The strange case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde cover
The Duality of Human Nature

The strange case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde

Ein viktorianischer Gentleman entdeckt, dass die Trennung vom Bösen keine Befreiung ist, sondern Besessenheit, und das Monster fordert immer seinen Tribut.

Stevenson, Robert Louis 2008 26 min

Als Mr. Utterson, ein Londoner Rechtsanwalt, erfährt, dass sein alter Freund Dr. Jekyll testamentarisch alles dem verachtenswerten Mr. Hyde vermacht hat, beginnt er eine Untersuchung, die von nebelverhangenen Eingängen zu Mord und schließlich zu einer schrecklichen Enthüllung führt: Jekyll hat sich chemisch in sein dunkleres Gegenstück verwandelt, nur um festzustellen, dass Hyde mit jedem Auftauchen stärker wird, während die Droge, die ihn aufrechterhält, langsam versagt. Die Konsequenzen, wenn man mit seiner eigenen Seele Gott spielt, entfalten sich mit unerbittlicher Unausweichlichkeit hin zu einem Ende, wo weder Selbst unbeschadet überlebt.

Mr. Utterson, ein Anwalt von schroffem Gesicht und zurückhaltenden Gewohnheiten, wandert an einem Sonntag durch die Straßen von London mit seinem entfernten Verwandten, Mr. Enfield. Obwohl die beiden Männer kaum Konversation pflegen, schätzen sie diese wöchentlichen Wanderungen über alle anderen Verpflichtungen und widersetzen sich oft den Forderungen des Geschäfts, um sie ungestört zu genießen. Während eines solchen Spaziergangs lenkt eine wohlhabende Nachbarschaft mit frisch gestrichenen Fensterläden und gut poliertem Messing ihre Aufmerksamkeit auf eine unheimliche, blasige Tür, die sich inmitten der allgemeinen Sauberkeit durch ihre Atmosphäre langandauernder schmutziger Vernachlässigung abhebt. Enfield erzählt eine beunruhigende Geschichte, die mit dieser Tür verbunden ist, und berichtet, wie er einen kleinen, verabscheuungswürdigen Mann dabei beobachtete, wie er in den dunklen Morgenstunden ein junges Mädchen über den Haufen rannte. Die Gestalt, die sich mit einer höllischen Unmenschlichkeit bewegte wie ein verdammter Juggernaut, wurde von Enfield am Kragen gepackt und von der wütenden Familie des Kindes sowie ihrem Arzt konfrontiert. Obwohl das Opfer keine ernsthaften körperlichen Verletzungen erlitt, empfand die versammelte Menge einen kollektiven, mörderischen Abscheu gegenüber dem Angreifer. Um einen Skandal zu vermeiden, stimmte der Mann zu, eine Entschädigung zu zahlen, und führte die Gruppe zu der unheimlichen Tür. Mit einem Schlüssel betrat er das Gebäude und kehrte mit einem von einem angesehenen Gentleman unterzeichneten Scheck und zehn Pfund in Gold zurück. Am nächsten Tag erwies sich der Scheck als echt, was auf eine Erpressungsvereinbarung hindeutete, bei der ein Mann von hohem Ansehen für die Gräueltaten dieses Ungeheuers bezahlte, das Enfield als Mr. Hyde identifiziert.

Enfield erklärt das Geheimnis des Gebäudes, das er Schwarzpost-Haus nennt. Er bemerkt, dass es kaum als Haus erscheint, mit keiner anderen Tür und keinem Verkehr außer dem des Gentlemans der Begebenheit. Er beobachtet drei saubere, aber stets geschlossene Fenster im ersten Stock und einen rauchenden Schornstein, der auf einen Bewohner hindeutet, obwohl die Gebäude so eng beieinander stehen, dass die Grenzen der Struktur unbestimmt sind. Utterson ist zutiefst beunruhigt von der Geschichte, insbesondere von der Beschreibung Hydes, der eine vage, aber mächtige Empfindung von Verunstaltung und Hass inspiriert, die niemand so recht benennen kann. Der Anwalt erkennt, dass er die Identität des Mannes kennt, der den Scheck unterzeichnet hat, und bestätigt, dass Hyde einen Schlüssel zu der unheimlichen Tür besitzt. Diese Verbindung bringt den verabscheuungswürdigen Fremden mit dem Wohnsitz von Uttersons Freund, Dr. Jekyll, in Verbindung. Durch diese Verbindung beunruhigt, kehrt Utterson nach Hause zurück und holt Dr. Jekylls Testament aus seinem Safe. Das Dokument enthüllt eine beunruhigende Klausel: Falls Dr. Jekyll stirbt oder unerklärt länger als drei Monate abwesend ist, sollen alle Besitztümer an Edward Hyde übergehen. Was einst lediglich eine rechtliche Kuriosität war, verwandelt sich nun in eine Quelle der Furcht und möglichen Schande in Uttersons Augen. Der Anwalt legt sich nicht schlafen, sondern zieht seinen Mantel an und macht sich auf den Weg in die Nacht, um Dr. Lanyon zu besuchen, in der Hoffnung, eine Erklärung für die Verbindung seines Freundes mit einem solchen Bösewicht zu finden.

Entschlossen, Antworten zu finden, besuchte Utterson seinen alten Freund Dr. Lanyon, verließ den Besuch jedoch mit mehr Fragen als er mitgebracht hatte. Nach Hause zurückgekehrt, fand er keine Ruhe und begab sich stattdessen auf die Straßen, um selbst nach Hyde Ausschau zu halten.

Mr. Utterson sucht Dr. Lanyon auf, um Informationen über den rätselhaften Hyde und das beunruhigende Testament zu erhalten, das alles einem solchen Mann hinterlassen würde. Der Besuch bringt wenig. Lanyon, ein robuster und freundlicher Mann mit vorzeitig weißem Haar, begrüßt seinen alten Freund warmherzig, hat Jekyll aber seit einem Jahrzehnt nicht gesehen. Der Bruch kam durch Jekylls Drift in das, was Lanyon als phantasievolles Gewäsch abtut – unwissenschaftliche Vorstellungen, die die engsten Freunde entzweit hätten. Als Utterson nach einem Schutzling namens Hyde fragt, hat Lanyon den Namen noch nie gehört. Der Anwalt kehrt nach Hause zurück, belastet nur durch neue Fragen.

Jene Nacht liegt Utterson bis zum Morgengrauen wach, sein Geist wird bestürmt. Was einst ein intellektuelles Rätsel gewesen war, versklavt nun seine Vorstellungskraft. Visionen rollen vor ihm ab: laternenbeleuchtete Straßen, ein laufendes Kind, eine brutale Gestalt, die es niederschlägt und weitergeht. Er sieht seinen Freund Henry Jekyll in einem prächtigen Haus schlafen, der an angenehmen Träumen lächelt – bis die Bettvorhänge aufgerissen werden und eine Gestalt mit Macht über ihn am Bett erscheint, die selbst zu dieser toten Stunde Gehorsam erzwingt. Durch jeden Traum verfolgt ihn die Gestalt, gesichtslos, die sich auflöst, sooft er versucht, sie deutlich zu sehen. Ein zwanghafter Drang wurzelt sich in ihm: er muss die wahren Züge von Mr. Hyde zu Gesicht bekommen.

Von da an hält Utterson Wache an der unheimlichen Tür. Morgens, mittags und abends, durch Nebel und Laternenschein, streift er durch die Seitengasse. Endlich, an einem klaren Abend, als Frost in der Luft hängt und die Läden geschlossen sind, hört er einen leichten, schnellen Schritt sich nähern. Ein kleiner, schlicht gekleideter Mann kommt die Straße entlang, Schlüssel in der Hand, und steuert geradewegs auf die Tür zu. Utterson tritt aus den Schatten und berührt seine Schulter, fragt, ob er Mr. Hyde sei.

Der Mann weicht mit einem scharfen Zischen der Überraschung zurück, aber fasst sich schnell wieder. Er antwortet kühl und weigert sich, Uttersons Blick zu begegnen. Der Anwalt stellt sich als alter Freund Jekylls vor und bittet um Einlass. Hyde weigert sich – Jekyll ist nicht da – und verlangt dann zu wissen, wie Utterson ihn erkannt habe. Utterson weicht aus und bittet stattdessen, das Gesicht des Mannes sehen zu dürfen. Nach einem Moment des Zögerns wendet sich Hyde mit trotziger Miene um und lässt den Anwalt seine Züge studieren. Utterson hat nun, was er wollte. Hyde gibt eine Adresse in Soho an, lacht dann wild und gleitet durch die Tür.

Allein auf der stillen Straße stehend, ist Utterson erschüttert. Hyde war bleich und verkümmert erschienen, strahlte eine Art von Verzerrung aus, obwohl kein bestimmtes Merkmal benannt werden konnte. Er hatte sich mit einer seltsamen Mischung aus Furcht und Aggression getragen. Doch nichts davon erklärte die tiefe Ablehnung, die der Anwalt empfand – einen Abscheu, der aus einer Tiefe aufzusteigen schien, die jenseits der Sinne lag. Utterson sagt sich, dass wenn je ein Gesicht das Zeichen des Bösen trug, dann dieses.

Er geht direkt zu Jekylls Wohnsitz. Der Butler Poole teilt ihm mit, dass der Doktor nicht da sei, bestätigt aber, dass Hyde einen eigenen Schlüssel besitzt und dass das gesamte Personal angewiesen wurde, ihm zu gehorchen. Utterson geht durch die dunklen Straßen nach Hause, sein Argwohn verfestigt sich zu Furcht. Hyde muss Jekyll wegen einer verborgenen Verfehlung erpressen, und die Gier des Wesens nach dem Erbe könnte das Leben seines Freundes gefährden.

Zwei Wochen später bleibt Utterson nach einem der angenehmen Abendessen Jekylls zurück. Der Doktor sitzt ihm am Kamin gegenüber – ein großer, glattwangiger Mann von fünfzig Jahren, dessen Züge von Intelligenz und Wärme geprägt sind. Doch als Utterson das Testament erwähnt und andeutet, dass er Erkundigungen über Hyde eingezogen hat, verändert sich Jekylls Miene. Die Farbe weicht aus seinem Gesicht; eine Dunkelheit sammelt sich um seine Augen. Er weigert sich, die Angelegenheit weiter zu besprechen. Seine Lage, versichert er, sei seltsam und schmerzhaft, durch Gespräche nicht zu heilen. Utterson bietet seine absolute Diskretion und Hilfe an, doch Jekyll sagt nichts mehr.

Trotz Jekylls Weigerung, die Angelegenheit weiter zu besprechen, machte sich Utterson weiterhin Sorgen über die beunruhigende Verbindung zwischen Jekyll und Hyde. Fast ein Jahr später nahm die Situation eine tödliche Wendung, als Hyde den Mord an Sir Danvers Carew beging.

Dr. Jekyll versucht, Mr. Utterson bezüglich des gefährlichen Mr. Hyde zu beruhigen, und erklärt, die Angelegenheit sei privat und nicht so ernst, wie der Anwalt befürchtet. Er versichert mit Nachdruck, dass er die absolute Macht besitzt, Hyde loszuwerden, sobald er es wünscht, und drängt Utterson, die Sache ruhen zu lassen. Trotz dieser Zurschaustellung von Kontrolle entlockt Jekyll Utterson ein feierliches Versprechen, Hydes Rechte und Erbschaft zu sichern, falls Jekyll sterben sollte – was eine seltsame, beschützende Zwanghaftigkeit gegenüber dem Mann offenbart, den er angeblich verachtet. Utterson willigt widerwillig in diese Bitte ein, obwohl er keinerlei Zuneigung für Hyde heucheln kann, und verlässt das Haus mit einem schweren Gefühl der Vorahnung.

Fast ein Jahr vergeht, doch die fragile Ruhe wird jäh zerstört, als Hyde einen brutalen, öffentlichen Mord begeht. Ein Dienstmädchen sieht den Vorfall aus ihrem Fenster im hellen Licht des Vollmonds. Sie beobachtet, wie ein alter und schöner Herr, Sir Danvers Carew, einen kleinen Mann anspricht, den sie als Mr. Hyde erkennt. Carew spricht mit einer höflichen, altmodischen Art, doch ohne Provokation gerät Hyde in eine affenartige Wut. Er schlägt den älteren Mann zu Boden und tritt ihn mit solcher Brutalität, dass die Knochen hörbar zerbrechen. Die Mordwaffe, ein schwerer Stock aus seltenem, zähem Holz, bricht unter dem Angriff, wobei eine Hälfte zurückbleibt, während der Mörder in die Nacht flieht.

Utterson wird auf die Polizeiwache gerufen und identifiziert den Toten sofort als den hochgeachteten Sir Danvers Carew. Als er den zerbrochenen Stock sieht, erkennt er ihn als ein Geschenk, das er einst Henry Jekyll gemacht hatte. In Erkenntnis der Schwere der Situation führt Utterson Inspektor Newcomen durch die nebelverhangenen, albtraumhaften Straßen von Soho zu Hydes Wohnung. Sie navigieren durch ein Viertel, das einem schlechten Traum entsprungen zu sein scheint, und gelangen zu einem schäbigen Gebäude, das den wohlhabenden Flüchtling beherbergt. Im Inneren finden sie die luxuriösen Zimmer in Unordnung vor, mit durchwühlten Schubladen und einem Haufen grauer Asche im Kamin, wo Papiere verbrannt wurden. Der Fund der verbliebenen Hälfte der Mordwaffe und die Überreste eines Scheckhefts bestätigen Hydes hastige Flucht und seine Verbrecherbande.

Später am Nachmittag besucht Utterson Dr. Jekyll in seinem Labor, um über die Katastrophe zu sprechen. Jekyll wirkt todkrank und schwört, dass er für immer mit Hyde fertig sei, und behauptet, der Flüchtling sei in Sicherheit und werde nie wieder gehört. Er zeigt einen Brief von Hyde vor, in dem dieser erklärt, er sei entkommen und Jekyll brauche sich keine Sorgen zu machen. Jekyll behauptet, die Nachricht sei von einem Boten überbracht worden, gibt jedoch zu, den Umschlag verbrannt zu haben. Utterson ist zunächst erleichtert über den Brief, der Jekyll zu entlasten scheint, doch seine Verdacht erwacht erneut, als er den Butler Poole auf dem Weg nach draußen befragt. Poole bestreitet, dass an diesem Tag ein Bote im Haus gewesen sei – nur Werbezettel seien per Post gekommen. Der Widerspruch erschüttert Utterson: Wenn kein Bote kam und der Brief keinen Poststempel trug, könnte er nicht von außen zugestellt worden sein. Der Brief muss im Haus selbst geschrieben worden sein. Jekyll, nicht Hyde, könnte ihn gefälscht haben, und Utterson bleibt mit dem beunruhigenden Verdacht zurück, dass sein Freund etwas weit Dunkleres verbirgt, als er zugegeben hat.

Mit Uttersons Verdacht, nun durch das verheerende Fehlen eines Boten und den Brief, der aus Jekylls eigenen Gemächern geschrieben worden sein musste, gründlich geweckt, pause die Erzählung, um die Beweise genauer zu untersuchen. Der nächste Schritt des Anwalts – die Konsultation seines Kanzleigehilfen Mr. Guest, eines erfahrenen Graphologen – stellt eine natürliche Fortführung seiner Untersuchung dar und verwandelt Verdacht in etwas, das Gewissheit nahekommt. Doch selbst als Guest bestätigt, was Utterson bereits fürchtet, scheint die unmittelbare Krise vorüber zu sein; Hyde ist verschwunden, Jekyll tritt wieder in die Gesellschaft, und eine zerbrechliche Ruhe senkt sich über das Haus am Platz herab. Dieser trügerische Frieden erweist sich jedoch als kurzlebig. Der Rückzug des Arztes in die Isolation, der mysteriöse Verfall Dr. Lanyons und jener letzte geisterhafte Blick durch Jekylls Fenster deuten darauf hin, dass welche Dunkelheit auch immer vorübergehend verbannt wurde, sich lediglich zurückgezogen hat – nicht besiegt wurde. Die Erzählung verlagert sich thus von der externen Verfolgung Hydes zur internen Zerrüttung Jekylls selbst und bereitet die Bühne für das kommende tragische Zerbrechen.

Utterson, zutiefst beunruhigt durch die Ermordung von Sir Danvers Carew und den mysteriösen Brief, der angeblich von Hyde stammt, sucht den Rat seines leitenden Kanzleigehilfen Mr. Guest auf. Während sie eine seltene Flasche alten Weins am Kamin teilen, zeigt Utterson Guest den Brief, in dem Wissen, dass der Kanzleigehilfe ein Experte für Handschriften ist. Als ein Diener mit einer Einladung zum Abendessen von Dr. Jekyll eintritt, vergleicht Guest instinktiv die beiden Dokumente. Er offenbart eine auffällige Ähnlichkeit zwischen den Schriften, wobei sie in vielen Punkten identisch sind und sich nur durch die Neigung unterscheiden. Die Implikation durchschauert Utterson bis ins Mark: Henry Jekyll hat einen Brief für einen Mörder gefälscht. Er verschließt die Notiz, entsetzt über die Erkenntnis, dass sein Freund Hyde schützt.

Nach Hydes Verschwinden erfreut sich Dr. Jekyll zwei Monate lang einer erneuerten gesellschaftlichen Teilhabe und religiösen Hingabe und scheint wieder sein früheres Ich zu sein. Dieser Frieden zerbricht jedoch abrupt. Jekyll weigert sich plötzlich, Besucher zu empfangen, zieht sich in die Abgeschiedenheit zurück, während sein alter Freund Dr. Lanyon in einen raschen und schrecklichen körperlichen Verfall gerät. Als Utterson Lanyon besucht, findet er einen Mann vor, der an Körper und Geist zerstört ist, mit einem Ausdruck tiefsitzenden Terrors. Lanyon spricht von einem Schock, von dem er sich niemals erholen wird, und weigert sich vehement, Jekylls Namen zu hören, betrachtet ihn als effektiv tot. Utterson schreibt an Jekyll um eine Erklärung und erhält eine klägliche, dunkel geheimnisvolle Antwort. Jekyll gesteht, dass der Bruch mit Lanyon unheilbar ist, und erklärt seine Absicht, ein Leben extremer Abgeschiedenheit zu führen, um eine namenlose Strafe und Gefahr zu ertragen.

Innerhalb von vierzehn Tagen ist Lanyon tot. Nach der Beerdigung öffnet Utterson einen versiegelten Umschlag, den sein Freund hinterlassen hat. Darin befindet sich ein weiterer Briefumschlag, streng gekennzeichnet mit der Anweisung, erst nach dem Tod oder Verschwinden von Dr. Henry Jekyll geöffnet zu werden. Obwohl von Neugier getrieben, ehrt Utterson seine professionelle Verpflichtung und die Anweisungen seines verstorbenen Freundes und verschließt das Päckchen in seinem Tresor. Seine nachfolgenden Versuche, Jekyll zu besuchen, werden seltener, teilweise durch Poole, den Butler, erleichtert, dessen Berichte zufolge der Arzt weiterhin missmutig, schweigsam und in seinem Kabinett über dem Laboratorium eingeschlossen bleibt.

Wochen später hält Utterson auf einem Spaziergang mit Enfield vor Jekylls verlassenem Hof an und überredet seinen Begleiter, die Fenster zu betrachten. Sie erblicken Dr. Jekyll, der am offenen Fenster sitzt und wie ein untröstlicher Gefangener aussieht. Jekyll spricht traurig mit ihnen, gesteht, dass es ihm sehr schlecht gehe und er sich nicht traue, sich zu ihnen nach draußen zu gesellen. Für einen Moment lächelt er, aber der Ausdruck wird sofort von einem der gänzlichen Verzweiflung und des Terrors ausgelöscht. Er schlägt das Fenster zu, lässt Utterson und Enfield entsetzt und bleich zurück, während sie schweigend die Szene verlassen und um Vergebung flüstern.

An diesem Abend arrives Poole bei Uttersons Haus in einem Zustand der Panik. Der Butler gesteht, dass er seit einer Woche Angst hat und die Situation nicht länger ertragen kann, und erklärt unverblümt, dass etwas grundlegend nicht stimmt mit dem Arzt.

Nachdem er Pooles beunruhigendes Geständnis gehört hatte, stimmte Utterson zu, den Butler zu Jekylls Haus zu begleiten, um die Quelle der mysteriösen Abgeschiedenheit seines Herrn zu untersuchen. Gemeinsam machen sie sich durch die nebelverhangenen Straßen auf den Weg zu Jekylls Residenz, wo die Tür und die Dienerschaftsquartiere ein beunruhigendes Bild der Isolation und des Unbehagens bieten. Als sie das Haus erreichen, finden sie eine Atmosphäre vor, die schwer ist vor Furcht, während die Diener untereinander flüstern und ihren gemeinsamen Verdacht bestätigen, dass etwas mit dem Arzt grundlegend nicht stimmt. Die Spannung erreicht ihren Höhepunkt, als Poole sich darauf vorbereitet, das durchzuführen, was er für das Undenkbare hält – einen letzten Versuch, die Labortür einzuschlagen, hinter der sich Jekyll eingeschlossen hat, in der Überzeugung, dass seinem Herrn Übles widerfahren ist.

Poole kommt in einem Zustand offensichtlichen Schreckens zu Uttersons Haus, lässt seinen Wein unangetastt und erklärt, dass er die Situation nicht länger ertragen kann und Böses vermutet. Utterson, der die extreme Verzweiflung des Butlers und die Feuchtigkeit der Qual auf seiner Stirn beobachtet, stimmt zu, ihn zurück zum Haus des Doktors zu begleiten. Sie durchqueren eine wilde, kalte und verlassene Londoner Nacht, wobei Utterson eine erdrückende Vorahnung des Unheils empfindet, während der Wind die Straßen von Passanten fegt. Bei ihrer Ankunft finden sie die Diener in der Halle zusammengedrängt wie verängstigte Schafe, und das Hausmädchen bricht bei sight des Anwalts in hysterisches Schluchzen aus.

Poole führt Utterson durch den hinteren Garten zum Labor und klopft vorsichtig an die Tür des roten Baytuchschranks. Eine Stimme von innen beschwert sich, dass sie niemanden sehen kann. Poole behauptet, dass diese veränderte Stimme nicht die seines Herrn sei, und behauptet, dass Jekyll vor acht Tagen umgebracht wurde, als er den Namen Gottes rief. Um seinen Verdacht zu beweisen, enthüllt Poole, dass der Occupant verzweifelt eine bestimmte Chemikalie bestellt hat und Notizen schrieb, die sich über unreine Proben beschwerten und um die alte Charge bettelten. Er berichtet, eine maskierte Gestalt unter den Kisten gesehen zu haben, die wie eine Ratte vor ihm floh. Poole besteht darauf, dass die Gestalt ein Zwerg war, nicht der große Dr. Jekyll. Während sie über den Eindringling diskutieren, fragt Utterson, ob Poole die maskierte Gestalt erkannt hat. Der Butler bestätigt, dass der Blick zwar kurz war, aber die Größe und die schnellen, leichten Bewegungen der Kreatur perfekt zu Mr. Hyde passten. Poole erinnert Utterson an die unheimliche, kalte Natur von Hydes Präsenz, ein Gefühl, das ihn wie Eis traf, als die Gestalt aufsprang. Utterson, der sich an seine eigene Begegnung mit dem Mann erinnert, stimmt zu, dass die Beschreibung übereinstimmt, und schließt daraus, dass Hyde tatsächlich derjenige ist, der sich im Schrank versteckt.

In der Überzeugung, dass Jekyll ermordet wurde und dass Hyde im Inneren lauert, beschließt Utterson einzubrechen, trotz des Mangels an rechtlichen Beweisen. Er und Poole bewaffnen sich mit einer Axt und einem Küchenschürhaken, anerkennen die Gefahr, der sie sich gegenübersehen, und postieren Diener an der Labortür, um die Flucht zu verhindern. Während sie im Theater warten, hören sie den Occupanten mit einem seltsamen, leichten Schritt auf und ab gehen, anders als Jekylls schwerfälliger Gang. Poole flüstert, dass er die Kreatur einmal wie eine Frau oder eine verlorene Seele weinen hörte. Als die zehn Minuten vergangen sind, nähern sie sich der Tür. Utterson verlangt Einlass und warnt, dass er Jekyll mit fairen oder unfairen Mitteln sehen werde. Eine verängstigte Stimme fleht um Gnade im Namen Gottes, aber Utterson erkennt sie als Hydes. Er befiehlt Poole anzugreifen. Der Butler schwingt die Axt, und nach mehreren Schlägen, die das Gebäude erschüttern und ein Kreischen animalischen Terrors hervorrufen, gibt schließlich das Schloss nach und das Wrack der Tür fällt nach innen.

Die Tür, gewaltsam aus dem Rahmen gerissen, fiel nach innen, und die Belagerer, die Gewalt erwartet hatten, fanden stattdessen nur Stille und eine Szene häuslicher Gemütlichkeit vor – ein Feuer brannte, ein Kessel sang, Teegeschirr war bereitgestellt, als erwarte man einen Besucher, der niemals eintreffen würde. Doch ihre vorübergehende Erleichterung wich dem Entsetzen, als sie Hydes Leiche entdeckten, zusammengesunken auf dem Boden, seine Züge verzerrt in einer letzten Grimasse der Agonie, ein halbleeres Giftfläschchen neben ihm. Jekyll war nirgendwo im Kabinett zu finden, und ihre Suche würde bald offenbaren, welche Schrecken der Raum wirklich barg.

Die Belagerer wichen von der Tür zurück, die sie aufgebrochen hatten, erschrocken über die Stille, die auf ihre Gewalt folgte. Das Kabinett vor ihnen schien unmöglich häuslich – Feuer knisterte im Kamin, ein Kessel sang, Teegeschirr war neben einem Sessel arrangiert, Papiere waren ordentlich auf dem Schreibtisch gestapelt. Nur die verglasten Chemikalienregale deuteten auf etwas Ungewöhnliches hin.

Dann sahen sie die Leiche. Sie lag verzerrt in der Mitte des Zimmers, noch zuckend mit schwindendem Leben. Sie drehten sie um und fanden Edward Hydes Gesicht, sein Körper verschluckt von Kleidern, die einem größeren Mann gehörten. Das zerbrochene Glas in seiner Hand und der bittermandelsüße Geruch erzählten die Geschichte: Gift, selbst verabreicht. Utterson erklärte sie für zu spät für Rettung oder Vergeltung.

Die Suche nach Jekyll erwies sich als ergebnislos. Das Theater, der Korridor, die dunklen Schränke, der Keller – alles leer. Staub fiel von Schranktüren, die monatelang nicht geöffnet worden waren; Spinnweben versiegelten den Kellereingang. Poole stampfte auf den Boden, überzeugt, dass sein Herr unter den Steinen begraben lag. Doch Utterson fand die Haustür verschlossen vor, der Schlüssel lag in der Nähe – in zwei Teile gebrochen und bereits an den Bruchstellen verrostet. Keiner der beiden Männer konnte erklären, wie jemand ein- oder ausgegangen sein sollte.

Sie kehrten zurück, um das Kabinett genauer zu untersuchen. Weißes Salz, auf Glastellern abgemessen, deutete auf chemische Arbeit hin, die mitten im Experiment unterbrochen worden war – dieselbe Substanz, die Poole unzählige Male geliefert hatte. Am Feuer lag ein religiöser Text, den Jekyll einst geschätzt hatte, dessen Ränder nun mit Gotteslästerungen in seiner eigenen Handschrift beschmiert waren. Ein Standspiegel war zur Wand gedreht worden, als wäre das, was er reflektierte, zu furchtbar zum Anschauen. Utterson ertappte sich dabei, zu fragen, was Jekyll – nicht Hyde – mit einem solchen Gegenstand hätte anfangen wollen.

Auf dem Schreibtisch lag ein an Utterson adressierter Umschlag. Darin befanden sich drei Dokumente: ein Testament, das Hydes Namen durch seinen eigenen ersetzte, eine Notiz vom selben Morgen und ein versiegeltes Paket mit der Anweisung, Dr. Lanyons Bericht zu lesen, bevor er die endgültige Beichte öffnete. Dass Hyde, der tagelang in dessen Besitz gewesen und Utterson feindlich gesinnt gewesen war, das Testament unberührt gelassen hatte, schien unerklärlich. Die datierte Notiz bewies, dass Jekyll noch Stunden zuvor am Leben gewesen war – war er geflohen, oder schlimmer? Utterson steckte die Papiere ein, entschlossen, den Ruf seines Freundes zu schützen und gleichzeitig die Wahrheit aufzudecken.

Was folgte, war Lanyons Bericht. Vier Tage zuvor hatte er einen eingeschriebenen Brief von Jekyll erhalten – seltsam, da sie doch am Abend zuvor zusammen diniert hatten. Der Inhalt war noch seltsamer: eine verzweifelte Bitte, verfasst in Begriffen von Leben, Ehre und Vernunft. Jekyll flehte Lanyon an, gewaltsam in sein Kabinett einzudringen, eine bestimmte Schublade mit Pulvern und einem Fläschchen zu holen und sie einem um Mitternacht eintreffenden Boten zu übergeben. Der Terror in jeder Zeile war unverkennbar.

Lanyon vermutete Wahnsinn, fühlte sich jedoch durch ihre alte Freundschaft gebunden. Er fuhr zu Jekylls Haus, überwachte das Aufbrechen der Kabinettstür und trug die Schublade nach Hause. Ihr Inhalt verwirrte ihn: ein weißes kristallines Salz, ein blutrotes, scharf nach Phosphor riechendes Fläschchen und ein Notizbuch, das jahrelange Experimente dokumentierte – die meisten als Misserfolge markiert, einige kryptisch als „doppelt“ beschriftet. Nichts erklärte, warum Jekylls Verstand davon abhängen sollte, dass diese Gegenstände einen Mitternachts-Boten erreichten.

Lanyon entließ sein Personal und bewaffnete sich. Als der Türklopfer um zwölf Uhr ertönte, fand er eine kleine Gestalt vor, die sich an den Säulen des Portikus zusammenkauerte – mit furchtsamen Blicken zu einem vorbeigehenden Polizisten, bevor sie hineinschlüpfte. Im Lampenlicht sah Lanyon den Besucher deutlich: klein, mit einem entsetzlichen Ausdruck, der muskulöre Kraft mit konstitutioneller Gebrechlichkeit verband. Dann kam die körperliche Reaktion – ein Puls, der stockte, ein Zittern, das sich durch seine Glieder zog, etwas Tieferes als Abneigung. Seine ganze Natur sträubte sich vor dem, was vor ihm stand.

Nachdem Utterson Lanyons vernichtendes Zeugnis unter Jekylls Papieren gefunden hatte, besaß er nun das letzte Puzzlestück – eines, das den Horror erhellen würde, den Lanyon beobachtet hatte und den er nicht überleben konnte. Die Erzählung des Arztes beschrieb mit zitternder Präzision, wie Hyde in jener Schicksalsnacht an seiner Tür erschienen war, verzweifelt und hektisch, bereits eine seltsame Mixtur aus einem Fläschchen abmessend. Lanyon hielt mit klinischer Distanziertheit fest, wie er beobachtet hatte, wie Hyde die Substanz trank, und was folgte, war so schockierend für seine rationalen Sinne, dass es ihn an den Rand des Wahnsinns und letztlich in sein Grab getrieben hatte. Denn in jenem Moment durchlief die bucklige und verdrehte Gestalt Hydes eine höchst bemerkenswerte und schreckliche Metamorphose und wurde wieder zum respektablen Dr. Jekyll – eine Verwandlung so vollständig und doch so fundamental unmöglich, dass Lanyon erklärte, er würde sich nie von dem Schock dieses Anblicks erholen.

Der Besucher, der Lanyons Sprechzimmer betrat, trug reiche, schlichte Kleidung, die grotesk von seinem Körper herabhing – Hosen hochgekrempelt, Rock unter seine Hüften reichend, Kragen weit abstehend. Der Effekt hätte komisch sein sollen, doch Lanyon verspürte keinen Lachreiz. Etwas fundamental Falsches ging von dem Wesen aus, etwas Abnormales und Verkrüppeltes, das den Beobachter mit Abscheu und Neugier gleichermaßen ergriff.

Hydes Ungeduld grenzte an Hysterie. Er verlangte mit hektischer Dringlichkeit die Schublade, seine Hand umklammerte sein Herz, Zähne knirschten in einem krampfartigen Kiefer, Gesicht leichenblaß. Als Lanyon auf den Ort wies, wo sie lag, schoß Hyde vor, hielt dann inne und mühte sich, Fassung zu gewinnen. Er maß die rote Tinktur ab, fügte das weiße Pulver hinzu und beobachtete, wie die Mischung von Rot zu Violett zu wässerigem Grün aufbrauste. Dann wandte er sich an Lanyon mit einem Angebot.

Wäre der Doktor weise und ließe ihn mit dem Glas gehen? Oder würde die Neugier ihn befehligen zu bleiben und etwas zu bezeugen, das sein Sehvermögen zerstören und den Unglauben Satans erschüttern würde? Lanyon, der zu weit gegangen war um umzukehren, wählte zu bleiben.

Hyde hob das Glas und trank. Ein Schrei entfuhr ihm; er schwankte, klammerte sich an den Tisch und schien anzuschwellen. Sein Gesicht schwärzte sich, seine Züge schmolzen und veränderten sich. Lanyon sprang gegen die Wand zurück, Arme gegen das Ungeheuer erhoben, schrie zu Gott. Wo Hyde gestanden hatte, schwankte nun Henry Jekyll – bleich, erschüttert, halb ohnmächtig, tastend wie ein Mann, der vom Tod auferstanden war.

Was Jekyll ihm in der nächsten Stunde erzählte, konnte Lanyon nicht über sich bringen aufzuschreiben. Seine Seele wurde krank; der Schlaf verließ ihn; tödlicher Schrecken saß bei ihm zu jeder Stunde. Er wußte, er würde bald sterben, bis in seine Wurzeln erschüttert, und doch noch halb ungläubig. Eine einzige Tatsache würde er bezeugen: das Wesen, das in jener Nacht sein Haus betreten hatte, war Edward Hyde, gejagt in ganz England als Mörder von Sir Danvers Carew.

Dann kam Jekylls eigenes Geständnis. Mit Vermögen geboren und mit Talent ausgestattet, schien ihm eine ehrenvolle Zukunft garantiert. Doch seit früher Mannheit hatte er seine Vergnügungen hinter einer ernsten öffentlichen Maske verborgen und eine tiefe Zwiespältigkeit geschaffen. Er war kein Heuchler – beide Seiten waren aufrichtig – doch die Teilung zwischen seinen Bestrebungen und seinen Ausschweifungen schnitt tiefer als bei den meisten Männern.

Seine wissenschaftlichen Studien, die sich zum Mystischen und Transzendenten hinneigten, erhellten diesen inneren Krieg. Er kam zu dem Schluss, dass der Mensch nicht wirklich eines, sondern wirklich zwei ist – vielleicht sogar eine „Gemeinschaft vielfältiger Bewohner“. Die Trennung dieser Elemente wurde sein innigster Tagtraum: Wenn jede Natur in einer separaten Identität untergebracht werden könnte, würde das Leben von allem Unerträglichen befreit sein.

Jekyll entdeckte, dass bestimmte Substanzen das fleischliche Gewand erschüttern und zurückzupfen konnten, wie der Wind die Vorhänge zerzaust. Er mischte ein Gift, das die herrschende Natur entthronen und eine andere Form einsetzen konnte – eine nicht weniger natürliche, weil sie die niedrigeren Elemente seiner Seele ausdrückte. Er zögerte, wohl wissend, dass er den Tod riskierte, doch die Verlockung der Entdeckung überwand die Furcht.

Spät in einer verfluchten Nacht trank er den Trank. Stechender Schmerz, tödliche Übelkeit und spirituelles Entsetzen ergriffen ihn. Dann ließ die Agonie nach, und er fühlte sich seltsam erneuert – leichter, jünger, erfüllt von einem berauschenden Leichtsinn und einer Lösung der Fesseln der Pflicht. Er wusste sich böser, und der Gedanke erfreute ihn.

Als er sich in sein Schlafzimmer wagte, sah er Hydes Gesicht zum ersten Mal: kleiner, zierlicher, jünger als Jekyll, mit deutlich aufgeschriebener Bosheit. Doch er empfand keinen Abscheu – nur Willkommen. Dies, too, war er selbst, „ausdrucksvoller und einheitlicher“ als sein vorheriges geteiltes Antlitz. Hyde, allein unter den Menschen, war rein böse.

Der letzte Test stand noch aus. Er eilte zurück in sein Kabinett, bereitete den Trank erneut und trank, litt wieder unter den Qualen der Auflösung – und tauchte als Henry Jekyll wieder auf, wiederhergestellt in Charakter, Statur und Gesicht. Das Experiment war gelungen. Die Tür zu einem Doppelleben stand offen.

Da das Experiment nun als erfolgreich bewiesen und die Tür zu dieser doppelten Existenz geöffnet war, würde Jekylls anfängliche Begeisterung über seine neu gewonnene Freiheit schon bald in etwas weit Dunkleres umschlagen, denn der Akt der Befreiung selbst hatte ihn an ein Wesen reinen Egoismus und Bosheit gebunden.

Jekyll stand an einer verhängnisvollen Kreuzung. Das Gift selbst trug keine moralische Gewichtung – es schloss lediglich auf, was in seinem Inneren eingesperrt lag. Hätte er sein Experiment mit großzügigem Zweck angegangen, hätte er möglicherweise geläutert hervorgehen können. Stattdessen schlief seine bessere Natur, während Ehrgeiz seine dunkleren Impulse schärfte. Edward Hyde wurde geboren – ein zweites Selbst, das gänzlich der Bosheit gewidmet war, während Jekyll dieselbe fehlerhafte Mischung blieb, die er stets zu reformieren verzweifelt war.

Die Vereinbarung verstrickte ihn. Seine privaten Verderbnisse scheuerten gegen seine öffentliche Würde; der Trank versprach Befreiung. Er bereitete alles mit peinlicher Sorgfalt vor – Räume in Soho, eine stumme Haushälterin, Diener, die angewiesen waren, Hyde volle Freiheit zu gewähren, ein Testament, das sein Vermögen bewahren sollte, falls Dr. Jekyll etwas zustoßen sollte. Zum ersten Mal konnte ein Mensch jeden verbotenen Impuls ausleben, während sein respektables Selbst unberührt blieb. Hyde existierte in keinen Aufzeichnungen; er konnte nach Belieben verschwinden und nur den aufrechten Arzt zurücklassen.

Doch Hydes Vergnügen wurde sauer. Das Geschöpf, das Jekyll heraufbeschworen hatte, erwies sich als fundamental verdreht – jeder Gedanke bog sich zum Selbst, trank Befriedigung aus Grausamkeit, unerbittlich wie Stein. Jekyll kehrte von diesen Ausflügen angewidert zurück, doch die Fremdheit der Vereinbarung stumpfte sein Gewissen ab. Hyde allein war schuldig; Jekyll konnte sogar die Taten seines Schattens wiedergutmachen. Moralische Verantwortung löste sich in bequeme Fiktion auf.

Ein brutaler Vorfall legte die Gefahr bloß. Hydes Zertreten eines Kindes erregte die Wut der Zeugen; um sie zu besänftigen, bezahlte er mit einem Scheck, unterzeichnet mit Jekylls Namen – ein törichter Link zwischen den Identitäten. Jekyll eröffnete ein Bankkonto auf Hydes Namen und fälschte die Unterschrift seines Doppelgängers, in dem Glauben, nun außer Reichweite zu sein.

Dann kam der Morgen, an dem er aufwachte und die Hand eines Fremden auf seiner Bettdecke vorfand – schlank, sehnig, behaart, dunkel. Er war als Jekyll eingeschlafen und erwachte als Hyde. Die Diener waren bereits auf den Beinen; das Gegenmittel wartete in seinem Schränkchen. In Kleidern, die an Hydes kleinerem Körper schlaff herabhingen, durchquerte er sein eigenes Haus und ertrug den bestürzten Blick des Butlers. Zehn Minuten später kehrte sich die Verwandlung um. Jekyll saß vor einem Frühstück, das er nicht essen konnte, und las die Warnung: Das Gleichgewicht hatte sich verschoben.

Hyde wurde stärker. In dieser Form fühlte Jekyll einen volleren Blutstrom; der Körper selbst schien gewachsen zu sein. Noch beunruhigender war, dass die Schwierigkeit der Verwandlung gewandert war: Einst war es schwer gewesen, Jekylls Körper abzulegen, nun wurde es schwer, Hydes Körper abzulegen. Er verlor langsam seinen Griff auf sein besseres Selbst. Er sah sich vor eine unmögliche Wahl gestellt: Jekyll bleiben und seine geheimen Verderbtheiten aufgeben, oder sich dauerhaft Hyde ergeben und allgemein verachtenswert werden – obwohl Hyde den Verlust niemals spüren würde.

Er wählte das Bessere. Zwei Monate lang lebte er in strenger Selbstverleugnung und fand aufrichtige Befriedigung in einem ungestörten Gewissen. Doch die scharfe Klinge der Furcht wurde stumpf; routinemäßige Tugend verlor ihren Reiz; alte Gelüste regten sich wieder. In einem Moment der Schwäche trank er den Trank erneut.

Er hatte nicht damit gerechnet, was Einschränkung mit Hydes Natur tun würde. Das unterdrückte Böse brach mit beispielloser Gewalt hervor. Ein zufälliges Zusammentreffen mit Sir Danvers Carew wurde tödlich – die höfliche Begrüßung des alten Mannes löste einen Sturm der Wut aus. Hyde schlug ohne Grund zu, zerfleischte den widerstandslosen Körper mit wilder Freude, bis Erschöpfung eine kalte Welle des Terrors brachte.

Hyde sah sein Leben verwirkt. Er floh, vernichtete seine Papiere in Soho, misechte den Verwandlungstrank. Als er trank, erhob er sein Glas auf den toten Mann. Bevor die Verwandlung abgeschlossen war, fiel Jekyll auf die Knie, mit Tränen der Dankbarkeit und Reue. Die Selbsttäuschung lag in Trümmern. Er sah sein Leben ganz – von Kindheitsspaziergängen mit seinem Vater bis zu Jahren beruflicher Arbeit, alles führte zu diesem verdammten Horror.

Doch aus der Reue kam seltsamer Trost. Die Nachricht kam, dass Hyde wegen des Mordes an einem Mann hohen öffentlichen Ansehens gejagt wurde. Jekyll ertappte sich dabei, wie er froh war: Die Drohung des Schafotts setzte nun seine bessere Natur durch. Hyde könnte niemals wieder hervorkommen, ohne vernichtet zu werden. Mit echtem Entschluss schloss Jekyll die Schranktür, durch die er so oft geschritten war, und zermalmte den Schlüssel unter seinem Absatz.

Jekylls Vorkehrungen erwiesen sich als vergeblich, als Hydes Kontrolle über seinen Wirt stärker zu werden begann, bis er schließlich ohne den Trank hervortreten konnte. Verzweifelt, seine Erlösung aufrechtzuerhalten, fand Jekyll, dass das Salz für seine Formel gefährlich knapp wurde, doch neue Vorräte erwiesen sich als völlig nutzlos.

Nach dem Mord stürzte sich Jekyll in die Erlösung. Monate der Wohltätigkeit brachten stille Zufriedenheit, sogar Glück. Doch seine gespaltene Natur wollte nicht ruhen. Als die scharfe Klinge der Reue stumpf wurde, regte sich etwas Roheres – nicht der Wunsch, Hyde wiederzuerwecken, sondern die vertraute Versuchung, mit dem Gewissen zu kompromittieren. Diese kleine Konzession erwies sich als tödlich.

An einem hellen Januarmorgen im Regent’s Park saß Jekyll und wärmte sich in der Sonne, beglückwünschte sich zu seiner tätigen Nächstenliebe gegenüber der trägen Gleichgültigkeit anderer. Stolz schwoll in ihm auf. In diesem Augenblick ergriffen Übelkeit und heftiges Zittern seinen Körper. Als die Schwäche vorüberging, hatte sich sein Geist verändert – nun kühn, der Konsequenzen verachtend, von Verpflichtungen befreit. Er starrte auf seinen Schoß: verschrumpelte Glieder, eine dunkle und sehnige Hand. Er war Hyde geworden, ohne den Trank, ein gejagter Mörder, im Tageslicht entblößt.

Hydes Verstand schärfte sich für die Notlage. Nach Hause war unmöglich—die Diener würden ihn der Justiz übergeben. Doch behielt er ein Fragment von Jekyll: die Handschrift. Er fand eine Droschke, kämpfte den mörderischen Zorn angesichts der Belustigung des Kutschers nieder und erreichte eine Herberge. Dort verfasste er verzweifelte Briefe an Lanyon und Poole, die er per Einschreiben abschickte. Den ganzen Tag wartete er, verzehrt von Furcht. In der Nacht fuhr er durch die Straßen in einer geschlossenen Kutsche, dann wanderte er allein durch dunkle Wege—eine Gestalt, die mit sich selbst murmelte und eine Frau zu Boden schlug, die sich ihm näherte.

Die Verwandlung in Lanyons Haus brachte ihn zu sich selbst. Die entsetzte Verurteilung seines alten Freundes erreichte ihn wie im Traum; die Heimreise verging im gleichen Nebel. Er fiel in tiefen Schlaf, obwohl schreckliche Träume ihn peinigten, und erwachte geschwächt, aber verzweifelt erleichtert—sicher, in der Nähe seiner Medikamente, die Furcht vor dem Galgen ersetzt durch Grauen davor, wieder Hyde zu werden.

Die Aufschub währte Stunden. Als er nach dem Frühstück seinen Hof überquerte, kehrten die warnenden Empfindungen zurück. Er erreichte kaum das Kabinett, bevor Hyde ihn ergriff. Eine doppelte Dosis stellte Jekyll wieder her; sechs Stunden später kam die Verwandlung erneut. Nun begann die wahre Folter. Verwandlungen schlugen zu jedem Moment zu, besonders im Schlaf—er erwachte immer als Hyde. Jekyll verdammte sich zur Schlaflosigkeit, sein Körper und Geist schwanden dahin, besessen von der Furcht vor seinem anderen Selbst.

Hyde wurde stärker, während Jekyll schwand. Jekyll sah ihn als etwas aus der Grube—formloses Übel, dem Stimme und Bewegung gegeben wurden,绑 in sein Fleisch gebundener als die Ehe, kämpfend, bei jeder Schwäche geboren zu werden. Hyde antwortete mit Bosheit: Er verunstaltete Jekylls Bücher, verbrannte Korrespondenz, zerstörte das Porträt seines Vaters. Nur der Schrecken des Todes hielt ihn davon ab, sie beide zugrunde zu richten.

Dann fiel der letzte Schlag. Das Salz, das den Trank kräftigte, ging zur Neige. Neue Vorräte erwiesen sich als nutzlos—die ursprüngliche Charge hatte einen unbekannten Verunreinigungsstoff enthalten, der für die Verwandlung wesentlich war. Ohne ihn war keine Rückkehr von Hyde möglich.

Jekyll schreibt diese letzten Worte unter dem Einfluss seines letzten Pulvers. Innerhalb von Minuten wird Hyde ihn für immer beanspruchen. Er eilt zu Ende, weiß, dass Hyde diese Seiten zerstören könnte, wenn die Verwandlung ihn beim Schreiben ereilt, aber das enge Fokus seines anderen Selbst auf die Gegenwart könnte sie bewahren. Ob Hyde am Galgen stirbt oder durch eigene Hand—Jekyll kümmert es nicht mehr. Dies ist sein wahrer Tod. Er legt die Feder nieder und versiegelt sein Geständnis, beendet die unglückliche Existenz von Henry Jekyll.

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