehalten hat, da sie es für einen wahrheitsgetreuen Bericht über wirkliche Länder hielt. Doch nun erscheinen ihr die Riesen als hagere Kobolde, die Zwerge als bösartige Teufelchen, und Gulliver kommt ihr wie ein einsamer Wanderer in schrecklichen Gegenden vor. Jane schließt bestürzt das Buch, unfähig weiterzulesen, und legt es beiseite neben die unberührte Torte.
Bessies Lied vom armen Waisenkind
Bessie beginnt, ein Häubchen für Georgianas Puppe zu nähen, und singt dabei „In den Tagen, als wir als Zigeuner umherzogen". Obwohl Jane Bessies süße Stimme stets geliebt hat, trägt die Melodie nun eine unbeschreibliche Traurigkeit in sich – der Kehrreim „Vor langer Zeit" klingt wie der traurigste Trauerhymnus. Dann singt Bessie eine Ballade von einem „armen Waisenkind", das einsame Berge durchstreift, verwaist und fern der Heimat. Die Verse sprechen von Entbehrung, fernen gütigen Engeln und eines Vaters Verheißung von Trost. Jane weint bei diesem Lied, und als Bessie endet und ihr sagt, sie solle nicht weinen, bemerkt die Erzählerin, dass dieses Gebot so vergeblich ist wie dem Feuer zu befehlen, nicht zu brennen.
Mr. Lloyds zweiter Besuch und seine Untersuchung
Herr Lloyd kehrt am nächsten Morgen zurück und ist überrascht, Jane bereits angezogen und auf den Beinen vorzufinden. Er bemerkt, dass sie krank aussieht, und fragt, warum sie geweint habe. Als Bessie andeutet, Jane sei verstimmt darüber, nicht mit der Kutsche ausfahren zu dürfen, weist Herr Lloyd dies als kindisch zurück. Jane weist das stolz von sich und erklärt, sie hasse es, in der Kutsche zu fahren, und weine, weil sie unglücklich sei. Herr Lloyd betrachtet sie mit seinen kleinen grauen Augen unverwandt, und als Bessie erwähnt, Jane sei gestürzt, äußert er sein Erstaunen darüber, dass ein Kind von acht oder neun Jahren nicht ordentlich gehen könne.
Jane vertraut ihr Unglück an
Als Bessie zum Essen geht, fragt Mr. Lloyd, was Jane wirklich krank gemacht hat. Sie berichtet ihm unverblümt, dass sie im Roten Zimmer mit dem Geist von Mr. Reed eingeschlossen worden sei. Mr. Lloyd lächelt und runzelt die Stirn und nennt sie ein kleines Kind, weil sie sich vor Gespenstern fürchte, doch sie erläutert ihm, dass Mr. Reed in jenem Zimmer gestorben sei und niemand es bei Nacht betrete. Sie bekräftigt, dass sie sich bei Tageslicht nicht fürchte, sagt jedoch, sie sei aus anderen Gründen unglücklich. Als er weiter in sie dringt, gesteht sie, dass sie weder Eltern noch Geschwister habe. Als Mr. Lloyd ihre Tante und Cousins erwähnt, erklärt sie stockend, dass John Reed sie zu Boden geworfen und ihre Tante sie im Roten Zimmer eingesperrt habe.
Die Frage der Schule
Mr. Lloyd fragt, ob sie nicht dankbar sei, in dem schönen Gateshead Hall zu leben. Jane erwidert, dass es nicht ihr Haus sei und dass Abbot ihr gesagt habe, sie habe weniger Recht, dort zu sein, als eine Dienerin. Als er andeutet, sie wolle vielleicht fortgehen, sagt sie, sie würde froh sein zu gehen, wenn sie anderswohin gehen könnte, aber sie könne nicht fortgehen, bis sie erwachsen sei. Sie weiß wenig über ihre Verwandten – Tante Reed erwähnte, sie habe möglicherweise arme Verwandte namens Eyre, wusste aber nichts über sie. Jane überlegt, dass Armut für ein Kind Erniedrigung, zerlumpte Kleidung, karges Essen und Unwissenheit bedeutet, und sagt daher, sie wolle nicht zu armen Leuten gehören.
Mr. Lloyd spricht mit Mrs. Reed
Herr Lloyd fragt Jane daraufhin, ob sie zur Schule gehen möchte. Da fällt ihr das Wenige ein, das sie aus Bessies Erzählungen weiß – junge Damen, die im Stock sitzen und Rückenbretter tragen, aber auch malen, singen, Musik spielen und Französisch übersetzen –, und Jane wird klar, dass eine Schule einen völligen Wandel bedeuten würde: eine lange Reise, eine Trennung von Gateshead und ein neues Leben. Sie antwortet, dass sie tatsächlich gerne zur Schule gehen würde. Herr Lloyd antwortet aufmunternd und denkt bei sich, dass das Kind einen Wechsel von Luft und Umgebung brauche und dass ihre Nerven nicht in gutem Zustand seien.
Belauschte Ursprünge: Janes Eltern und der Klatsch der Dienstboten
Als die Kutsche der Reeds zurückkehrt, bittet Mr. Lloyd, vor seiner Abreise noch mit Mrs. Reed sprechen zu dürfen. In jenem Gespräch empfiehlt er vermutlich, Jane auf eine Schule zu schicken – einen Vorschlag, den Mrs. Reed bereitwillig annimmt. In dieser Nacht belauscht Jane, wie Bessie und Abbot über sie sprechen, während sie glauben, dass sie schläft. Abbot berichtet, dass Janes Vater ein armer Geistlicher war, dass ihre Mutter gegen den Willen ihrer Freunde geheiratet hat, dass ihr Großvater sie ohne einen Pfennig enterbte und dass beide Eltern innerhalb eines Monats an Typhus starben. Bessie bemitleidet die Waise, doch Abbot bleibt ohne Mitgefühl, bezeichnet Jane als „kleine Kröte" und zieht die hübsche Georgiana vor.
KAPITEL IV
Nach ihrer Genesung von der Krankheit bewahrt Jane die Hoffnung auf Veränderung, die auf ihrem Gespräch mit Mr. Lloyd beruht, doch Tage und Wochen vergehen, ohne dass die Schule erwähnt wird. Mrs. Reed verschärft die Isolation, weist Jane eine kleine Kammer zu, verlangt, dass sie allein isst, und hält sie im Kinderzimmer eingeschlossen, während ihre Cousins und Cousinen das Wohnzimmer genießen. Die Familie behandelt sie mit Kälte – Eliza und Georgiana reden nur minimal mit ihr, und John versucht, sie zu schlagen, wird jedoch in die Flucht geschlagen, als sie sich zur Wehr setzt. Mrs. Reed weist ihre Kinder ausdrücklich an, dass Jane „keine Beachtung verdiene" und nicht mit ihr verkehrt werden solle. Kapitel IV schildert Jane Eyres entscheidende Konfrontation mit Mrs. Reed, gefolgt von ihrer emotionalen Verarbeitung des Konflikts und einer bedeutsamen Veränderung in ihrer Beziehung zur Bediensteten Bessie. Das Kapitel markiert einen entscheidenden Wendepunkt in Janes Entwicklung, da sie ihren ersten Geschmack von Trotz und Sieg gegen ihre Unterdrücker erfährt.
Kapitel IV
Nach ihrer Genesung von der Krankheit bewahrt Jane die Hoffnung auf Veränderung aufgrund ihres Gesprächs mit Mr. Lloyd, doch Tage und Wochen vergehen, ohne dass auch nur die Schule erwähnt wird. Mrs. Reed verschärft die Isolation, weist Jane eine kleine Kammer zu, verlangt, dass sie allein isst, und hält sie im Kinderzimmer eingesperrt, während ihre Cousins das Wohnzimmer genießen. Die Familie begegnet ihr mit Kälte – Eliza und Georgiana reden nur das Nötigste mit ihr, und John versucht, sie zu schlagen, wird jedoch in die Flucht geschlagen, als sie sich zur Wehr setzt. Mrs. Reed weist ihre Kinder ausdrücklich an, dass Jane „nicht beachtenswert" sei und man sich nicht mit ihr abgeben solle.
Warten auf Veränderung und anhaltende Isolation
Die Trennung zwischen Jane und den Reed-Kindern wird nach ihrer Krankheit immer ausgeprägter. Mrs. Reed setzt eine strenge Isolation durch, indem sie Jane in eine kleine Kammer verbannt, ihr einsame Mahlzeiten aufzwingt und sie ständig auf das Kinderzimmer beschränkt, während ihre Cousins und Cousinen das Gesellschaftszimmer des Hauses genießen. Die Kinder folgen den Anweisungen ihrer Mutter: Eliza und Georgiana meiden jedes Gespräch, und John zeigt sich feindselig – einmal versucht er, sie körperlich zu züchtigen, zieht sich aber zurück, als Jane sich zur Wehr setzt. Jane spürt eine „instinktive Gewissheit", dass Mrs. Reed ihre Anwesenheit nicht mehr lange dulden wird, denn die Blicke ihrer Stief-Tante drücken nun „unüberwindliche und tief verwurzelte Abneigung" aus.
Konfrontation mit Mrs. Reed
Jane trotzt der Konvention, indem sie vom Treppenabsatz aus verkündet, die Reed-Kinder seien „nicht würdig, mit mir zu verkehren." Mrs. Reed reagiert heftig, scheucht Jane in das Kinderzimmer und droht, sie für den Rest des Tages dort einzusperren. Als Mrs. Reed sie mit der Frage konfrontiert, was Onkel Reed wohl davon halten würde, spricht Jane Worte, die ihr selbst nicht gehorchen zu wollen scheinen: Sie ruft ihren verstorbenen Onkel und ihre Eltern im Himmel als Zeugen dafür an, wie schlecht Mrs. Reed sie behandelt hat. Dieser übernatürliche Appell erschüttert Mrs. Reed sichtlich; sie zittert am ganzen Leib und versetzt Jane eine Ohrfeige, bevor sie den Raum verlässt. Anschließend hält Bessie einen langen Vortrag über Janes angebliche Boshaftigkeit, sodass das Kind am Ende überzeugt ist, nur böse Gefühle in sich zu tragen.
Einsame Weihnachtsfeiertage
Von November bis Mitte Januar gehen die festlichen Feierlichkeiten in Gateshead ohne Janes Teilnahme weiter. Sie beobachtet, wie Eliza und Georgiana sich für Partys zurechtmachen – in Musselinkleidern mit kunstvoll gelocktem Haar –, während sie von unten Klavier- und Harfenmusik hört. Anstatt sich elend zu fühlen, findet Jane etwas Zufriedenheit in ihrer Einsamkeit, besonders wenn Bessie gelegentlich Freundlichkeit zeigt, indem sie kleine Leckereien bringt und Gute Nacht sagt. Bessie wird Janes bevorzugte Gefährtin, trotz ihres wechselhaften Temperaments und ihres unzuverlässigen Urteilsvermögens. Besonderen Trost findet Jane in ihrer Puppe, die sie beinahe wie eine lebendige Begleiterin behandelt, in ihr Nachthemd wickelt und aus deren Anwesenheit sie an einsamen Abenden Glück schöpft.
Ein Neuankömmling und eine Vorladung
Am fünfzehnten Januar ruft Bessie Jane mit ungewöhnlicher Dringlichkeit ins Frühstückszimmer und zieht sie eilig an, obwohl Jane protestiert. Als Jane zum ersten Mal seit beinahe drei Monaten die Halle hinuntergeht, schreckt sie der Gedanke zurück, in die Räume der Erwachsenen einzutreten. Beim Betreten des Frühstückszimmers findet sie nicht nur Mrs. Reed, sondern auch einen imposanten Fremden vor – einen großen, hart geschnittenen Herrn in Schwarz, den sie zunächst als „eine schwarze Säule" mit einem Gesicht „wie eine geschnitzte Maske" wahrnimmt. Mrs. Reed stellt Jane als das Mädchen vor, wegen dem sie sich an diesen Herrn gewandt hatte, und macht damit den Zweck seines Besuchs deutlich.
Begegnung mit Mr. Brocklehurst
Mr. Brocklehurst, der als Vorstandsmitglied der Schule Lowood vorgestellt wird, mustert Jane mit prüfendem Blick, bemerkt ihre geringe Größe und fragt nach ihrem Alter. Als er sich erkundigt, ob sie ein braves Kind sei, antwortet Mrs. Reed verneinend mit einem Kopfschütteln. Das anschließende Verhör behandelt religiöses Wissen – Jane zeigt Vertrautheit mit der Heiligen Schrift, gibt jedoch zu, dass ihr die Psalmen nicht gefallen, was Mr. Brocklehurst zu der Erklärung veranlasst, sie habe „ein böses Herz". Er schildert die Frömmigkeit seines eigenen Sohnes als Beispiel für eine vorbildliche christliche Erziehung. Anschließend bezichtigt Mrs. Reed Jane in Gegenwart des Fremden der Verlogenheit und warnt sie, sie solle nicht versuchen, Mr. Brocklehurst zu täuschen – ein Vorwurf, der Jane zutiefst verletzt und sie das Gefühl haben lässt, ihre Zukunft werde mit voller Absicht vergiftet.
Vorbereitungen für die Schule Lowood
Frau Reed erklärt Herrn Brocklehurst, dass sie wünscht, Jane in der Schule Lowood unterzubringen, wo sie zu Nützlichkeit, Demut und strenger Aufsicht angehalten werden solle. Herr Brocklehurst erläutert die Philosophie Lowoods, weltlichen Hochmut durch schlichtes Leben, einfache Kleidung und abgehärtete Gewohnheiten zu züchtigen, und führt die Bemerkung seiner Tochter an, dass die Mädchen „fast wie die Kinder armer Leute aussehen." Frau Reed billigt dieses Vorgehen und erklärt die Konsequenz zur obersten christlichen Pflicht. Die Vereinbarungen werden rasch getroffen – Jane soll so bald wie möglich geschickt werden, und Herr Brocklehurst wird Miss Temple von ihrer Ankunft in Kenntnis setzen. Vor seiner Abreise überreicht er Jane eine kleine Schrift mit dem Titel „Der Leitfaden für Kinder", die eine warnende Geschichte über ein betrügerisches Kind enthält, und Frau Reed ist am Ende zufrieden, dass ihre Verantwortung für Jane bald ein Ende haben wird.
Kapitel IV
Kapitel IV schildert Jane Eyres entscheidende Konfrontation mit Mrs. Reed, gefolgt von ihrer emotionalen Verarbeitung des Konflikts und einer bedeutsamen Wendung in ihrer Beziehung zu der Dienerin Bessie. Das Kapitel markiert einen entscheidenden Wendepunkt in Janes Entwicklung, da sie zum ersten Mal Trotz und Sieg gegen ihre Unterdrücker erfährt.
Konfrontation mit Mrs. Reed
Nachdem Mr. Brocklehurst gegangen ist, konfrontiert Jane Mrs. Reed direkt und mutig. Sie erklärt, dass sie nicht verlogen ist, und bringt offen ihre Abneigung gegen ihre Tante zum Ausdruck. Sie wirft Mrs. Reed Grausamkeit vor und erinnert insbesondere daran, wie sie trotz ihrer verzweifelten Bitten um Gnade im roten Zimmer eingesperrt wurde. Als Mrs. Reed fragt, ob sie noch mehr zu sagen habe, erklärt Jane, dass sie sie nie wieder „Tante" nennen werde und allen die Wahrheit über ihre Behandlung erzählen werde. Obwohl Jane in diesem Moment einen Triumph und eine Befreiung durch ihre verbale Auflehnung verspürt, ergreift sie bald der Frost der Reue und der Einsamkeit. Sie wandert in den gefrorenen Garten, um über ihre Lage in Gateshead nachzusinnen. Bald findet Bessie sie und spendet ihr Trost durch ihr vertrautes Wechselspiel von sanftem Schelten und darauffolgender Wärme. Schließlich erfährt Jane, dass sie in ein bis zwei Tagen zur Schule abreisen wird, womit die Auseinandersetzung ein Ende findet.
Die Folgen der Konfrontation
Janes explosive Konfrontation mit Mrs. Reed hinterlässt sie mit einem tiefen Gefühl der Befreiung, auf das fast unmittelbar heftige Reue und Trostlosigkeit folgen. Nachdem Mrs. Reed sich in sichtlicher Angst zurückzieht, erlebt Jane das Hochgefühl, endlich ihre Wahrheit ausgesprochen zu haben, doch innerhalb weniger Minuten erkennt sie den Wahnsinn ihres Verhaltens und irrt ziellos über das frostgepeinigte Anwesen umher, wobei sie voller Qual unaufhörlich wiederholt: „Was soll ich tun? – was soll ich tun?" Ihr inneres Aufgewühltsein wird schließlich besänftigt, als Bessie, das Kindermädchen, mit schlichter Güte und der Neuigkeit eintrifft, dass Jane bald zur Schule abreisen wird, sodass das Kind inmitten seines so trübseligen Daseins in Gateshead einen seltenen Moment aufrichtigen Trostes erfahren darf.
Eine neue Dynamik mit Bessie
Nach ihrer explosiven Auseinandersetzung mit Mrs. Reed begegnet Jane Bessie, die sie zum Mittagessen hereinruft und ihre seltsame, einzelgängerische Art bemerkt. Ein deutlicher Wandel vollzieht sich in ihrem Umgang miteinander, als Jane impulsiv das Kindermädchen umarmt – eine für sie ungewöhnlich kühne Geste, die Bessie überrascht und erfreut, die Janes wachsende Kühnheit anerkennt und trotz des regelmäßigen Scheltens Zuneigung für ihre Schutzbefohlene durchblicken lässt. Das Kindermädchen überbringt die Kunde von Janes bevorstehender Abreise zur Schule innerhalb eines oder zweier Tage und bietet ihr Tee, einen eigens gebackenen Kuchen und die Möglichkeit an, Spielzeug für die Reise auszuwählen, was Jane mit neu gewonnener Fassung aufnimmt. Ihr gemeinsamer Nachmittag verstreicht in Harmonie, während Bessie bezaubernde Geschichten und süße Lieder zum Besten gibt, und Jane erlebt einen seltenen Augenblick der Wärme und Geborgenheit, um zu dem Schluss zu gelangen, dass selbst für sie das Leben „Sonnenstrahlen" bereithält.
Kapitel V
Kapitel V schildert Jane Eyres Aufbruch von Gateshead und ihre Ankunft in der Anstalt Lowood, einer Wohltätigkeitsschule für Waisenkinder. Das Kapitel begleitet sie auf einer langen Winterreise und beschreibt ihren ersten erschöpfenden Tag in der Schule, wobei es zentrale Figuren einführt, darunter die gütige Vorsteherin Miss Temple und die strenge Verfechterin der Disziplin, Miss Scatcherd. Anhand detaillierter Schilderungen karger Mahlzeiten, harter Lebensbedingungen und strenger Tagesabläufe verdeutlicht das Kapitel den krassen Gegensatz zwischen Janes bisherigem Leben und ihrer neuen Existenz als Stipendiatin in Lowood.
Frühe Abreise von Gateshead
**Frühmorgendliche Abreise von Gateshead** Am Morgen des 19. Januar weckt Bessie Jane um fünf Uhr mit einer Kerze. Jane hat sich bereits beim Mondschein angekleidet, der durch ihr schmales Fenster fällt. Trotz Bessies Bemühungen, sie zu füttern, kann Jane vor Aufregung und Angst vor der bevorstehenden Reise nichts essen. Als Bessie vorschlägt, sie solle sich von Mrs. Reed verabschieden, offenbart Jane, dass Mrs. Reed am Vorabend an ihrem Bettchen erschienen war und behauptet hatte, ihre beste Freundin zu sein, obwohl Jane sich schweigend abwandte und es ablehnte, eine solche Heuchelei anzuerkennen. Sie erklärt Bessie, dass Mrs. Reed ihre Feindin gewesen sei, nicht ihre Freundin. Die beiden verlassen das Kinderzimmer in der Dunkelheit und gehen ohne Abschied an Mrs. Reeds Schlafzimmer vorbei. Draußen ist der kalte Wintermorgen dunkel, feucht und rau. Bessie trägt eine Laterne, während sie den Kiesweg hinuntergehen. Die Pförtnersfrau hat gerade ein Feuer in der Pförtnerwohnung angezündet, und Janes Koffer, mit Stricken verschnürt, wartet an der Tür. Um sechs Uhr trifft die Kutsche mit vier Pferden und Passagieren auf dem Dach ein. Bessie küsst Jane zum Abschied und bittet den Postillion inständig, gut auf sie acht zu geben, und Jane wird hineingeführt, als die Kutsche abfährt und sie für immer von Bessie und Gateshead trennt.
Die Reise nach Lowood
**Die Reise nach Lowood** Die Kutschfahrt nach Lowood – fünfzig Meilen entfernt – kommt Jane übernatürlich lang vor, als würden sie Hunderte von Meilen durch zahlreiche Städte reisen. In einer großen Stadt werden die Pferde zum Füttern herausgenommen, und die Fahrgäste steigen in einem Gasthof ab. Der Kutscher versucht Jane zum Essen zu überreden, doch sie hat keinen Appetit. Er lässt sie allein in einem riesigen Raum mit Kaminen an beiden Enden, einem Kronleuchter und einer kleinen roten Galerie, die mit Musikinstrumenten gefüllt ist. Jane geht ängstlich umher, fürchtet Entführer, während sie sich an Geschichten aus Bessies Geschichten am Kaminfeuer erinnert. Als der Kutscher zurückkehrt, fahren sie durch den Nachmittag weiter, der nass und neblig hereinbricht. Die Landschaft wechselt von Städten zu großen grauen Hügeln und steigt dann in ein dunkles, bewaldetes Tal hinab, als die Nacht hereinbricht. Ein wilder Wind rauscht durch die Bäume, und Jane schläft bei seinem Klang ein, um erst wieder aufzuwachen, als die Kutsche anhält und ein Diener die Tür öffnet und nach „einem kleinen Mädchen namens Jane Eyre" fragt.
Ankunft und Vorstellung bei den Lehrerinnen
Ankunft und Vorstellung bei den Lehrerinnen** Jane wird aus der Kutsche gehoben in Regen, Wind und Dunkelheit. Ihr Koffer wird heruntergereicht, und die Kutsche fährt sofort davon, so dass sie verblüfft in der Nacht dasteht. Sie folgt dem Diener durch eine Tür in ein großes Gebäude mit vielen Fenstern und Lichtern, über einen nassen Kiesweg und in einen Gang, der zu einem Raum mit einem Feuer führt. Im Salon wärmt Jane ihre steifen Finger und nimmt die tapezierten Wände, den Teppich, die Vorhänge und die Mahagonimöbel in sich auf – bequem, aber nicht prunkvoll. Sie betrachtet gerade ein Bild, als zwei Frauen mit Kerzen eintreten. Die erste ist eine große Dame mit dunklem Haar, dunklen Augen und einer blassen, hohen Stirn; ihr Auftreten ist ernst und ihre Haltung aufrecht. Sie beobachtet Jane und bemerkt, dass das Kind sehr jung sei, um allein geschickt zu werden, und stellt fest, dass Jane müde aussieht. Sie fragt, ob Jane müde und hungrig sei, und wendet sich dann an Miss Miller mit der Anweisung, Jane vor dem Schlafengehen noch etwas zu essen zu geben. Sie fragt, ob Jane zum ersten Mal von ihren Eltern fort für die Schule sei. Jane erklärt, dass sie keine Eltern habe, und die Dame fragt, wie lange diese schon tot seien, nach Janes Alter, Namen und ob sie lesen, schreiben und nähen könne. Sanft berührt sie Janes Wange und bringt ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass Jane ein braves Kind sein werde, dann entlässt sie sie mit Miss Miller. Die erste Dame wirkt ungefähr neunundzwanzig Jahre alt; Miss Miller ist jünger, aber gewöhnlich, hat einen rötlichen Teint und ist in ihren Bewegungen hastig – eindeutig eine Hilfslehrerin.
Abendessen und die erste Nacht
Abendessen und die erste Nacht Miss Miller führt Jane durch Abteile und Gänge des großen, unregelmäßigen Gebäudes, bis sie das Summen vieler Stimmen erreichen. Sie betreten einen breiten, langen Klassenraum mit Tischen und Bänken, in dem etwa achtzig Mädchen im Alter von neun bis zwanzig Jahren in braunen Kleidern und langen Schürzen aus holländischem Stoff sitzen. Der Raum ist schwach von Talgkerzen erhellt, und die Mädchen lernen ihre Lektionen für den nächsten Tag, was das gemurmelte Summen erzeugt, das Jane gehört hatte. Miss Miller befiehlt den Aufseherinnen, die Schulbücher einzusammeln und wegzulegen, dann die Abendessenstabletts zu holen. Große Mädchen bringen Tabletts mit Portionen dünnen Haferkuchens, der in Stücke gebrochen ist, einem Krug Wasser und einem Becher, den alle teilen. Jane trinkt das Wasser, kann aber vor Aufregung und Erschöpfung nichts essen. Nach dem Essen liest Miss Miller ein Gebet vor, und die Klassen begeben sich paarweise in den Schlafsaal. Jane ist zu erschöpft, um viele Einzelheiten des langen Schlafsaals wahrzunehmen, erfährt aber, dass sie Miss Millers Bett teilen wird. Als sie sich hinlegt, sieht sie Reihen von Betten, die rasch mit je zwei Bewohnerinnen gefüllt werden. Innerhalb von zehn Minuten wird das einzige Licht gelöscht, und sie sinkt in Stille und Dunkelheit in den Schlaf. Die Nacht vergeht schnell; Jane erwacht nur einmal, hört heftigen Wind und starken Regen und bemerkt, wie Miss Miller ihren Platz neben ihr einnimmt.
Morgenroutine und ein verbranntes Frühstück
Morgenroutine und ein verbranntes Frühstück Jane wird von einer lauten Glocke geweckt, die noch vor der Morgendämmerung läutet, während die Mädchen bei rötlichem Kerzenschein aufstehen und sich anziehen. Der Morgen ist bitterkalt, und Jane kleidet sich zitternd an und wäscht sich, sobald eine Waschschüssel frei wird – eine Schüssel dient sechs Mädchen. Die Glocke läutet erneut, und alle stellen sich in Zweierreihen auf und steigen in das kalte, dämmrig beleuchtete Klassenzimmer hinab, wo Miss Miller die Gebete liest. Sie befiehlt: „Klassen bilden!“, und ein großes Durcheinander entsteht für mehrere Minuten, bis Miss Miller wieder Ordnung schafft. Die Mädchen ordnen sich in vier Halbkreisen vor vier Stühlen an vier Tischen an, wobei auf jedem Tisch Bücher liegen und ein großes, bibelähnliches Buch liegt. Nach einer Pause, die von einem vagen Summen von Zahlen erfüllt ist, geht Miss Miller von Klasse zu Klasse, um den Lärm zu dämpfen. Eine ferne Glocke klingelt, und drei Damen treten ein, nehmen an drei Tischen Platz, während Miss Miller den vierten Tisch einnimmt. Die kleinsten Kinder, darunter Jane, versammeln sich an Miss Millers Tisch. Nach den eine Stunde dauernden Bibellesungen ist der Tag vollständig angebrochen. Die Glocke ertönt zum vierten Mal, und die Klassen marschieren zum Frühstück. Das Refektorium ist ein großer, niedrig gewölbter, düsterer Raum, in dem rauchende Schüsseln mit etwas Heißem einen wenig einladenden Geruch verströmen. Als der Dampf des Haferbreis die Mädchen erreicht, erhebt sich allgemeine Unzufriedenheit, wobei die größeren Mädchen flüstern, der Haferbrei sei schon wieder verbrannt. Eine Lehrerin kostet den Haferbrei und flüstert den anderen zu, er sei abscheulich und eine Schande. Keines der Mädchen kann sein Frühstück essen; die Löffel bewegen sich langsam, während jede versucht, die ekelhafte Masse zu schlucken, und daran scheitert.
Morgenunterricht und Miss Temple
**Morgenstunden und Fräulein Temple** Nach dem Frühstück, das endet, ohne dass jemand tatsächlich gefrühstückt hat, werden Gebete und eine Hymne gesungen, und die Schule löst sich auf. Es folgen fünfzehn Minuten freier Unterhaltung, in denen die gesamte Schule über das schreckliche Frühstück spricht. Jane hört, dass der Name Mr. Brocklehurst erwähnt wird, und Fräulein Miller schüttelt missbilligend den Kopf, hält die allgemeine Empörung aber nicht auf. Um neun Uhr befiehlt Fräulein Miller Ruhe und Ordnung, und innerhalb von fünf Minuten legt sich die verwirrte Menge zu verhältnismäßiger Stille. Die Oberstufenlehrerinnen nehmen ihre Posten ein, und alle achtzig Mädchen sitzen regungslos und aufrecht auf Bänken, alle gleich gekleidet in braunen Kleidern, mit schlichtem Haar, wollenen Strümpfen und im Land gefertigten Schuhen mit Messingschnallen. Die Schule erhebt sich plötzlich, als wäre sie von einer gemeinsamen Feder angetrieben. Jane sieht die Vorsteherin vom Vorabend eintreten – Fräulein Temple, groß, blond und wohlgestaltet, mit braunen Augen und einem gütigen Leuchten, dunkelbraunem Haar in runden Locken, ein violettes Kleid mit spanischem schwarzem Samtbesatz und eine goldene Uhr tragend. Sie steht am Kamin und mustert die Mädchen schweigend. Fräulein Miller fragt sie etwas und befiehlt dann der Klassensprecherin der ersten Klasse, die Globen zu holen. Fräulein Temple nimmt vor den Globen Platz und ruft die erste Klasse zum Geographieunterricht. Während die unteren Klassen Unterricht in Geschichte, Grammatik, Wiederholungen, Schreiben und Rechnen erhalten, erteilt Fräulein Temple den älteren Mädchen Musikunterricht. Der Unterricht dauert bis zwölf Uhr, dann steht Fräulein Temple auf, um eine Ansprache an die Schülerinnen zu halten.
Ein unerwartetes Mittagessen und Pause im Garten
**Ein unerwartetes Mittagessen und die Pause im Garten** Miss Temple verkündet, dass sie, da die Schülerinnen ihr Frühstück nicht essen konnten und gewiss hungrig sein müssten, ein Mittagessen aus Brot und Käse für alle angeordnet habe. Die anderen Lehrerinnen blicken sie überrascht an, doch sie erklärt, dies geschehe auf ihre eigene Verantwortung, und verlässt dann den Raum. Das Brot und der Käse werden gebracht und zur großen Freude der gesamten Schule verteilt. Daraufhin befiehlt Miss Temple den Mädchen, in den Garten zu gehen. Jede setzt einen groben Strohhut mit bunten Kalikobändern auf und legt einen grauen Friesmantel um. Der Garten ist ein weiter, von hohen Mauern umschlossener Bezirk mit einer überdachten Veranda und breiten Wegen, die Beete einfassen, die jeder Schülerin zur Bepflanzung zugewiesen sind. Jetzt, Ende Januar, ist alles winterlich und braun. Die kräftigeren Mädchen laufen umher und spielen lebhafte Spiele, während die blassen und dünnen sich schutzsuchend in der Veranda zusammenkauern und vom kalten Nieselregen husten. Jane steht allein, an einen Pfeiler der Veranda gelehnt, in ihren grauen Mantel gehüllt, und versucht sowohl die Kälte als auch ihren Hunger zu vergessen. Sie betrachtet das große Gebäude—halb alt und grau, die andere Hälfte neu—in dem sich das Klassenzimmer und der Schlafsaal befinden und das durch seine Fenster ein kirchenähnliches Aussehen erhält. Über der Tür trägt eine steinerne Tafel die Inschrift „LOWOODE INSTITUTION", wiederaufgebaut im Jahre nach Christi Geburt von Naomi Brocklehurst, mit einem biblischen Zitat, dass man sein Licht vor den Menschen leuchten lassen solle. Jane sinnt über die Bedeutung des Wortes „Institution" nach, während sie dort steht.
Ein Gespräch mit einem Mitschüler
Ein Gespräch mit einer Mitschülerin** Ein Husten in der Nähe von Jane lässt sie den Kopf drehen. Ein Mädchen sitzt auf einer Steinbank in der Nähe, über ein Buch mit dem Titel „Rasselas" gebeugt. Jane tritt näher und fragt, ob das Buch interessant sei. Nachdem das Mädchen Jane einen Moment lang gemustert hat, antwortet es, dass es ihm gefalle. Jane fragt, wovon es handelt, und wagt es, ein Gespräch anzufangen, obwohl es ihrer Natur zuwiderläuft. Das Mädchen bietet Jane das Buch an, die den Inhalt weniger ansprechend findet als den Titel – es scheint fade ohne Feen oder Dschinn, also gibt sie es zurück. Jane fragt dann nach der Inschrift auf der Steintafel und was Lowood Institution bedeute. Das Mädchen erklärt, dass es eine Wohltätigkeitsschule für Waisen sei; sowohl Jane als auch die anderen Mädchen hätten einen oder beide Elternteile verloren. Als Jane nach der Bezahlung fragt, erfährt sie, dass Freunde jährlich fünfzehn Pfund für jedes Mädchen zahlen und das Fehlende durch Spenden von gütigen Damen und Herren gedeckt wird. Naomi Brocklehurst war die Dame, die den neuen Teil des Hauses gebaut hat, und ihr Sohn überwacht nun alles als Schatzmeister und Verwalter. Das Mädchen stellt klar, dass die große Dame mit der Uhr, Miss Temple, nicht das Haus besitzt, sondern Mr. Brocklehurst Rechenschaft schuldet, der in einem großen Herrenhaus zwei Meilen entfernt wohnt. Das Mädchen beschreibt die anderen Lehrerinnen: Miss Smith mit roten Wangen, die Näharbeiten und Zuschneiden unterrichtet, Miss Scatcherd mit schwarzem Haar, die Geschichte und Grammatik lehrt, und Madame Pierrot aus Lille, die Französisch unterrichtet. Jane fragt, ob das Mädchen die Lehrerinnen möge, und es antwortet, es gehe so ziemlich, obwohl Miss Scatcherd heftig sei und man darauf achten müsse, sie nicht zu verletzen. Als Jane erklärt, Miss Temple sei die Beste, stimmt das Mädchen zu, dass Miss Temple sehr gut und sehr klug sei, über alle anderen erhaben. Jane erfährt, dass das Mädchen seit zwei Jahren dort ist und eine Waise, deren Mutter tot ist. Als Jane fragt, ob es glücklich sei, sagt das Mädchen, Jane stelle zu viele Fragen und wolle lesen. Gerade dann wird das Mittagessen angekündigt.
Mittagessen und Nachmittagsunterricht
**Mittagessen und Nachmittagsunterricht** Nach dem Gespräch im Garten kehren alle zum Mittagessen ins Haus zurück. Der Geruch im Speisesaal ist nicht verlockender als beim Frühstück – zwei riesige verzinnte Gefäße enthalten ein stark riechendes Durcheinander aus mittelmäßigen Kartoffeln und rostfarbenen Fleischfetzen, die zusammen gekocht wurden. Jede Schülerin erhält eine ziemlich reichliche Portion, und Jane isst, was sie kann, während sie sich fragt, ob die Mahlzeiten jeden Tag so ausfallen werden. Nach dem Essen begeben sie sich sogleich in den Unterrichtsraum, wo der Unterricht wieder beginnt und bis fünf Uhr andauert. Am Nachmittag wird Jane Zeugin eines bemerkenswerten Vorfalls: Das Mädchen, mit dem sie im Garten gesprochen hat, wird von Miss Scatcherd in Schimpf und Schande aus dem Geschichtsunterricht gewiesen und muss zur Strafe in die Mitte des großen Schulraums treten. Zu Janes Verwunderung weint das Mädchen nicht und errötet auch nicht, sondern steht gefasst und ernst da, der Mittelpunkt aller Augen. Jane staunt über ihre stille Standhaftigkeit und bemerkt, dass ihre Augen auf den Boden geheftet sind, aber nichts zu sehen scheinen – ihr Blick ist nach innen gekehrt und betrachtet vielleicht das, woran sie sich erinnert, und nicht das, was gegenwärtig ist. Jane fragt sich, was für ein Mädchen sie ist, ob brav oder unartig.
Abendessen und Schlafenszeit
Abendessen und Schlafenszeit** Um fünf Uhr erhalten die Schülerinnen eine weitere Mahlzeit, bestehend aus einer kleinen Tasse Kaffee und einer halben Scheibe dunklem Brot. Jane verschlingt ihren Anteil mit Genuss, wünscht sich jedoch mehr, da sie noch hungrig ist. Nach einer halben Stunde Freizeit folgt eine Lernstunde, dann ein Glas Wasser und ein Stück Haferkuchen, Gebete, und schließlich geht es ins Bett. So endet Janes erster Tag in der Anstalt Lowood.
Kapitel VI
Dieses Kapitel schildert Jane Eyres zweiten Tag in der Lowood-Schule. Es beginnt mit den harten Winterbedingungen, die das Waschwasser zu festem Eis gefrieren lassen, gefolgt von einem kargen Frühstück aus kaum ausreichendem Haferbrei. Es begleitet Janes offizielle Einschreibung in die vierte Klasse und ihre anfänglichen Schwierigkeiten, sich an den anspruchsvollen akademischen und praktischen Tagesablauf der Schule zu gewöhnen. Das Kapitel schildert im Detail, wie Jane beobachtet, wie Miss Scatcherd Helen Burns während des englischen Geschichtsunterrichts grausam und ungerecht bestraft, einschließlich einer öffentlichen Züchtigung wegen vermeintlicher Unordnung, die Helen wegen des gefrorenen Wassers nicht beheben kann. Anschließend geht es zur abendlichen Spielstunde über, in der Jane Helen Burns findet, wie sie am Kamin des Klassenzimmers liest, was zu ihrem ersten längeren Gespräch führt. Ihr Dialog erörtert Helens Philosophie der geduldigen Erdul dung angesichts ungerechter Bestrafung, ihre Ablehnung gewaltsamer Vergeltung, ihre eigenen persönlichen Fehler, die Miss Scatcherds Zorn auf sich ziehen, ihre Zuneigung zu der gütigen Miss Temple sowie ihre ausführlichen Überzeugungen hinsichtlich Vergebung, dem Jenseits und dem Wert, Groll loszulassen, um seine begrenzte Zeit auf Erden nicht zu verschwenden. Das Kapitel endet, als Helen von einer Aufseherin unterbrochen und angewiesen wird, zu ihren Aufgaben zurückzukehren.
Ein eisiger Morgen und karges Frühstück
Janes zweiter Tag in Lowood beginnt in bitterer Kälte, da ein Nordostwind in der vergangenen Nacht das gesamte Wasser in den Waschkannen der Schlafsäle der Schule hatte gefrieren lassen, sodass Waschen unmöglich war. Sie steht auf und kleidet sich wie üblich bei Kerzenlicht an und erduldet dann eine lange Stunde und eine halbe voller Gebete und Bibellesungen, während sie beinahe vor Kälte umkommt. Als das Frühstück endlich serviert wird, ist der Haferbrei zwar nicht mehr verbrannt und durchaus essbar, doch die Portion ist so klein, dass Jane sich wünscht, sie wäre doppelt so groß gewesen, um ihren Hunger zu stillen.
Janes erster Tag in der vierten Klasse
Jane wird offiziell als Mitglied von Lowoods vierter Klasse eingeschrieben, erhält regelmäßige akademische und praktische Aufgaben und geht von einer Zuschauerin des Schullebens zu einer aktiven Teilnehmerin über. Anfangs hat sie mit dem Auswendiglernen der Lektionen zu kämpfen, und auch die häufigen Wechsel zwischen verschiedenen Aufgaben, die sie desorientieren, bereiten ihr Schwierigkeiten. Um drei Uhr nachmittags gibt Miss Smith ihr zwei Yards Musselin, eine Nadel und einen Fingerhut und weist sie an, sich in eine ruhige Ecke des Klassenzimmers zu setzen, um den Stoff zu säumen, da die meisten anderen Mädchen zu dieser Zeit ebenfalls nähen.
Miss Scatcherds Grausamkeit gegenüber Helen Burns
Während Jane näht, beobachtet sie eine englische Geschichtsstunde unter der Leitung von Miss Scatcherd, in der ihre Bekanntschaft von der Schulveranda, Helen Burns, für harte Behandlung herausgegriffen wird. Helen steht zunächst ganz oben in der Klasse, wird jedoch wegen kleiner Aussprachefehler oder mangelnder Beachtung der Zeichensetzung ans untere Ende versetzt. Anschließend schilt Miss Scatcherd Helen unablässig für geringfügige Vergehen: dass sie auf der Seite ihres Schuhs steht, das Kinn vorstreckt, den Kopf im falschen Winkel hält und schließlich, dass sie an jenem Morgen ihre Nägel nicht gereinigt hat. Als Helen ein Bündel Ruten herbeibringt, wie ihr befohlen wurde, schlägt Miss Scatcherd ihr ein Dutzend Mal über den Nacken; Helen zeigt keinerlei äußere Regung, doch Jane bemerkt eine einzelne Träne, die nach der Züchtigung auf ihrer Wange schimmert.
Die abendliche Spielstunde und das Finden von Helen
Jane empfindet die abendliche Spielstunde als den angenehmsten Teil ihres Tages in Lowood, denn die kleine Portion Brot und Kaffee, die um fünf Uhr serviert wird, belebt ihre Kräfte von Neuem, das Klassenzimmer wird wärmer gehalten als am Morgen, und der lebhafte, ungeordnete Lärm der Mädchen schenkt ihr ein willkommenes Gefühl von Freiheit nach den strengen Regeln des Tages. Am Abend des Tages, an dem sie Helens Auspeitschung miterlebt hat, wandert Jane allein, doch nicht einsam durch das Spielzimmer, beobachtet den heftigen Schneefall draußen und den Kontrast zwischen dem fröhlichen Lärm drinnen und dem öden Wind dort draußen. Sie kniet vor einem der Kamine der Schule nieder und entdeckt Helen Burns, die in das schwache Glühen der Glut vertieft über einem Buch sitzt.
Jane und Helens Gespräch über Ausdauer
Jane sitzt mit Helen am Feuer, und sie unterhalten sich. Dabei erfährt sie Helens Vornamen und dass diese aus einem Dorf nahe der schottischen Grenze stammt. Jane ist schockiert darüber, dass Helen Miss Scatcherd gegenüber keinerlei Groll hegt, und entgegnet, sie selbst würde sich widersetzen oder zur Wehr setzen, wenn man sie ungerecht bestrafte. Helen erklärt, dass Vergeltung zu ihrem Ausschluss führen und ihrer Familie Kummer bereiten würde. Die Bibel lehre, Böses mit Gutem zu vergelten, und daher sei es ihre Pflicht, ungerechte Bestrafung zu erdulden, anstatt in voreiligem Handeln anderen zu schaden. Jane fällt es schwer, Helens Lehre von der Geduld zu begreifen, und ist überrascht, als Helen eigene Fehler eingesteht: Schlampigkeit, Nachlässigkeit, das Vergessen von Regeln, Tagträumerei im Unterricht und mangelnde Ordnung – Dinge, die, wie sie einräumt, Miss Scatcherds Zorn heraufbeschwören. Jane erfährt außerdem, dass Helen auf Miss Temples sanfte Führung weit besser eingeht als auf Miss Scatcherds Strenge, denn Helens Empfinden nach ist Miss Temples Unterricht fesselnder als ihre eigenen abschweifenden Gedanken.
Helens Philosophie über Vergebung und Ewigkeit
Helen erläutert ausführlich ihre Überzeugungen über Vergebung. Sie erklärt Jane, dass Gewalt und Rache weder den Hass überwinden noch verletzte Gefühle heilen können, und fordert sie nachdrücklich auf, dem Beispiel Christi zu folgen und ihre Feinde zu lieben sowie denen Gutes zu tun, die ihr Schaden zufügen. Jane gibt zu, dass sie diese Lehre nicht befolgen kann, da sie weder ihre grausame Tante Mrs. Reed noch ihren tyrannisierenden Cousin John lieben kann, und teilt ihre bitteren Erinnerungen an die Misshandlungen, die sie in der Familie Reed erlitten hat. Helen entgegnet, dass das Pflegen von Groll und das Erinnern an erlittenes Unrecht die kurze Zeit des irdischen Lebens verschwendet, und legt ihr persönliches, nicht von anderen übernommenes Glaubensbekenntnis dar: Sie glaubt, dass die menschliche Seele rein ist und nach dem Tod zu ihrem Schöpfer zurückkehren wird, möglicherweise zu höheren Stufen der Herrlichkeit aufsteigt, anstatt zu Bösem zu verkommen. Dieser Glaube ermöglicht es ihr, eine Person von ihren Verbrechen zu trennen, der Person zu vergeben, während sie die Untat verabscheut, und zu verhindern, dass Groll, Erniedrigung oder Ungerechtigkeit ihren Geist zerbrechen, da sie sich auf den Frieden der Ewigkeit freut. Helen wird daraufhin von einer barschen Aufseherin mit cumberlandischem Akzent unterbrochen, die ihr befiehlt, sofort ihre Schublade zu ordnen und ihre Handarbeit zusammenzulegen, und droht, sie bei Miss Scatcherd zu melden, sollte sie nicht gehorchen.
Kapitel VII
Dieses Kapitel schildert Jane Eyres frühe Erfahrungen an der Lowood-Schule und beschreibt die harten Lebensbedingungen sowie die strengen Sparsamkeitsregeln, die vom Schatzmeister der Anstalt, Mr. Brocklehurst, durchgesetzt werden, ebenso wie die öffentliche Demütigung, die Jane nach einem Zwischenfall während Brocklehursts Inspektionsbesuch erleidet.
Die Entbehrungen in Lowood
Dieser Abschnitt behandelt die schweren täglichen Entbehrungen, die Jane während ihres ersten Quartals in Lowood erduldet, einschließlich brutaler Winterbedingungen, unzureichender Nahrung und Kleidung sowie trostloser, harter Sonntagsroutinen.
Winterkälte und unzureichende Kleidung
Jane beschreibt die extremen winterlichen Entbehrungen ihrer ersten Monate in Lowood, als heftiger Schneefall und unpassierbare Straßen das Reisen auf den alleinigen Kirchgang beschränken, obwohl die Schülerinnen weiterhin täglich eine Stunde im Freien verbringen müssen. Den Kindern fehlt geeignetes Schuhwerk, sodass der Schnee in ihren Schuhen schmilzt, und ihre unbekleideten Hände und Füße werden taub und mit Frostbeulen bedeckt; Jane leidet unter heftig entzündeten, geschwollenen Zehen, die jeden Morgen auf qualvolle Weise in die steifen Schuhe gezwängt werden müssen.
Karge Rationen und Schikanen
Die kargen Essensrationen der Schule lassen die wachsenden Kinder ständig hungern, sodass kaum genug bleibt, um selbst zarte, kränkliche Schülerinnen zu versorgen. Ältere, größere Mädchen tyrannisieren die jüngeren Kinder und nehmen ihnen ihre kleinen Essensportionen weg, und Jane teilt oft ihre eigenen winzigen Portionen Brot und Kaffee unter mehreren hungrigen Mitschülerinnen auf, isst selbst nur sehr wenig und hält dabei die vom Hunger getriebenen Tränen zurück.
Trübselige Sonntage und kärgliche Annehmlichkeiten
Sonntage sind im Winter besonders trostlos: Die Schülerinnen laufen bei eisiger Kälte zwei Meilen zur Kirche, sind während des Gottesdienstes fast erstarrt und erhalten zwischen den Messen nur kaltes Fleisch und Brot, da sie nicht zur Schule zum Mittagessen zurückkehren können. Der Rückweg ist dem bitteren Wind ausgesetzt, der von den verschneiten nördlichen Hügeln weht, und den jüngeren Schülerinnen wird beim Ankommen der Zugang zu den warmen Kaminen verwehrt; sie müssen sich in Gruppen zusammendrängen und ihre Schürzen um ihre kalten Arme wickeln. Der einzige kleine wöchentliche Trost ist die Teestunde, in der die Schülerinnen eine ganze Scheibe Brot statt einer halben erhalten, dazu einen dünnen Aufstrich Butter, wobei Jane ihren Anteil für gewöhnlich größtenteils verschenkt. Die Abende werden mit dem Auswendiglernen von Katechismus und Bibelkapiteln verbracht, mit langen Predigten, wobei die jüngeren Mädchen oft vor Erschöpfung einschlafen und gezwungen werden, sich mitten im Raum stehend hinzustellen, bis die Andacht zu Ende ist.
Mr. Brocklehursts Ankunft und Inspektion
In diesem Abschnitt wird die Ankunft von Lowoods strengem, asketisch lebendem Schatzmeister Mr. Brocklehurst behandelt, vor dem Jane sich fürchtet, da ihre frühere Vormünderin Mrs. Reed negative und falsche Berichte über ihren Charakter verbreitet hat. Geschildert wird, wie Brocklehurst in kleinlicher Weise die Schulvorräte und Vorschriften überprüft, wie er auf harte Weise öffentlich die natürlich lockigen Haare einer Schülerin als Zeichen von Eitelkeit verurteilt sowie wie seine wohlhabende Familie eintrifft, deren üppige Kleidung in direktem Widerspruch zu seinen strengen Sparsamkeitsregeln für die Schülerinnen steht.
Brocklehursts Anweisungen zu Verpflegung und Kleidung
Während seiner Inspektion kritisiert Brocklehurst die Vorsteherin Miss Temple wegen kleiner, nicht genehmigter Abweichungen von den Schulregeln: Er beschwert sich über schlecht geflickte Strümpfe der Schülerinnen, über zu viele saubere Halskragen, die zwei zum Tee eingeladene Mädchen erhalten hatten, sowie über das eigenmächtige Servieren von Brot und Käse zum Mittagessen, nachdem das Frühstück verdorben war. Er vertritt die Ansicht, dass das Vorenthalten von Nahrung in Zeiten der Not die seelische Widerstandskraft stärke, anstatt zusätzliche Speisen zu gewähren, die „den Körper verweichlichen" und die Seele aushungern ließen, und beruft sich zur Rechtfertigung seiner strengen Grundsätze auf die christliche Schrift.
Die Verurteilung des Lockenhaars
Brocklehurst entdeckt eine Schülerin mit natürlichem Lockenhaar und verurteilt sie dafür, gegen die Schulregeln zu verstoßen, die schlichte und züchtige Frisuren vorschreiben. Er behauptet, Locken seien ein Zeichen sündhafter Eitelkeit, die dem evangelischen Auftrag der Schule widerspreche, ordnet an, dass dem Mädchen das Haar vollständig abgeschnitten werde, und weist die gesamte erste Klasse an, sich umzudrehen, damit er weitere Mädchen mit „zu viel Haar" identifizieren könne, denen es ebenfalls abgeschnitten werden müsse – trotz Miss Temples leisem Widerspruch.
Die Ankunft der Familie Brocklehurst
Brocklehurst wird durch die Ankunft seiner Frau und seiner beiden Töchter unterbrochen, die in teuren Samt, Seide und Pelz gekleidet sind und aufwändig frisiertes Lockenhaar tragen, was seinen strengen Regeln gegen Eitelkeit und Luxus für die Schülerinnen von Lowood direkt widerspricht. Die Familie nimmt Ehrenplätze im vorderen Teil des Saals ein und beginnt, die Schule zu inspizieren und mit dem Personal zu sprechen, während Brocklehurst seine Angelegenheiten zum Abschluss bringt.
Janes öffentliche Demütigung
Dieser Abschnitt schildert die öffentliche Demütigung, die Jane erleidet, als ihr während Brocklehursts Inspektion ihre Schiefertafel aus der Hand rutscht, was dazu führt, dass sie aufgrund der falschen Berichte ihres früheren Vormunds öffentlich als Lügnerin gebrandmarkt wird, sowie den kleinen, aber bedeutsamen Trost, den sie von ihrer Mitschülerin Helen Burns erfährt.
Die zerbrochene Schiefertafel
Während Jane versucht, nicht von Brocklehurst bemerkt zu werden, hält sie ihre Schiefertafel hoch, um ihr Gesicht zu verbergen, während sie an einer Rechenaufgabe arbeitet. Doch die Tafel rutscht ihr aus der Hand und kracht auf den Boden, was sofort die Aufmerksamkeit des gesamten Raumes auf sie lenkt. Zwei ältere Mädchen zwingen sie auf die Füße und schieben sie nach vorne in den Raum, wo Miss Temple ihr sanft zuflüstert, dass sie weiß, dass das Herunterfallen der Tafel ein Unfall war und Jane nicht bestraft werden wird.
Als Lügnerin gebrandmarkt
Brocklehurst stellt Jane vor der gesamten Schule, dem Personal und seiner zu Besuch weilenden Familie auf einen hohen Schemel und brandmarkt sie öffentlich als Lügnerin. Er behauptet, sie sei ein böses, undankbares Kind, das von ihrem früheren Vormund aufgrund ihres schlechten Betragens verstoßen worden sei, und warnt alle, sie zu meiden, ihre Gesellschaft zu vermeiden und sie genau zu überwachen, um „ihre Seele zu retten“. Er befiehlt ihr, eine halbe Stunde lang auf dem Schemel stehen zu bleiben, wobei es niemandem erlaubt ist, sie anzusprechen.
Helen Burns' tröstendes Lächeln
Während Jane gedemütigt auf dem Schemel steht, geht ihre Mitschülerin Helen Burns im Auftrag einer Lehrerin vorbei und schenkt Jane ein sanftes, aufmunterndes Lächeln, das Jane plötzlich mit Mut und Kraft erfüllt. Jane erkennt in dem Lächeln einen Ausdruck von Helens innerer Güte und moralischer Stärke, obwohl Helen an diesem Tag selbst dafür bestraft werden soll, beim Abendessen nur Brot und Wasser zu bekommen, weil sie einen Fehler in ihren Schulaufgaben hatte – was Helens bemerkenswerte Güte und Charakterstärke unterstreicht.
Kapitel VIII
Dieses Kapitel (Kapitel VIII) begleitet Jane Eyre in der Lowood-Schule, nachdem sie von Mr. Brocklehurst zu Unrecht der Lüge bezichtigt wurde. Es behandelt ihren anfänglichen überwältigenden Schmerz und Hoffnungsverlust, den seelischen Trost, den sie von Helen Burns empfängt, einen warmen Abend voller Gespräche und Großzügigkeit mit Miss Temple, Janes öffentliche Rehabilitierung sowie ihre anschließenden schulischen Fortschritte und wachsende Zufriedenheit in Lowood.
Verzweiflung und Trost
Verzweiflung und Trost Dieser Abschnitt umreißt Janes emotionalen Zusammenbruch, nachdem sie in Lowood öffentlich bloßgestellt wurde, sowie die beständige, mitfühlende Unterstützung, die sie von Helen Burns erfährt, während sie ihre tiefe Verzweiflung verarbeitet.
Janes Trauer und Verlust der Hoffnung
Janes Trauer und Verlust der Hoffnung Nachdem die Schule entlassen wird, zieht sich Jane in eine dunkle Ecke des Speisesaals zurück, überwältigt von Trauer darüber, fälschlicherweise als Lügnerin abgestempelt worden zu sein. Sie weint hemmungslos und fühlt sich zermalmt, nachdem ihre jüngsten Fortschritte (ihre Klasse anzuführen, warmes Lob von den Lehrern zu erhalten, Versprechen für Zeichen- und Französischstunden zu bekommen und die Anerkennung ihrer Mitschüler zu gewinnen) vollständig zunichtegemacht wurden. Sie kommt zu dem Schluss, dass sie ihren Stand an Lowood niemals wiederherstellen kann, und wünscht sich inbrünstig zu sterben, überzeugt davon, dass sie einsam bleiben und von allen dort gehasst werden wird.
Helens geistlicher Trost
Hélenas geistlicher Trost Helen Burns findet Jane im Speisesaal, bringt ihr Kaffee und Brot und sitzt schweigend neben ihr, während Jane schluchzt. Als Jane klagt, dass alle sie für eine Lügnerin halten, entgegnet Helen sanft, dass die meisten in der Schule sie wahrscheinlich bemitleiden, und bemerkt, dass der allseits verhasste Mr. Brocklehurst weder echten Rückhalt noch Zuneigung unter den Schülern und Lehrern genießt. Helen teilt ihre geistliche Lebenseinstellung mit: Selbst wenn die gesamte Welt sie verurteile, seien ein reines Gewissen und die Liebe der unsichtbaren Geisterwelt und Gottes genug, da der Tod dem Unschuldigen den Eintritt in ewige Glückseligkeit und Herrlichkeit bringen werde. Ihre ruhige, unerschütterliche Perspektive lindert Janes Verzweiflung, obwohl Jane eine verborgene Traurigkeit in Helen bemerkt, die sie nicht sofort erklären kann.
Ein Abend mit Miss Temple
**Ein Abend mit Miss Temple** Dieser Abschnitt schildert den warmen, erholsamen Abend, den Jane und Helen mit Miss Temple, der gütigen Vorsteherin von Lowood, verbringen, nachdem diese die beiden Mädchen im Speisesaal angetroffen hat.
Jane erzählt ihre Geschichte
Jane erzählt ihre Geschichte. Miss Temple lädt Jane und Helen in ihre gemütliche, vom Kaminfeuer erhellte Wohnung ein, wo sie Jane ermutigt, sich gegen die falschen Anschuldigungen der Lüge zu verteidigen. Jane erzählt die vollständige, zurückhaltende Geschichte ihrer unglücklichen Kindheit in Gateshead mit der grausamen Familie Reed, einschließlich des Traumas, nach dem Streit mit ihrem Cousin John im roten Zimmer eingeschlossen worden zu sein. Miss Temple hört aufmerksam zu, sagt, dass sie Janes Darstellung vollständig glaubt, und verrät, dass sie bereits Mr. Lloyd kennt, den Apotheker, der Jane nach ihrem Anfall im roten Zimmer behandelt hat.
Tee und Saatkuchen
Tee und Kümmelkuchen – Als der Diener ihnen eine karge Portion Toast bringt, holt Miss Temple unauffällig einen großen Kümmelkuchen aus ihrer Schublade und besteht darauf, dass Jane und Helen ihn jetzt essen, um das unzureichende Brot wettzumachen. Die beiden Mädchen schlemmen von dem Kuchen und dem Tee, empfinden die einfache Leckerei als ebenso köstlich wie Nektar und Ambrosia und werden zutiefst erwärmt von Miss Templars großzügiger, aufmerksamer Güte.
Helens intellektuelle Brillanz
Helens intellektuelle Brillanz – Nach dem Tee unterhält sich Miss Temple mit Helen, und Jane staunt, als sie Zeuge von Helens scharfem Verstand und ihrer leidenschaftlichen Beredsamkeit wird, während sie über Geschichte, Geografie, Naturwissenschaften und Literatur sprechen, darunter auch über französische Autoren und das Lateinische. Miss Temple lässt Helen eine Seite aus Vergil vorlesen und übersetzen, und Jane ist zutiefst beeindruckt von Helens lebendiger Lebhaftigkeit und inneren Strahlkraft – ein deutlicher Gegensatz zu ihrer sonst so blassen, stillen Art. Als die Schlafenszeit naht, umarmt Miss Temple beide Mädchen, hält Helen einen Moment länger fest und wischt sich eine Träne von der eigenen Wange, womit sie ihre besondere Zuneigung zu Helen offenbart.
Rechtfertigung und Fortschritt
Rechtfertigung und Fortschritt: Dieser Abschnitt behandelt die Aufklärung der falschen Anschuldigungen gegen Jane und ihren erneuerten Antrieb, in Lowood erfolgreich zu sein, nachdem sie von jedem Verdacht befreit wurde.
Helens ungerechte Bestrafung
Helens ungerechte Bestrafung. Am Morgen nach dem Abend mit Miss Temple entdeckt Miss Scatcherd Helens unordentliche Schubladen und bestraft sie, indem sie ein halbes Dutzend ihrer ungefalteten Kleidungsstücke an ihrer Schulter feststeckt und das Wort „Schlampe" auf eine Pappe schreibt, die sie den ganzen Tag auf der Stirn tragen soll. Helen nimmt die Bestrafung geduldig als verdient hin, aber Jane ist wütend über die ungerechte Demütigung und reißt das Schild von Helens Stirn und wirft es ins Feuer, sobald Miss Scatcherd den Raum verlässt.
Jane wird von allen Anschuldigungen freigesprochen
Jane wird von allen Anschuldigungen freigesprochen Etwa eine Woche später erhält Miss Temple einen Brief von Mr. Lloyd, der Janes Schilderung des Vorfalls im roten Zimmer sowie ihre Unschuld hinsichtlich der Lügenvorwürfe vollständig bestätigt. Miss Temple versammelt die gesamte Schule, um bekannt zu geben, dass Jane vollständig von allen gegen sie erhobenen Beschuldigungen freigesprochen ist. Die Lehrerinnen schütteln ihr die Hand und küssen sie, und ihre Mitschülerinnen flüstern vor Freude über diese Nachricht, sodass die schwere Last der Schande endlich von ihren Schultern genommen wird.
Schulischer Erfolg und Zufriedenheit
Von der Last der falschen Anschuldigung befreit, verdoppelt Jane ihre Anstrengungen in ihren Studien. Ihr Gedächtnis verbessert sich durch Übung, ihr Verstand schärft sich, und sie wird innerhalb weniger Wochen in eine höhere Klasse versetzt und beginnt weniger als zwei Monate später mit Französisch- und Zeichenstunden. Sie empfindet große Freude an ihrem schulischen Fortschritt und entscheidet, dass Lowood mit all seinen Entbehrungen ihrem früheren Leben in Gateshead mit seinem materiellen Luxus, aber täglicher Grausamkeit, bei weitem vorzuziehen ist.
Kapitel IX — Frühling in Lowood, die Typhusepidemie und der Tod von Helen Burns
Dieses Kapitel behandelt den Übergang von den harten Winterbedingungen der Lowood-Schule zum Einzug des Frühlings, der landschaftliche Schönheit mit sich bringt, gleichzeitig aber auch einen tödlichen Typhusausbruch, der in dem feuchten, nebligen Tal seinen Ursprung hat, in dem die Schule gelegen ist. Als die Hälfte der Schülerschaft erkrankt, wird den gesunden Schülerinnen ungewöhnliche Freiheit gewährt, und Jane schließt eine enge Freundschaft mit Mary Ann Wilson, während sie ihrer leidenden Gefährtin Helen Burns, die an Schwindsucht stirbt, zutiefst ergeben bleibt. Die Erzählung gipfelt in Helens friedlichem, glaubensvollem Tod und schließt mit der Bemerkung, dass Helens Grab auf dem Kirchhof von Brocklebridge nun von einer grauen Marmortafel geziert wird, auf die ihr Name und das Wort *Resurgam* eingraviert sind.
Die Winterentbehrungen klingen ab, als der Frühling Einzug hält
Als der Frühling in Lowood Einzug hält, lassen die harten Entbehrungen des Winters nach: Fröste hören auf, der Schnee schmilzt, die schneidenden Winde werden milder, und Janes geschwollene, erfrorene Füße beginnen zu heilen. Nächte und Morgen sind nicht mehr schmerzhaft kalt, sodass die Schülerinnen ihre Spielzeit im Garten genießen können, wo frühe Blumen wie Schneeglöckchen, Krokusse, Aurikeln und Stiefmütterchen zu blühen beginnen, und bei den Spaziergängen am Donnerstagnachmittag, dem halben Feiertag, noch mehr Wildblumen am Wegesrand und unter den Hecken zum Vorschein kommen.
Die Schönheit jenseits der Gartenmauern entdecken
Jane entdeckt jenseits von Lowoods hohen, mit Eisenspitzen bewehrten Gartenmauern eine atemberaubende Naturlandschaft: eine sanft geschwungene, von Grün und Schatten erfüllte Hügelsenke sowie einen hellen, felsigen Bach, angefüllt mit dunklen Steinen und funkelnden Strudeln – ein krasser Gegensatz zu dessen gefrorenem, nebelschwerem, wild tosendem Winterzustand, in dem der umliegende Wald nur aus kahlen, skelettartigen Bäumen zu bestehen schien.
Die Landschaft von Lowood: Angenehm, aber ungesund
Obwohl das bewaldete Tal, in dem Lowood liegt, einen angenehmen, malerischen Charakter besitzt, ist es zugleich ein Nährboden für Nebel und Seuchen, die mit fortschreitendem Frühling immer heftiger werden und so die Bedingungen für den bevorstehenden Typhusausbruch schaffen.
Typhus sucht die Schule heim
Bis Mai hat sich die nebelgebrachte Seuche des Tals bis nach Lowood ausgebreitet und einen Typhusausbruch ausgelöst, der 45 der 80 Schülerinnen der Schule infiziert. Der Unterricht wird ausgesetzt, die Regeln werden gelockert, Miss Temple widmet ihre gesamte Zeit der Pflege der Kranken, und mehrere Mädchen sterben entweder in der Schule oder nachdem sie nach Hause geschickt wurden, wobei die Beerdigungen aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr der Krankheit rasch durchgeführt werden.
Freiheit und bessere Bedingungen für die gesunden Schülerinnen
Den verbleibenden gesunden Schülerinnen wird nahezu uneingeschränkte Freiheit gewährt, den ganzen Tag in den umliegenden Wäldern umherzustreifen, da der Schularzt darauf besteht, dass häufige Bewegung notwendig sei, um sie bei Gesundheit zu erhalten. Die Abwesenheit von Herrn Brocklehurst und seiner Familie beseitigt die strenge hauswirtschaftliche Überwachung; die zuvor mürrische Wirtschafterin ist aus Angst vor Ansteckung geflohen, und ihre großzügigere Nachfolgerin sorgt für bessere Rationen. Da weit weniger Schülerinnen zu verpflegen sind, erhalten die gesunden Mädchen verbesserte Mahlzeiten und nehmen häufig kalte Pastete oder dicke Scheiben Brot und Käse mit, um sie im Wald zu verzehren.
Janes Freundschaft mit Mary Ann Wilson
Während der Epidemie ist Mary Ann Wilson Janes engste Gefährtin, ein kluges, aufmerksames Mädchen, das einige Jahre älter ist als sie, witzig ist und Jane die Scheu nimmt. Jane schätzt Mary Anns Welterfahrenheit und Erzählkunst, während Mary Ann Janes Neugier nachgeht, ohne ihr in Sprache oder Verhalten Einschränkungen aufzuerlegen, was zu einer warmen, für beide Seiten erfreulichen Freundschaft führt.
Janes bleibende Zuneigung zu der kranken Helen Burns
Jane weist die Vorstellung entschieden zurück, dass sie Helen Burns vergessen oder ihrer überdrüssig geworden sei, und betont, dass ihre Zuneigung zu Helen weitaus stärker, zärtlicher und ehrfurchtsvoller sei als ihre Bindung an Mary Ann, da Helen eine weitaus tugendhaftere und erhabenere Gefährtin sei. Helen ist in ein separates Zimmer im oberen Stockwerk verlegt worden, da sie an Schwindsucht und nicht an Typhus leidet, und Jane sieht sie nur gelegentlich aus der Ferne im Garten, da sie dick eingehüllt ist und weit von den Fenstern des Schulsaals entfernt sitzt.
Ein Juniabend: Betrachtungen über die Sterblichkeit
Anfang Juni verirren sich Jane und Mary Ann, nachdem sie weit von ihrer Gruppe im Wald umhergewandert sind, und finden erst nach Mondaufgang den Weg zurück, als sie das Pony des Arztes an der Gartenpforte warten sehen, was auf eine schwere Krankheit hindeutet. Jane bleibt noch draußen, um wilde Wurzeln einzupflanzen, die sie im Wald ausgegraben hat, und während sie den warmen, stillen Abend genießt, denkt sie zum ersten Mal ernsthaft und furchtsam über den Tod nach. Sie fragt sich, wie schrecklich es wäre, in jungen Jahren aus der angenehmen Welt gerissen zu werden, und ringt damit, die Begriffe von Himmel und Hölle, die man ihr zuvor beigebracht hat, mit ihrem Verstand zu erfassen.
Jane erfährt, dass Helen stirbt
Als Jane die Nachtschwester, die gerade den Chirurgen verabschiedet hat, nach Helens Zustand fragt, sagt die Schwester ihr, dass Helen „sehr krank" sei und der Chirurg habe gesagt, „sie werde nicht mehr lange hier sein." Jane begreift sofort, dass dies bedeutet, dass Helen stirbt, und nicht, dass sie nach Hause geschickt wird, und fleht die Schwester an, ihr zu sagen, in welchem Zimmer Helen liegt, damit sie sie besuchen kann.
Der nächtliche Besuch an Helens Krankenbett
Da sie nicht schlafen kann, nachdem sie erfahren hat, dass Helen sterben wird, steht Jane um etwa elf Uhr nachts barfuß auf, schleicht sich lautlos durch das Haus zu Miss Temples Zimmer, in dem Helen untergebracht ist, und hütet sich dabei sorgfältig, dem Fieberzimmer und der diensthabenden Nachtschwester auszuweichen. Sie bemerkt, dass die Tür einen Spaltbreit offen steht, blickt hinein und sieht Helen blass und abgezehrt, jedoch ruhig in einem kleinen Bettchen neben Miss Temples Bett liegen, während die Nachtschwester in einem Sessel in der Nähe schläft.
Helens Glaube und letzter Abschied
Jane klettert neben Helen in das Kinderbettchen, und die beiden unterhalten sich stundenlang leise. Helen erzählt ihr von ihrem unerschütterlichen christlichen Glauben und sagt Jane, dass sie keine Angst vor dem Tod habe, weil sie bei Gott sein werde. Sie bittet Jane, nicht um sie zu trauern, wenn sie stirbt, und bemerkt, dass ihre Krankheit sanft sei und sie nur wenige Angehörige habe, die um sie weinen würden. Helen versichert Jane, dass es den Himmel gibt und Jane sie dort eines Tages wiedersehen werde. Eng umschlungen schlafen sie ein, nachdem sie sich einen letzten Gutenachtkuss gegeben haben.
Helens Tod und Grab
Jane erwacht im Schlafsaal, wohin sie die Pflegerin getragen hatte, und erfährt ein oder zwei Tage später, dass Miss Temple sie schlafend im Kinderbett vorgefunden hat, den Kopf an Helens Schulter gelehnt und die Arme um Helens Hals geschlungen – Helen war bereits gestorben. Die Erzählung vermerkt, dass Helen auf dem Friedhof von Brocklebridge begraben liegt, und dass ihr Grab fünfzehn Jahre nach ihrem Tod lediglich ein grasbewachsener Hügel war, doch nun ist es durch eine graue Marmortafel gekennzeichnet, auf der ihr Name und das Wort *Resurgam* eingemeißelt sind.
KAPITEL X
Jane Eyre kündigt ihre Absicht an, acht Jahre in wenige Zeilen zusammenzufassen, wobei sie über ihre Jahre in Lowood schweigend hinweggeht und nur die wesentlichen Verbindungen zu ihrer Erzählung bewahrt. Der Abschnitt ihrer unbedeutenden Existenz wird bald einem neuen Kapitel weichen, das von Verwandlung und Aufbruch gezeichnet ist.
Zusammenfassung von acht Jahren in Lowood und Schulreformen nach dem Typhus
Nachdem der Flecktyphus in Lowood verheerende Schäden angerichtet hatte, deckte eine öffentliche Untersuchung die beklagenswerten Zustände der Schule auf – die ungesunde Lage, die schlechte Qualität der Verpflegung, das brackige Wasser sowie die unzureichende Kleidung und Unterbringung. Diese Enthüllungen beschämten Mr. Brocklehurst, gereichten der Einrichtung jedoch zum Vorteil. Wohlhabende Gönner zeichneten Geldmittel für einen Neubau an einem besseren Standort; neue Vorschriften sowie Verbesserungen bei Ernährung und Kleidung wurden eingeführt, und ein Ausschuss verwaltete die finanziellen Mittel der Schule. Obwohl Brocklehurst Schatzmeister blieb, wurde er von verständnisvolleren Herren unterstützt. Die reformierte Schule wurde zu einer wirklich nützlichen Einrichtung. Jane blieb noch sechs Jahre als Schülerin und zwei Jahre als Lehrerin und legte so beredtes Zeugnis von deren Wert und Bedeutung ab.
Miss Temples Abreise und Janes Sehnsucht nach Veränderung
Miss Temples Heirat mit einem Geistlichen und ihre Abreise in eine entfernte Grafschaft erschütterte Jane zutiefst. Mit dem Weggang ihrer Mentorin spürte Jane, wie jedes Gefühl von Geborgenheit und jede Verbindung, die Lowood zu einem Zuhause gemacht hatten, verschwanden. Sie hatte von Miss Temple harmonische Gedanken und geordnete Gefühle in sich aufgenommen, entdeckte nun jedoch, dass diese Eigenschaften mit ihr gegangen waren. Jane erkannte, dass ihre innere Ruhe an Miss Temples Gegenwart gebunden gewesen war und nicht an ihre eigene Fähigkeit zum Frieden. Als sie aus ihrem Fenster auf die fernen blauen Gipfel jenseits von Lowoods Grenzen blickte, fühlte Jane sich durch die Routine der Schule gefangen. Sie sehnte sich nach Freiheit, flehte um Veränderung und Anregung und war schließlich so verzweifelt, dass sie um „eine neue Dienstbarkeit" betete. In jener Nacht, allein mit ihren Gedanken, nachdem Miss Gryce eingeschlafen war, arbeitete Janes Verstand daran, eine Lösung zu finden.
Planung und Sicherung einer neuen Gouvernantenstelle
Jane fasste den Entschluss, eine neue Stelle auszuschreiben. Dem Gedanken folgend, der ihr „in den Sinn kam, als hätte ihn eine Fee auf ihr Kopfkissen gelegt", verfasste sie eine Anzeige für den *—shire Herald*, in der sie angab, eine junge Dame zu sein, die an Unterricht gewöhnt sei und eine Stellung in einer Privatfamilie bei Kindern unter vierzehn Jahren wünsche; sie sei qualifiziert, die üblichen Fächer einer englischen Erziehung sowie Französisch, Zeichnen und Musik zu unterrichten. Sie legte die Anzeige und die Gebühr bei, richtete sie an den Herausgeber, mit der Bitte, Antworten an J. E. im Postamt von Lowton zu adressieren. Am nächsten Tag erwirkte Jane die Erlaubnis, nach Lowton zu gehen, ließ den Brief in die Post und kehrte mit erleichtertem Herzen zurück. Nach einer Woche ängstlichen Wartens ging sie wieder zum Postamt, um nachzufragen, und erhielt eine Antwort: Mrs. Fairfax in Thornfield, in der Nähe von Millcote, bot eine Stelle als Lehrerin für eine Schülerin unter zehn Jahren an, mit einem Gehalt von dreißig Pfund im Jahr.
Genehmigung zur Abreise aus Lowood einholen
Jane wandte sich an den neuen Vorsteher mit der Bitte um eine neue Anstellung mit doppeltem Gehalt und ersuchte die Schule, die Angelegenheit an Mr. Brocklehurst und das Komitee zur Genehmigung weiterzuleiten. Als Brocklehurst darauf beharrte, dass an Mrs. Reed geschrieben werden müsse, erwiderte Janes gesetzlicher Vormund, sie „könne tun, was ihr beliebe“ und habe sich schon lange jeder Einmischung enthalten. Nach ermüdenden Beratungen des Komitees wurde die förmliche Erlaubnis erteilt, ihre Lage zu verbessern, wobei ein Zeugnis über Charakter und Befähigung in Aussicht gestellt wurde. Jane erhielt das Zeugnis innerhalb eines Monats, sandte eine Abschrift davon an Mrs. Fairfax und bekam eine Bestätigung, die einen Zeitraum von vierzehn Tagen festsetzte, binnen deren sie ihre Stelle als Gouvernante antreten sollte. Sie war eifrig mit Vorbereitungen beschäftigt, packte ihren Koffer und konnte am letzten Abend keine Ruhe finden – fieberhaft beobachtete sie, wie sich ein Abschnitt ihres Lebens schloss und ein anderer sich öffnete.
Bessie Leavens Besuch und Neuigkeiten über die Familie Reed
Bessie Leaven, die ehemalige Dienerin in Gateshead, die mittlerweile mit dem Kutscher Robert Leaven verheiratet war, besuchte Jane vor ihrer Abreise. Bessie berichtete, dass Georgiana Reed versucht hatte, mit einem jungen Lord durchzubrennen, dessen Familie gegen die Verbindung war – entdeckt und von Miss Reed aufgehalten, was zu anhaltender Feindschaft zwischen den Schwestern führte. John Reed war am College „durchgefallen" und zeigte keinerlei Aussichten als Anwalt, sehr zum Missfallen von Mrs. Reed. Bessie offenbarte, dass Jane in den vergangenen acht Jahren weder nach Gateshead geholt noch von einem Familienmitglied besucht worden war. Am bemerkenswertesten war jedoch, dass Bessie erwähnte, dass vor fast sieben Jahren ein Mr. Eyre – der Bruder von Janes Vater – nach Gateshead gekommen war, um sie zu suchen, jedoch von Mrs. Reed abgewiesen wurde, die ihn einen „schleimigen Krämer" nannte. Er sei nach Madeira unterwegs gewesen und habe nicht bleiben können. Bessie bewunderte Janes Errungenschaften und erklärte, dass diese die Reed-Mädchen an Bildung übertroffen habe und „eine richtige Dame" sei.
Abreise nach Thornfield Hall
Am letzten Morgen in Lowood sah Jane Bessie noch kurz in Lowton, bevor sie sich trennten – Bessie kehrte nach Gateshead zurück, Jane bestieg die Kutsche nach Thornfield Hall in der Nähe von Millcote. Jane trug denselben Koffer, den sie vor acht Jahren nach Lowood mitgebracht hatte. In ihr schwarzes Reisekleid gehüllt, brach sie zu neuen Aufgaben und einem neuen Leben auf, wobei sie die Routine und die Enge des Seminars hinter sich ließ, um einer ungewissen, aber befreienden Zukunft in Thornfield entgegenzugehen.
KAPITEL XI
Jane Eyre kommt nach einer sechzehnstündigen Reise von Lowton im Gasthof „George Inn" in Millcote an, besorgt, weil niemand sie abgeholt hat, wie sie erwartet hatte. Als endlich eine Kutsche erscheint, wird sie durch die neblige Oktobernacht nach Thornfield gebracht, einem prächtigen alten Herrenhaus, das zwischen Hügeln liegt und von einer Krähenkolonie umgeben ist. Dort wird sie von Mrs. Fairfax empfangen, einer freundlichen älteren Witwe, die als Haushälterin und nicht als Eigentümerin fungiert, und erfährt, dass ihre neue Schülerin Adèle Varens ist, ein junges französisches Mädchen, das das Mündel des geheimnisvollen Gutsherrn Mr. Rochester ist. Janes erster Eindruck von Thornfield ist günstig, und sie empfindet die Wärme von Mrs. Fairfax und den häuslichen Komfort des Haushalts nach ihrer einsamen Reise als beruhigend. Jane Eyre begegnet Grace Poole, nachdem sie ein seltsames, freudloses Lachen vernommen hat, das durch den Korridor im dritten Stock widerhallt, und erfährt, dass die geheimnisvolle Frau als Näherin und Hausmädchen in Thornfield Hall dient. Mrs. Fairfax' nichtssagende Schilderung von Grace als „nicht ganz einwandfrei" vertieft nur das Gefühl von etwas Unausgesprochenem hinsichtlich ihrer Anwesenheit im abgelegenen Ostflügel. Das Gespräch wendet sich daraufhin Adèle zu, und sie steigen hinunter, um das Kind in der Halle auf sie warten zu sehen, wo es mit charakteristisch französischem Enthusiasmus das Mittagessen ankündigt und bereit ist, sich zu Mrs. Fairfax für ihre gemeinsame Mahlzeit am Mittag zu gesellen.
KAPITEL XI
Jane Eyre kommt nach einer sechzehnstündigen Reise von Lowton im Gasthof „Zur George" in Millcote an, beunruhigt, weil niemand sie abgeholt hat, wie sie es erwartet hatte. Als endlich eine Kutsche erscheint, wird sie durch die neblige Oktobernacht nach Thornfield gebracht, einem stattlichen alten Herrenhaus, das zwischen Hügeln eingebettet und von einer Saatkrähenkolonie umgeben ist. Dort wird sie von Mrs. Fairfax empfangen, einer freundlichen älteren Witwe, die als Haushälterin und nicht als Eigentümerin fungiert, und erfährt, dass ihre neue Schülerin Adèle Varens ist, ein junges französisches Mädchen, das die Mündel von Mr. Rochester ist, dem geheimnisvollen Besitzer des Anwesens. Janes erste Eindrücke von Thornfield sind positiv, und die Wärme von Mrs. Fairfax sowie der häusliche Komfort des Haushalts empfindet sie nach ihrer einsamen Reise als wohltuend.
Ankunft im Gasthof in Millcote und Reise nach Thornfield
Jane kommt nach einer erschöpfenden Reise im Gasthof „Zum Georg“ in Millcote an, da sie Lowton um vier Uhr morgens verlassen hat. Da sie erwartet, dass jemand sie abholt, stellt sie fest, dass niemand auf sie wartet, und muss ein separates Zimmer verlangen, während ihr die Angst die Gedanken vernebelt. Sie empfindet das seltsame Gefühl, allein auf der Welt zu sein, losgelöst von allen Verbindungen. Nachdem sie die Glocke geläutet hat, erfährt sie, dass tatsächlich jemand auf sie wartet, und wird zu einer Einspänner-Kutsche geführt. Der Kutscher teilt ihr mit, dass Thornfield sechs Meilen entfernt liegt und die Fahrt aufgrund des langsamen Tempos und der nebligen Witterung nahezu zwei Stunden dauert. Während sie durch die Landschaft fahren, beobachtet Jane, wie die Lichter von Millcote hinter ihr zurückweichen, und bemerkt, dass sie sich in einer bevölkerteren, aber weniger romantischen Gegend befinden als in Lowood. Die Fahrt führt an einer Kirche und einem kleinen Dorf vorbei, bevor sie durch ein Tor fahren und in Richtung Thornfield Hall hinauffahren, wo aus einem einzigen verhängten Fenster Kerzenlicht scheint.
Begegnung mit Mrs. Fairfax in Thornfield Hall
Jane wird von einer Dienstmagd in Thornfield empfangen und in ein gemütliches Zimmer geführt, wo Mrs. Fairfax sie bereits erwartet – eine ältere Witwe in einem schwarzen Seidenkleid und einer schneeweißen Musselin-Schürze, die am Feuer strickt, während eine Katze zu ihren Füßen liegt. Die Haushälterin begegnet Jane mit aufrichtiger Herzlichkeit, nimmt ihr persönlich Schal und Haube ab, bietet Erfrischungen an und sorgt für ihr Wohlbefinden. Im Laufe des Gesprächs erfährt Jane, dass Mrs. Fairfax etwas schwerhörig ist und – was von größerer Bedeutung ist – dass sie nicht die Besitzerin von Thornfield ist, sondern lediglich die Haushälterin. Das Anwesen gehört Mr. Rochester, von dem Jane zuvor noch nie gehört hat. Mrs. Fairfax offenbart, dass sie über ihren verstorbenen Mann, einen Geistlichen, entfernt mit der Familie Rochester verwandt ist, betont jedoch, dass sie im Grunde eine ganz gewöhnliche Haushälterin sei. Nachdem ihr ein kleines Schlafzimmer neben dem Zimmer der Haushälterin gezeigt worden ist, empfindet Jane tiefe Dankbarkeit für ihren sicheren Zufluchtsort und kniet nieder, um zu danken, bevor sie tief und fest einschläft.
Vorstellung von Adèle Varens und erster Austausch
Am folgenden Morgen wird Jane von dem hellen Erscheinungsbild ihres kleinen Zimmers überrascht, und sie blickt voller Hoffnung auf diesen neuen Lebensabschnitt. Nachdem sie sich sorgfältig angekleidet hat, wagt sie sich hinaus, um das Anwesen zu erkunden – sie betrachtet die graue Fassade des Herrenhauses mit seinen Zinnen, eine Kolonie von Saatkrähen und eine Wiese mit alten Weißdornbäumen, die den Namen des Anwesens erklären. Mrs. Fairfax gesellt sich auf dem Rasen zu ihr und enthüllt, dass Mr. Rochester gelegentlich zu Besuch kommt, aber nicht dauerhaft dort wohnt, was den etwas vernachlässigten Zustand des Herrenhauses erklärt. Als Jane ihre zukünftige Schülerin kennenlernt, die siebenjährige Adèle Varens, entdeckt sie, dass das Kind hauptsächlich Französisch spricht – da es auf dem Kontinent geboren wurde und kürzlich mit seiner Kinderfrau Sophie angekommen ist. Janes Französischkenntnisse, die sie von Madame Pierrot in Lowood erlernt hat, ermöglichen es ihr, sich mühelos mit Adèle zu verständigen, die sofort zu ihrer neuen Gouvernante eine Zuneigung fasst. Adèle beginnt aufgeregt auf Französisch zu plappern und erzählt von ihrer Reise mit Mr. Rochester auf einem großen Dampfschiff, beschreibt ihre Ankunft in einer rauchigen Stadt und ihren Aufenthalt in einem prächtigen Hotel mit einem Park und einem Teich.
KAPITEL XI
Jane Eyre begegnet Grace Poole, nachdem sie ein seltsames, freudloses Lachen vernommen hat, das durch den Korridor im dritten Stock hallte, und erfährt, dass die geheimnisvolle Frau als Näherin und Hausmädchen auf Thornfield Hall dient. Mrs. Fairfax' nüchterne Schilderung von Grace als „nicht ganz einwandfrei" vertieft nur das Gefühl von etwas Unausgesprochenem über ihre Anwesenheit im abgelegenen Ostflügel. Das Gespräch wendet sich daraufhin Adèle zu, und sie steigen hinab, um das Kind in der Halle wartend vorzufinden, das mit der ihm eigenen französischen Begeisterung das Essen ankündigt, bereit, sich mit Mrs. Fairfax zum Mittagessen zu gesellen.
Adèles Gesang und Gedichtvortrag
Nach dem Frühstück zeigt Adèle Miss Eyre ihre Fertigkeiten. Sie setzt sich auf Miss Eyres Schoß und singt ein Lied aus einer Oper über eine verlassene Dame, die ihren Stolz zu Hilfe ruft, um ihrem treulosen Geliebten bei einem Ball entgegenzutreten. Das Thema erscheint für eine kindliche Darbietung seltsam reif, doch der Reiz liegt darin, die Themen von Liebe und Eifersucht durch das Lallen eines Kindes hindurch zu hören. Nach dem Lied springt Adèle herunter und trägt „La Ligue des Rats" vor, eine Fabel von La Fontaine, und beweist dabei eine bemerkenswerte Beachtung der Zeichensetzung, der Betonung, der stimmlichen Flexibilität sowie passende Gesten – ein Beweis für sorgfältiges vorheriges Training. Als man sie nach ihrer Lehrerin befragt, erklärt Adèle, ihre verstorbene Mutter habe ihr dieses Stück beigebracht, und sie trägt den Vortrag genauso vor, wie ihre Mutter es ihr aufgetragen hatte.
Adèles Vormundschaft nach dem Tod ihrer Mutter und Verweis auf Mr. Rochester
Adèle erklärt, dass sie nach dem Tod ihrer Mutter bei Madame Frédéric und ihrem Ehemann lebte, die sich um sie kümmerten, aber nicht mit ihr verwandt waren. Da sie deren Haus weniger prächtig fand als den Wohnsitz ihrer Mutter, hielt Adèle sich nur kurze Zeit dort auf, bevor Mr. Rochester eingriff. Sie erinnert sich, Mr. Rochester schon vor ihrer Zeit bei Madame Frédéric gekannt zu haben, und beschreibt ihn als stets freundlich, der ihr hübsche Kleider und Spielzeug schenkte. Als er ihr anbot, sie mit nach England zu nehmen, damit sie bei ihm leben könne, nahm sie begeistert an. Allerdings stellt Adèle mit einiger Enttäuschung fest, dass Mr. Rochester sie zwar nach England brachte, dann aber selbst fortging und sie ihn seitdem nicht mehr gesehen hat.
Bibliothek als Schulzimmer und anfängliche Unterrichtsplanung
Miss Eyre und Adèle ziehen sich in die Bibliothek zurück, die Mr. Rochester als Schulzimmer bestimmt hat. Die meisten Bücher bleiben hinter Glas verschlossen, doch ein Schrank enthält elementare Werke sowie leichte Unterhaltungsliteratur, Dichtung, Biografien, Reisebeschreibungen und Romane – reichlich Lesestoff im Vergleich zu Miss Eyres kärglichen Möglichkeiten in Lowood. Der Raum enthält außerdem ein neues Kabinettsklavier mit vorzüglichem Klang, eine Malstaffelei und Globen. Da sie Adèle zwar folgsam, aber an regelmäßige Arbeit nicht gewöhnt findet, übt Miss Eyre sorgfältiges Urteilsvermögen, was sie ihr anfangs zumuten will. Sie verbringt den Vormittag abwechselnd mit Unterricht und leichteren Beschäftigungen, bis Adèle um die Mittagszeit zu ihrer Kinderfrau zurückkehrt, sodass Miss Eyre Zeit gewinnt, lehrreiche Skizzen für ihre Schülerin anzufertigen.
Hausführung und geheimnisvoller Lachvorfall
Mrs. Fairfax lädt Miss Eyre zu einem Rundgang durch das Haus ein. Sie betrachten den prächtigen Speisesaal mit seinen purpurnen Möbeln, dann besichtigen sie das Gesellschaftszimmer und das Boudoir, beide elegant ausgestattet. Als Miss Eyre Mrs. Fairfax über Mr. Rochesters Charakter befragt, zeigt sich die Witwe unfähig, tieferen Aufschluss zu geben, und bietet nur an, dass er als gerechter Gutsherr mit feinen Sitten und ausgedehnten Reisen geachtet werde. Der Rundgang setzt sich oben und unten fort, einschließlich des geheimnisvollen dritten Stocks mit seinen antiken Möbeln aus umgewidmeten unteren Räumen – alten Betten, geschnitzten Truhen und ehrwürdigen Stühlen, die Spuren einstiger Stickereien tragen. Mrs. Fairfax erwähnt, dass dort niemand schlafe, und deutet an, es könnte ein Spukort sein, falls es in Thornfield Hall Geister gäbe. Vom Dach aus genießt Miss Eyre einen weiten Blick über das Anwesen, die Kirche und die umliegende Landschaft. Beim Hinabsteigen durch einen dunklen Dachbodengang, gesäumt von kleinen schwarzen Türen, vernimmt sie ein unheimliches, deutliches, freudloses Lachen – ein unerwarteter Klang in einer so stillen Gegend. Mrs. Fairfax weist dies als wahrscheinlich von Grace Poole stammend zurück, einer Näherin und Hausmagd, obwohl das Lachen eine tragische, übernatürliche Qualität besitzt, die Miss Eyre als ungewöhnlich empfindet.
ZWÖLFTES KAPITEL
Jane Eyre findet sich in ihre Rolle als Gouvernante auf Thornfield Hall ein und empfindet Zufriedenheit mit ihrer Schülerin Adèle und der gutherzigen Mrs. Fairfax, doch verspürt sie eine unruhige Sehnsucht nach einer weiteren Welt jenseits des abgelegenen Anwesens. Während eines Winterspaziergangs nach Hay, um einen Brief aufzugeben, begegnet sie einem geheimnisvollen Fremden zu Pferd, der auf der eisigen Straße gestürzt ist, und bei ihrer Rückkehr nach Hause entdeckt sie, dass dieser Reisende Mr. Rochester selbst ist, der mit einem verletzten Knöchel angekommen ist, nachdem auch sein Pferd auf dem Eis ausgerutscht war.
Leben in Thornfield, Adèles Fortschritte und Janes Unruhe
Jane stellt fest, dass sich ihre ersten positiven Eindrücke von Thornfield Hall bei näherer Bekanntschaft bestätigen. Mrs. Fairfax erweist sich als gütige, ausgeglichene Frau von solider Bildung, und ihre Schülerin Adèle – obwohl anfangs etwas verwöhnt und eigensinnig – reagiert gut auf Janes hingebungsvolle Fürsorge und wird schon bald lernwillig und herzlich. Jane empfindet eine stille Zuneigung zu dem Kind und schätzt Mrs. Fairfax' beständige Güte, dennoch gesteht sie sich ein, dass deren Gesellschaft ihre tieferen Sehnsüchte nicht zu stillen vermag. Trotz der friedlichen häuslichen Zufriedenheit, die Thornfield bietet, verspürt Jane eine unleugbare Unruhe, die ihr zu schaffen macht. Sie sehnt sich nach weiteren Horizonten – nach Verbindung mit der geschäftigen Welt, nach vielfältigem menschlichem Umgang und nach Erfahrungen jenseits des abgeschiedenen Anwesens. Ihr Geist verlangt nach Visionen und Erregungen, die ihr gegenwärtiges Leben ihr nicht bieten kann, nach einer Unruhe, die sie nicht zu unterdrücken vermag, auch wenn sie weiß, dass andere ihre Unzufriedenheit möglicherweise verurteilen werden.
Einsame Streifzüge, imaginative Fluchten und Haushaltsdetails
Wenn man sie allein lässt, sucht Jane Trost in einsamen Spaziergängen durch das Anwesen und klettert auf das Dach des Dachgeschosses, um über die Landschaft zu blicken und sich ferne Orte und Erlebnisse vorzustellen, die außerhalb ihrer Reichweite liegen. Ihre einzige Linderung ihrer Unrast findet sie, wenn sie im Korridor des dritten Stocks auf und ab geht, sich hellen Visionen hingibt und in ihrem Geist erfundenen Geschichten lauscht. Sie sinniert philosophisch darüber, dass der Mensch Tätigkeit und Anregung braucht, und vertritt die Ansicht, dass besonders Frauen unter künstlichen Einschränkungen leiden, die sie allein auf häusliche Pflichten beschränken. Jane hört häufig Grace Pooles seltsames Lachen und Murmeln, die manchmal mit einem Krug Porter aus ihrem Zimmer tritt. Obwohl sie neugierig auf diese exzentrische Bedienstete ist, findet Jane Grace verschlossen und mit harten Zügen, die wenig dazu beiträgt, ihre Neugier zu befriedigen. Die übrigen Bediensteten—John, seine Frau, Leah, das Hausmädchen, und Sophie, die französische Kinderfrau—sind achtbar, aber unauffällig, und Sophies vage Antworten tun wenig, um Janes Fragen über Frankreich zu befriedigen.
Winterlicher Spaziergang nach Hay und die Begegnung mit dem geheimnisvollen Reiter
Im Januar ergreift Jane die Gelegenheit, an einem schönen, aber eiskalten Nachmittag die zwei Meilen nach Hay zu Fuß zu gehen, um einen Brief aufzugeben. Sie durchquert einen einsamen Winterweg, der für seine wilden Rosen und Beeren bekannt ist, nun jedoch kahl und still unter Frost und blassem Winterlicht. Von einem Zauntritt aus blickt sie hinab auf Thornfield Hall im Tal und verweilt bis zum Sonnenuntergang, bevor sie beim Aufsteigen des Mondes weiter nach Hay wandert. Auf dem einsamen Damm vernimmt Jane nahende Hufschläge und erinnert sich an Bessies Geschichten vom „Gytrash" – einem Geist, der als Pferd, Maultier oder großer Hund erscheint und einsame Wege heimsucht. Ein großer schwarz-weißer Hund, der dem Gytrash gleicht, zieht still vorüber, gefolgt von einem hochgewachsenen Reiter in einem Reitermantel. Der Sturz des Fremden auf dem eisigen Boden eröffnet Jane die Möglichkeit, ihre Hilfe anzubieten, die er zunächst zurückweist, bevor er sie unter offenkundigen Schmerzen aufgrund seines verstauchten Knöchels annimmt. Auf seine Frage gibt Jane an, die Gouvernante in Thornfield Hall zu sein, das von Mr. Rochester bewohnt wird – eine Einzelheit, die den Reisenden sichtlich überrascht. Sie hilft ihm zu seinem Pferd, und nachdem er davongeritten ist, setzt sie ihren Weg nach Hay fort, wobei ihr die Begegnung noch lebhaft im Gedächtnis ist. Obwohl sie hofft, erneut Hufschläge zu vernehmen, findet sie nur Mondlicht und Stille.
Rückkehr nach Thornfield und Rochesters Ankunft
Jane kehrt widerwillig nach Thornfield zurück und fürchtet die Wiederaufnahme ihres gleichförmigen, passiven Daseins nach der kurzen Aufregung ihres Spaziergangs. Sie verweilt am Tor und auf dem Rasen, betrachtet den mondbeschienenen Himmel, bevor sie schließlich eintritt. Als sie die Halle erreicht, enthüllt das warme Licht aus dem Speisezimmer eine Gruppe von Menschen am Kamin, und Adèles Stimme mengt sich unter die fröhliche Unterhaltung. Als sie denselben schwarz-weißen Hund entdeckt, dem sie auf der Gasse begegnet war und der nun in Mrs. Fairfax' Zimmer sitzt, nennt Jane ihn „Pilot" und erfährt von Leah, dass er mit dem „Herrn" gekommen sei—Mr. Rochester, der soeben mit einem verletzten Fußknöchel nach einem Unfall nach Hause zurückgekehrt ist. Die verblüffende Erkenntnis kommt, dass Mr. Rochesters Pferd beim Hinabreiten den Hügel in der Hay Lane hinab stürzte—genau jener Vorfall, den Jane beobachtet und bei dem sie geholfen hatte. Der Chirurg Mr. Carter ist herbeigerufen worden, und der Haushalt ist in geschäftigem Treiben, als Jane nach oben geht, um sich umzuziehen.
Kapitel 15: KAPITEL XIII
In diesem Kapitel sehen Jane Eyre und ihre Schülerin Adèle sich gezwungen, die Bibliothek zu räumen, da in Thornfield Hall reger Betrieb mit Besuchern herrscht, und Jane richtet ein Klassenzimmer im oberen Stockwerk ein. Die Atmosphäre wandelt sich von kirchlicher Stille zu einer von Schritten und Stimmen erfüllten Lebhaftigkeit – eine Veränderung, die Jane insgeheim begrüßt. Adèle erweist sich als unruhig und zerstreut, späht unablässig nach Mr. Rochester und hofft auf die Geschenke, die er aus seinem Gepäck versprochen hat. Nach einem stillen Nachmittag mit ihrer Schülerin erhält Jane eine unerwartete Aufforderung, mit dem Hausherrn im Salon Tee zu trinken, was sie nötigt, in ihr schwarzes Seidenkleid zu schlüpfen und sich mit einer Perlenbrosche zu schmücken – ein Aufwand, der ihr für einen einfachen Abend auf dem Land ein wenig zu feierlich erscheint. Bei der Teegesellschaft erweist sich Mr. Rochester als kühl und herrisch; er nimmt Jane und Mrs. Fairfax beim Eintreten kaum zur Kenntnis und antwortet auf die Höflichkeiten der Witwe mit knappen Worten. Er unterzieht Jane einem eindringlichen Verhör über ihre Herkunft, ihre Ausbildung in Lowood und ihre Familie und zeigt dabei sowohl Neugier als auch eine gewisse beißende Schärfe. Als er ihr befiehlt, Klavier zu spielen, kommt sie der Aufforderung angemessen, aber ohne besondere Auszeichnung nach, woraufhin er ihr Können als typisch für ein englisches Schulmädchen abtut. Bedeutsamer noch ist, dass er einen Sammelband mit ihren Aquarellen durchsieht – drei ungewöhnliche Kompositionen, die eine stürmische See mit einer ertrunkenen Leiche zeigen, einen Abendstern mit dem geheimnisvollen Antlitz einer Frau sowie eine Pollandschaft, die von einem gewaltigen verschleierten Haupt gekrönt wird. Darin erkennt er das Werk einer ungeschulten, aber fantasievollen Hand und findet die Bilder sowohl „elfenhaft" als auch seltsam fesselnd. Nachdem er der Haushaltsgemeinschaft mit der ihm eigenen Schroffheit eine gute Nacht gewünscht hat, überlässt er Jane ihre Gedanken über seine wechselhafte Laune und sein offenkundiges Unglück – ein Thema, zu dem Mrs. Fairfax lediglich vage Andeutungen über familiäre Schwierigkeiten, den Verlust eines älteren Bruders namens Rowland und jahrelange Entfremdung von seinen Verwandten beisteuert.
Rochesters Rückkehr und Thornfields neue Betriebsamkeit
Nach Mr. Rochesters vorzeitigem Ruhestand auf ärztliche Anordnung verwandelt sich Thornfield Hall von seiner bisherigen Stille in einen belebten Haushalt. Rochesters Verwalter und Pächter treffen zu geschäftlichen Angelegenheiten ein, sodass die Bibliothek als Empfangszimmer genutzt werden muss. Jane verlegt ihre Unterrichtsstunden nach oben und betrachtet die Veränderung als einen willkommenen „Bach aus der Außenwelt", der durch das zuvor so stille Anwesen fließt. Die Atmosphäre wandelt sich grundlegend – Klopfen an der Tür, Stimmen in unterschiedlichen Tonlagen und ständige Geschäftigkeit ersetzen die kirchenhafte Stille, die Jane bislang kannte.
Adèles Vorfreude auf Rochesters Geschenke
Adèle ist unmöglich zu unterrichten, da sie ständig zu den Türen läuft, um einen Blick auf Mr. Rochester zu erhaschen. Sie spricht unaufhörlich von ihrem „ami, Monsieur Edouard Fairfax de Rochester" und spekuliert aufgeregt über Geschenke, wobei sie sich an Rochesters Erwähnung eines kleinen Kästchens erinnert, das mit seinem Gepäck aus Millcote ankommen soll. Sie erzählt Jane, dass Rochester nach ihrer Gouvernante gefragt hat – und sie als „eine kleine Person, eher dünn und etwas blass" beschrieben hat – was Adèle als zutreffend bestätigt.
Einladung zum Abendtee mit Mr. Rochester
Mrs. Fairfax überbringt Jane und Adèle die Einladung von Rochester, an diesem Abend mit ihm im Salon Tee einzunehmen. Jane erfährt, dass die Teestunde um sechs Uhr ist, und Mrs. Fairfax besteht darauf, dass sie für diesen Anlass ein besseres Kleid anzieht, wobei sie erklärt, dass sie sich für den Abend stets umziehe, wenn Rochester anwesend sei. Mit Mrs. Fairfax' Hilfe wechselt Jane von ihrem schwarzen Wollkleid in ihr einziges schwarzes Seidenkleid und legt eine Perlenbrosche an, die Miss Temple ihr zum Abschied geschenkt hatte.