Als Mr. Utterson, ein Londoner Rechtsanwalt, erfährt, dass sein alter Freund Dr. Jekyll testamentarisch alles dem verachtenswerten Mr. Hyde vermacht hat, beginnt er eine Untersuchung, die von nebelverhangenen Eingängen zu Mord und schließlich zu einer schrecklichen Enthüllung führt: Jekyll hat sich chemisch in sein dunkleres Gegenstück verwandelt, nur um festzustellen, dass Hyde mit jedem Auftauchen stärker wird, während die Droge, die ihn aufrechterhält, langsam versagt. Die Konsequenzen, wenn man mit seiner eigenen Seele Gott spielt, entfalten sich mit unerbittlicher Unausweichlichkeit hin zu einem Ende, wo weder Selbst unbeschadet überlebt.
Jekylls Vorkehrungen erwiesen sich als vergeblich, als Hydes Kontrolle über seinen Wirt stärker zu werden begann, bis er schließlich ohne den Trank hervortreten konnte. Verzweifelt, seine Erlösung aufrechtzuerhalten, fand Jekyll, dass das Salz für seine Formel gefährlich knapp wurde, doch neue Vorräte erwiesen sich als völlig nutzlos.
Nach dem Mord stürzte sich Jekyll in die Erlösung. Monate der Wohltätigkeit brachten stille Zufriedenheit, sogar Glück. Doch seine gespaltene Natur wollte nicht ruhen. Als die scharfe Klinge der Reue stumpf wurde, regte sich etwas Roheres – nicht der Wunsch, Hyde wiederzuerwecken, sondern die vertraute Versuchung, mit dem Gewissen zu kompromittieren. Diese kleine Konzession erwies sich als tödlich.
An einem hellen Januarmorgen im Regent’s Park saß Jekyll und wärmte sich in der Sonne, beglückwünschte sich zu seiner tätigen Nächstenliebe gegenüber der trägen Gleichgültigkeit anderer. Stolz schwoll in ihm auf. In diesem Augenblick ergriffen Übelkeit und heftiges Zittern seinen Körper. Als die Schwäche vorüberging, hatte sich sein Geist verändert – nun kühn, der Konsequenzen verachtend, von Verpflichtungen befreit. Er starrte auf seinen Schoß: verschrumpelte Glieder, eine dunkle und sehnige Hand. Er war Hyde geworden, ohne den Trank, ein gejagter Mörder, im Tageslicht entblößt.
Hydes Verstand schärfte sich für die Notlage. Nach Hause war unmöglich—die Diener würden ihn der Justiz übergeben. Doch behielt er ein Fragment von Jekyll: die Handschrift. Er fand eine Droschke, kämpfte den mörderischen Zorn angesichts der Belustigung des Kutschers nieder und erreichte eine Herberge. Dort verfasste er verzweifelte Briefe an Lanyon und Poole, die er per Einschreiben abschickte. Den ganzen Tag wartete er, verzehrt von Furcht. In der Nacht fuhr er durch die Straßen in einer geschlossenen Kutsche, dann wanderte er allein durch dunkle Wege—eine Gestalt, die mit sich selbst murmelte und eine Frau zu Boden schlug, die sich ihm näherte.
Die Verwandlung in Lanyons Haus brachte ihn zu sich selbst. Die entsetzte Verurteilung seines alten Freundes erreichte ihn wie im Traum; die Heimreise verging im gleichen Nebel. Er fiel in tiefen Schlaf, obwohl schreckliche Träume ihn peinigten, und erwachte geschwächt, aber verzweifelt erleichtert—sicher, in der Nähe seiner Medikamente, die Furcht vor dem Galgen ersetzt durch Grauen davor, wieder Hyde zu werden.
Die Aufschub währte Stunden. Als er nach dem Frühstück seinen Hof überquerte, kehrten die warnenden Empfindungen zurück. Er erreichte kaum das Kabinett, bevor Hyde ihn ergriff. Eine doppelte Dosis stellte Jekyll wieder her; sechs Stunden später kam die Verwandlung erneut. Nun begann die wahre Folter. Verwandlungen schlugen zu jedem Moment zu, besonders im Schlaf—er erwachte immer als Hyde. Jekyll verdammte sich zur Schlaflosigkeit, sein Körper und Geist schwanden dahin, besessen von der Furcht vor seinem anderen Selbst.
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