England unter den angevinischen Königen, Bände I und II cover
Anjou, Haus Lesenotizen

England unter den angevinischen Königen, Bände I und II

Notizen, Erklärungen und Beobachtungen für ein tieferes Lesen.

Norgate, Kate · 2022 · 12 min

Lese­notizen: England unter den Angevinischen Königen von Kate Norgate

I. Die Grundlagen der angevinischen Macht (843–1060)

Das Haus Anjou trat aus dem politischen Chaos hervor, das auf den Vertrag von Verdun von 843 folgte, der das Karolingische Reich zerteilte. Anjou selbst war ein keilförmiges Herrschaftsgebiet, das im Süden von der Loire und im Norden von den Flüssen Loir, Sarthe und Mayenne begrenzt wurde. Es verdankte seinen Namen den gallischen Andes bzw. Andegavi und war um den schwarzen Schieferfelsen von Juliomagus zentriert, der römischen Siedlung, die zu Angers wurde.

Frühe Ursprünge und die Tradition des Grenzlandes

Die früheste Geschichte der Anjou ist nur unzureichend dokumentiert. Eine legendäre Ahnenreihe führt das Geschlecht auf Tortulf den Förster zurück, einen Jäger von der bretonischen Grenze, der in den Dienst Karls des Kahlen trat und mit Land am “Nid-de-Merle” (Amselnest) belehnt wurde. Sein Sohn Ingelger heiratete Adelidis, die Nichte des Erzbischofs von Tours, und erwarb dadurch Besitzungen bei Amboise. Die Zuverlässigkeit dieser Überlieferung ist, wie Norgate zeigt, stark umstritten. Der Name Fulk taucht erstmals in einer Urkunde vom April 886 auf, was darauf hindeutet, dass Geoffrey Graubart nicht vor dem Jahr 870 geboren worden sein kann. Fulk der Rote festigte die Anjou-Mark durch den Vertrag von Saint-Clair-sur-Epte im Jahr 911, der Hrolf dem Wandrер die förmliche Belehnung mit der Normandie übertrug, sowie durch seine Heirat mit Roscilla von Loches, durch die er die strategisch bedeutsame Siedlung Loches in der südlichen Touraine gewann.

Das “Goldene Zeitalter” Fulks des Guten (941–960)

Fulk der Gute erbte Anjou als Kind, nachdem sein Herrschaftsgebiet durch den Verrat des Verbündeten seines Großvaters, Lambert, verkleinert worden war. Seine etwa zwanzigjährige Herrschaft war von ungebrochenem Frieden und beinahe völligem Schweigen in den Chroniken geprägt. Er besaß ein Kanonikat an der Kirche Saint-Martin in Châteauneuf bei Tours und soll eine geistliche Laufbahn nur widerwillig ausgeschlagen haben. Einer berühmten Legende zufolge trug Fulk Christus in der Gestalt eines Aussätzigen und empfing dabei die Prophezeiung, dass seine Nachkommen bis in die neunte Generation hinein ihre Macht bis an die Enden der Erde ausdehnen würden.

Geoffrey Graubart und die Wende zur Expansion (ca. 960–987)

Geoffrey Graubart wandelte die Politik der Anjou von der bloßen Sicherung zur aktiven Expansion. Er griff in die Bretagne ein, nahm den kriegerischen Bischof Guerech von Nantes gefangen und erzwang dessen Huldigung, und stieß südwärts ins Poitou vor, besiegte Wilhelm Fierabras bei Les Roches und eroberte Loudun. Hugo Capet, der 987 den Königsthron bestieg, übertrug Geoffrey die Oberlehnsherrschaft über Maine, doch blieb diese Übertragung weitgehend nominell, da die Grafen des Cenomannischen Landes keinen Oberherrn anerkannten. Geoffrey starb im Juli 987 vor Marson, nur wenige Wochen nach Hugos Krönung.

Fulk Nerra: Der Schwarze Graf (987–1040)

Fulk der Schwarze, 53 Jahre lang Graf, war die gewaltigste Gestalt seines Zeitalters. Den Beinamen „Nerra“ oder „Schwarz“ trug er aus heute nicht mehr durchschaubaren Gründen; später nannte man ihn „Palmerius“ und „Hierosolymitanus“ wegen seiner Pilgerfahrten. Sein Sieg in der Schlacht von Conquereux im Jahre 987 gegen Conan von Rennes zerstörte die Macht des bretonischen Hauses; er annektierte Nantes und vereinte damit das seit Lamberts Verrat von 843 verlorene Gebiet wieder mit Anjou. Über die Touraine hinweg errichtete er eine Kette von Befestigungen — Montreuil, Passavant, Maulévrier, Loudun, Mirebeau, Sainte-Maure, Loches, Montrichard und Montrésor —, die die Besitzungen von Blois durchschnitt. Er ehelichte seine Mündel Elisabeth von Vendôme und ließ sie im Jahr 1000 wegen angeblicher Untreue auf dem Scheiterhaufen verbrennen; kurz darauf verwüstete ein gewaltiger Brand Angers, den die Zeitgenossen als göttliches Strafgericht deuteten.

Fulk unternahm drei belegte Pilgerreisen nach Jerusalem (1003, um 1014–1015, 1034–1035) sowie eine letzte Fahrt im Jahr 1040, auf der er am 21. Juni in Metz starb. Er stiftete die Abtei Beaulieu an der Indre und St-Nicolas d’Angers. Die Schlacht von Pontlevoy am 6. Juli 1016 brachte seinen entscheidenden Triumph über Odo II. von Blois, allerdings nur mit Hilfe der Reiterei Herberts von Maine. Bei seinem Tod war Anjou zur zweitmächtigsten Kraft nach der Normandie herangewachsen; sein Sohn Geoffrey Martel zermalmte das Aquitanien, gewann Tours und Le Mans und erwarb den Beinamen „Martel“ („der Hammer“).


II. Die normannische Ära unter Heinrich I. (1100–1135)

Die Prophezeiung des Bekenners und das „neue England“

Norgate eröffnet ihre Haupterzählung mit der Prophezeiung des sterbenden Eadward des Bekenners, der vorausgesagt hatte, England werde das Ende seiner Leiden erblicken, wenn der „grüne Baum“ der west­sächsischen Königsfamilie, gefällt durch die normannische Eroberung, wieder aufgepfropft werde. Die Ehe Heinrichs I. mit Eadgyth, einer Prinzessin der alten englischen Königsfamilie, erfüllte diese Vision auf symbolische Weise. Heinrichs Krönungscharta von 1100, erlassen wenige Wochen nach dem Tod Wilhelms Rufus im New Forest, versprach, die ungerechte Herrschaft seines Bruders abzuschaffen, die Freiheit der Kirche wiederherzustellen, den Verkauf kirchlicher Ämter zu beenden und die Gesetze Eadwards des Bekenners, ergänzt durch Wilhelm den Eroberer, wieder in Kraft zu setzen.

Der Vertrag von Alton und die Regelung von 1106

Die Invasion Roberts der Normandie im Jahr 1101 endete friedlich mit dem Vertrag von Alton, vermittelt durch Erzbischof Anselm. Robert verzichtete auf seinen englischen Anspruch im Austausch gegen eine jährliche Pension, während Heinrich alle seine normannischen Besitzungen mit Ausnahme von Domfront abtrat. Auf die systematische Unterdrückung der Barone durch Heinrich – die Bestrafung Ivos von Grantmesnil und die Belagerung Roberts von Bellême in Bridgenorth im Jahr 1102 – folgte seine Überfahrt nach Normandie. Der Investiturstreit mit Anselm, der bereits seit 25 Jahren auf dem Kontinent im Gange war, wurde 1107 durch einen Kompromiss beigelegt: Heinrich verzichtete auf die zeremonielle Investitur, behielt aber den wirksamen Einfluss auf die Wahlen, während die Bischöfe für ihre weltlichen Besitztümer den Lehnseid leisteten. Die Schlacht von Tinchebray am Vorabend des Michaelistages 1106, in der Robert der Normandie gefangen genommen wurde, machte die Normandie zu einem Nebenland Englands und kehrte das Verhältnis von 1066 um.

Verwaltungstechnische Neuerungen

Heinrich I. und sein Justitiar Roger von Salisbury bauten einen einheitlichen Verwaltungsapparat auf, der jeden Zweig der öffentlichen Angelegenheiten und jede Schicht der Gesellschaft in Beziehung zur Krone brachte. Die Curia Regis übernahm die richterlichen Funktionen des Witenagemot, während das Exchequer, das zweimal jährlich um den schachbrettartigen Tisch zusammentrat, die Abrechnungen mit den Sheriffs prüfte und das gesamte Finanzsystem überwachte. Das erhaltene Pipe Roll von 1130, jährlich vom Schatzmeister zusammengestellt, enthält über tausend Einträge, die Aufschluss über die sozialen und materiellen Verhältnisse geben. Roger von Salisbury war aus bescheidensten Anfängen – Heinrich begegnete ihm als armem Priester, der eilig die Messe las – zum Vorbild eines geschulten Verwaltungsbeamten aufgestiegen, umgeben von „neuen Männern“, die eine eigene Kaste bildeten, getrennt vom feudalen Adel.

Städtisches Leben und wirtschaftlicher Aufschwung

Das Tal von Gloucester wurde als „ein irdisches Paradies“ beschrieben, dessen Reben Wein hervorbrachten, der dem gallischen nahezu gleichkam. Die Pipe Roll von 1130 verzeichnet Zahlungen für den Zugang zu Ämtern, Heiraten von Erbinnen und jüdische Wucherer, die königliche Hilfe suchten, um ihre Schulden von Christen einzutreiben. Bischof Roger von Salisbury errichtete eine Burg in Old Sarum, und Heinrich von Blois bereicherte das Bistum Winchester. London wuchs mit Märkten an der Cheapside und am Steelyard, während Oxford unter den D’Oillys sich zu einem regionalen Zentrum mit sechzehn Kirchen und Kapellen entwickelte, darunter das Priorat der Augustiner-Chorherren von S. Frideswide.


III. Die Anarchie unter Stephan (1135–1154)

Der Zusammenbruch der Ordnung

Der Tod Heinrichs I. in der Nacht zum 1. Dezember 1135 beendete die direkte männliche Linie des Eroberers. Die Gesta Stephani berichteten, dass binnen drei Wochen Männer die Wälder plünderten und ihre Waffen sodann gegeneinander richteten. Stephan von Boulogne, der Neffe des Verstorbenen, ergriff die Schatzkammer in Winchester, wurde in Westminster gekrönt und überquerte den Kanal von Wissant aus in einem Sturm, den die Menschen als Omen deuteten. Robert von Gloucester, der natürliche Sohn des verstorbenen Königs, wurde nach seinem Übertritt auf ihre Seite zum wichtigsten militärischen Vorkämpfer der Kaiserin Matilda.

Die sieben Jahre nach Matildas Landung in Arundel im September 1139 brachten die völlige Auflösung des Verwaltungssystems Heinrichs I. mit sich. Feudalbarone errichteten private Burgen – nach einer Zählung sollen 1.115 nicht genehmigte „uneheliche“ Burgen entstanden sein. Die englische Kirche, angeführt vom päpstlichen Legaten und Bischof von Winchester Heinrich von Blois, wurde zur einzigen noch funktionierenden Institution. Die Zisterzienser entsandten, vom heiligen Bernhard von Clairvaux angewiesen, Heinrich Murdac, um Stephans Kandidaten für das Erzbistum York zu bekämpfen.

Die Schlacht von Lincoln (2. Februar 1141)

Am Septuagesimasonntag, dem 2. Februar 1141, trafen die feindlichen Heere auf den sumpfigen Wiesen vor Lincoln aufeinander. Robert von Gloucester stellte die Enterbten in die Vorhut, die Männer Chesters in eine zweite Infanterielinie und walisische Hilfstruppen an die Flanken. Stephan setzte Alan von Richmond und Wilhelm von Ypres mit der Reiterei sowie eine dritte Infanterielinie um den königlichen Bannerstab ein. Die Enterbten sprengten Stephans Reiterei fast augenblicklich auseinander, und ein Stein traf Stephan am Kopf, sodass er bewusstlos zu Boden sank. Er wurde von Wilhelm von Kahaines ergriffen und an Robert von Gloucester übergeben, der ihn Matilda in Gloucester zuführte. Matilda wurde bald darauf auf dem Rat zu Winchester im April als Herrin von England und der Normandie anerkannt, doch ihre überhebliche Regierungsführung – die Einziehung von Ländereien, die Beschlagnahmung von Kirchengut, die Erpressung von Geldern bei den Londoner Bürgern – führte rasch zu einer Wende.

Die Niederlage von Winchester und der Fall Oxfords

Der Bau der Wolvesey Castle durch Bischof Heinrich im Jahr 1138 veränderte die politischen Verhältnisse in Winchester grundlegend. Nach einem sechsmonatigen Stillstand wurde Robert von Gloucester am 14. September 1141 in Stockbridge durch die Flamen Wilhelms von Ypern gefangen genommen. Der anschließende Gefangenenaustausch befreite Stephan und löste Roberts Lösegeld aus. Bis Weihnachten 1142 hatte Stephan Matilda in der Oxford Castle eingeschlossen, nachdem er sie drei Monate lang belagert hatte. In einer Winternacht, bei tiefer Schneedecke und fest gefrorenem Fluss, seilten sich Matilda und vier Begleiter in weißen Gewändern die Burgmauer hinab, glückten unbemerkt durch Stephans Lager und flohen nach Abingdon und anschließend nach Wallingford. Die angevinische Sache brach rasch zusammen. Robert von Gloucester starb im November 1147, und Matilda zog sich Anfang 1148 in die Normandie zurück.


IV. Der Thronantritt Heinrichs II. (1149–1157)

Heinrich Fitz-Empress und die englische Regelung

Heinrich Fitz-Empress wurde am 5. März 1133 in Le Mans geboren, als symbolische Vereinigung angevinischer und normannischer Ambitionen. Seine gemischte Herkunft – normannisch, flämisch, schottisch und westsächsisch durch seine Mutter; angevinisch und cenomannisch durch seinen Vater – machte ihn zu einem Mann ohne eine einzige nationale Identität. Im Jahr 1149 in Carlisle von König David von Schottland zum Ritter geschlagen, überquerte er im Januar 1150 den Kanal nach England und gewann in Wallingford die Gefolgschaft der Barone. Der Vertrag von Wallingford im November 1153 bestimmte ihn zum Erben Stephans, und die Krönung im Dezember 1154 in Westminster, nach Stephans Tod, markierte, was die Zeitgenossen einen neuen Morgen nach neunzehn Wintern der Anarchie nannten.

Die Wiederherstellung der Verwaltung

Heinrich erbte ein Königreich in administrativem Verfall; das Pipe Roll von 1156 wies Einnahmen aus, die kaum ein Drittel des Niveaus von 1130 erreichten. Seine erste große Neuerung war das Schildgeld von 1156, das zunächst nur auf kirchlichen Besitzungen erhoben wurde, um die verfassungsrechtliche Krise einer Besteuerung kirchlicher Ländereien zu vermeiden. Die Assize von Clarendon im Februar 1166 systematisierte das Strafverfahren durch vereidigte Schwurgerichte zur Anklageerhebung, wobei herumreisende Richter das ältere System gelegentlicher Rundreisen ablösten. Die Untersuchung der Sheriffs im Jahr 1170 entfernte die meisten lokalen Großen und ersetzte sie durch Beamte der Schatzkammer. Die Assize of Arms von 1181 belebte den alten Fyrd wieder, indem sie jeden freien Laien verpflichtete, auf Befehl des Königs Waffen zu tragen.


V. Der Becket-Streit (1162–1170)

Die Verwandlung des Kanzlers

Nach seiner Rückkehr nach England zwang Heinrich seinen Kanzler Thomas Becket, die Wahl zum Erzbischof von Canterbury anzunehmen. Becket legte das große Siegel nieder und wandelte sein Leben mit erschreckender Intensität – er speiste täglich 100 „arme Domherren“, wusch dreizehn Bettlern die Füße, geißelte sich und studierte unter Herbert von Bosham die Heilige Schrift. Der Konflikt entbrannte über die „sheriff’s aid“ auf dem Hoftag von Woodstock im Juli 1163, wo Becket sich Heinrichs Wiederbelebung des Danegeld widersetzte. Auf dem Hoftag von Clarendon im Januar 1164 wurde Becket durch angebliche päpstliche Gesandte dazu gebracht, die sechzehn Konstitutionen von Clarendon anzuerkennen, welche die königliche Gerichtsbarkeit über straffällige Kleriker und die Appellationen nach Rom festschrieben.

Flucht und Exil

Auf dem Hoftag von Northampton im Oktober 1164 wurde Becket wegen Missachtung verurteilt, da er 30.000 Mark aus seiner Zeit als Kanzler nicht hatte abrechnen können. Am 2. November 1164 floh er nach Frankreich und landete am folgenden Tag in Sandwich. Der Papst verurteilte die Konstitutionen von Clarendon, und Heinrich antwortete am Weihnachtstag 1166 mit der Beschlagnahmung sämtlicher Besitztümer Canterburys. Beckets Exkommunikationen von Vézelay im Jahr 1166, darunter die gegen Wilhelm von Tracy und Richard Fitz-Urse, verschärften die Krise. Das Treffen von Montmirail im Jahr 1169 endete unglücklich, als Beckets Zusatz „mit Wahrung der Ehre Gottes und meines Standes“ den Zorn des Königs erneut entfachte.

Der Mord und seine Folgen

Die Krise erreichte ihren Höhepunkt nach Heinrichs Krönung des jungen Prinzen Heinrich im Jahr 1170 in Westminster durch den Erzbischof von York – ein Akt, der das ausschließliche Recht Canterburys verletzte. In Bures wurden Heinrichs zornige Worte – „Was für ein Haufen Narren und Feiglinge habe ich in meinem Haus genährt, dass sich keiner findet, der mich an diesem Emporkömmling von Kleriker rächt!“ – von vier Rittern als Freibrief verstanden: Hugh de Morville, Wilhelm von Tracy, Reginald Fitz-Urse und Richard le Breton. Am 29. Dezember 1170 ermordeten sie Becket am Altar der Kathedrale von Canterbury. Heinrichs anschließende öffentliche Buße an Beckets Grab im Juli 1174, bei der er barfuß ging und sich von Mönchen geißeln ließ, markierte das symbolische Ende des Streits.

VI. Der große Aufstand (1173–1174)

Der Mord an Beckett brachte keinen Frieden. Bis zum Frühjahr 1173 waren Heinrichs Söhne – Heinrich der Jungkönig, Richard und Gottfried – zusammen mit Königin Eleonore an den Hof Ludwigs VII. geflohen. Der feudale Hochadel der Normandie, der Anjou und Englands erhob sich zur Revolte. Der Aufstand war im Wesentlichen feudal, konzentriert unter den territorialen Magnaten, während das königliche Krongut weitgehend loyal blieb.

Die Verleihung Northumberlands durch den Jungkönig Heinrich an den König der Schotten, die Trotzhaltung des Grafen von Chester und der drohende Einfall des flandrischen Grafen Philipp schufen eine koordinierte Bedrohung. Robert von Leicester landete im September 1173 in England, wurde jedoch in der Schlacht von Fornham am 17. Oktober 1173 von den royalistischen Streitkräften unter Richard de Lucy und Humfrey de Bohun besiegt und gefangen genommen. Heinrich überquerte im Juli 1173 von der Normandie aus den Kanal, sammelte Schätze in Northampton und kehrte so rasch zurück, dass seine Abwesenheit unbemerkt blieb. Die Gefangennahme Wilhelms des Löwen bei Alnwick am 17. Juli 1174 – durch eine Streitmacht von nur 400 englischen Rittern unter Bernard de Balliol – brach dem Aufstand das Rückgrat. Der Vertrag von Falaise im Oktober 1174 verlangte von Wilhelm dem Löwen, die Lehnshuldigung für Schottland selbst zu leisten und Edinburgh, Roxburgh, Berwick, Jedburgh und Stirling auszuliefern.


VII. Heinrichs II. Höhepunkt und die Krise des jungen Königs (1175–1183)

Justizreform und reisende Richter

In den sieben Jahren nach der Rebellion leitete Heinrich umfassende Reformen ein. Die Assize von Northampton 1176 erweiterte die Bestimmungen von Clarendon, führte die Assise of mort d’ancestor ein und stärkte die reisenden Gerichtskreise. Die Curia-Regis-Reform von 1178 schuf einen Ausschuss von fünf Beamten zur Anhörung sämtlicher Klagen, aus dem der Court of King’s Bench hervorging. Ralf de Glanville, Sheriff von Lancashire, wurde 1179 zum obersten Justiziar ernannt und bekleidete dieses Amt bis zu Heinrichs Tod, wobei er die gesamte Rechts- und Justizverwaltung lenkte.

Der Streit um Aquitanien und der Tod des jungen Königs

Der junge König Heinrich, 1170 gekrönt, verlangte einen tatsächlichen Anteil am väterlichen Erbe. 1173 floh er an den französischen Hof, doch der Zusammenbruch der Rebellion erzwang seine Unterwerfung. 1182 forderte er, unterstützt von Eleonore und dem Troubadour Bertrand de Born, erneut die Herrschaft, gestützt von aquitanischen Baronen unter der Führung des Grafen von Angoulême. Richard hielt das Herzogtum mit der Unterstützung seines Vaters, doch Bertrands Sirventes trieben den jungen König zum Sakrileg – er plünderte das Schreinheiligtum des Heiligen Martial in Limoges, brandschatzte Grandmont und raubte das Schwert Durandal aus Rocamadour. Am 11. Juni 1183 starb der junge König in Martel; er wurde zunächst in Le Mans beigesetzt (entgegen Heinrichs Wunsch nach Rouen) und später nach Rouen umgebettet.

VIII. Heinrichs II. letzte Jahre (1184–1189)

Der Verlust Aquitaniens und der Triumph Philipps August

Heinrichs Versuch, seine Besitzungen neu zu verteilen — indem er Aquitanien Johann und das angiovinische Stammland Richard zugedachte — scheiterte, als Richard sich weigerte. Die Niederlage der Kreuzfahrer bei Tiberias im Jahr 1187 und der Fall Jerusalems im Oktober 1187 führten dazu, dass sowohl Heinrich als auch Philipp das Kreuz nahmen, doch ihr Rivalsitát flammte rasch wieder auf. Bis 1188 war Richard insgeheim mit Philipp verbündet und leistete ihm im November 1188 in Bonmoulins die Lehnshuldigung. Heinrichs Versuch, Les Andelys zu entsetzen, scheiterte im Juli 1189, als die französische Pontonbrücke einstürzte und seine eigenen walisischen Hilfstruppen vertrieben wurden. Er floh nach Mortain und weiter nach Anjou, gab Château-Gaillard auf und ergab sich am 4. Juli 1189 bei Colombières an Philipp.

Tod und Begräbnis

Als Heinrich aus der Liste der Verräter erfuhr, dass Johanns Name an erster Stelle stand, wandte er sein Gesicht der Wand zu. Er starb am 6. Juli 1189 und wurde in Fontevraud bestattet. Richard, der allein eintraf und keine Regung zeigte, stand lange an der Totenbahre, wo einigen Berichten zufolge Blut aus den Nasenlöchern seines Vaters rann — ein Zeichen des Vatermords.


IX. Die Herrschaft Richards I. (1189–1199)

Die Regelung der Nachfolge

Richards Thronfolge wurde nach Johns Verrat nicht angefochten. Am 20. Juli 1189 wurde er in Rouen von Erzbischof Walter mit der Normandie belehnt, und am 3. September 1189 erfolgte in Westminster die prächtigste Krönung, die England je gesehen hatte. Auf dem Hoftag von Pipewell am 15. September besetzte er die vakanten Bistümer – William Fitz-Nigel für London, William Longchamp für Ely und das Amt des Kanzlers, Hubert Walter für Salisbury sowie Geoffrey (seinen unehelichen Halbbruder) für York. Um den Dritten Kreuzzug zu finanzieren, verkaufte er Ämter, darunter die Shire-Verwaltung Hamptons an den designierten Bischof von Winchester.

Die Große Versammlung der Königsmörder und die Krise in England

Während Richard im Ausland war, amtierte William Longchamp als oberster Justiziar und Kanzler, sah sich jedoch dem Widerstand Hugos von Durham, Prinz Johns und der Barone ausgesetzt. Die Rückkehr Erzbischof Geoffreys von York im Herbst 1191 führte zu dessen Verhaftung in Dover und entfachte eine Krise. Die von John angeführten Barone und Bischöfe traten in St. Paul zusammen, setzten Longchamp ab und gründeten eine Kommune in London. Longchamp floh und wurde durch Erzbischof Walter von Rouen ersetzt. Richards Gefangennahme durch Leopold von Österreich im Dezember 1192 und seine Kerkerhaft durch Kaiser Heinrich VI. führten zu Johns versuchtem Staatsstreich, der von den Justiziären niedergeschlagen wurde.

Das Lösegeld und die letzten Jahre

Richards Lösegeld wurde auf 150.000 Mark, die Freilassung Isaaks von Zypern und die Verlobung Eleonores der Bretagne mit Leopolds Sohn festgesetzt. Der englische Anteil wurde durch beispiellose Besteuerung aufgebracht: eine feudale Abgabe von 20 Schilling je Ritterlehen, ein Viertel aller weltlichen und geistlichen Einkünfte sowie die gesamte Wollernte der Zisterzienser. Am 4. Februar 1194 freigelassen, kehrte Richard am 13. März über Sandwich zurück, wurde in Winchester erneut gekrönt und reiste am 12. Mai 1194 in die Normandie ab, von wo er nie zurückkehren sollte. Der Krieg gegen Frankreich beherrschte seine verbleibenden Jahre, geprägt vom Bau von Château-Gaillard auf dem Felsen von Andely und dem Vertrag von Le Goulet mit Philipp.

Tod in Châlus

Während er im März 1199 in Châlus im Limousin einen vermeintlichen Schatz belagerte, wurde Richard von einem Armbrustbolzen in die linke Schulter getroffen. Die Pfeilspitze brach in seinem Fleisch ab, und verpfuschte Extraktionsversuche führten zum Wundbrand. Er starb am 6. April 1199, nachdem er dem Schützen, der ihn getötet hatte, vergeben hatte, und wurde in Fontevraud bestattet – wodurch sich die Prophezeiung erfüllte, er werde „eingehüllt unter den eingehüllten Frauen ruhen“. Sein Herz wurde in Rouen beigesetzt.


X. Der Untergang der Angevins unter König Johann (1199–1206)

Die kontinentale Katastrophe

Der Vertrag von Le Goulet sicherte im Mai 1200 zwar Johanns französische Erbschaft, doch seine Entführung Isabellas von Angoulême — der verlobten Braut Hugos de Lusignan — provozierte einen poitevinischen Appell an Philipp August. Der französische Hof verurteilte Johann in absentia wegen seiner Übeltaten, und im Jahr 1202 fiel Philipp in die Normandie ein. Johann beging eine der größten militärischen Fehlleistungen des Mittelalters: Er versäumte es, Château-Gaillard zu entsetzen, und irrte ziellos umher, während Philipp die Normandie methodisch eroberte. Die Gefangennahme Arthurs von der Bretagne bei Mirebeau am 1. August 1202 und sein späterer geheimnisvoller Tod in der Haft — höchstwahrscheinlich auf Johanns Befehl ermordet — wandten die bretonischen Herren und die angevinischen Barone gegen ihn.

Der Verlust der Normandie und der Loire

Château-Gaillard fiel am 6. März 1204 nach einem erbitterten Sturmangriff, bei dem der Knappe Bogis ein unbewachtes Fenster entdeckte. Innerhalb weniger Monate ergaben sich Falaise, Caen, Rouen und der Rest der Normandie Philipp. Bis zum Hochsommer 1205 hatte Philipp Anjou, Touraine und Poitou überrannt, sodass nur noch Niort und La Rochelle für Johann hielten. Der Tod Eleonores von Aquitanien am 1. April 1204 beseitigte das letzte rechtliche Hindernis für den Verlust. Johanns zwei Versuche, seine Festlandsbesitzungen zurückzugewinnen — eine schwer besteuerten, aber widerrufenen Expedition im Jahr 1204 und einen persönlich geführten Feldzug 1205, der in seinem heimlichen Rückzug endete — erwiesen sich als vergeblich.

Die Verfassungskrise

In England löste der Tod Huberts Walter im Juli 1205 eine Krise um die Nachfolge in Canterbury aus. Johanns Bemerkung — „Jetzt erst bin ich wahrhaft König von England!“ — kündete von der kommenden Abrechnung. Als Johann im Jahr 1206 endgültig nach England zurückkehrte, war die neue Nation, die er geerbt hatte, still erstarkt, und der Tag der Abrechnung stand bevor. Das „stille Wachstum und die Erhebung des englischen Volkes“ war die eigentliche Leistung der angevinischen Herrschaft, und der neue Patriotismus, angeregt von Dichtern wie Layamon von Ernley, dessen 30.000 Zeilen umfassendes Brut in englischer Sprache — verfasst zwischen Johanns Krönung und seiner Rückkehr 1206 — bald in der Großen Charta Anerkennung fordern sollte.