Middlemarch cover
Bildungsromans

Middlemarch

Eliot, George · 1994 · 27 min

ZWEITES BUCH.

ALT UND JUNG.

KAPITEL XIII.

Das Kapitel beginnt mit einem epigrammatischen Austausch zwischen zwei Herren darüber, wie unmöglich es ist, Menschen ebenso wenig in Kategorien einzuteilen wie Bücher, und wendet sich dann Herrn Vincys Besuch bei Herrn Bulstrodes Bank um halb zwei zu. Bulstrode hat sich mit Lydgate unter vier Augen unterhalten, dessen Meinung er unbedingt zu dem neuen Fieberkrankenhaus, dem alten Armenkrankenhaus und der Reform der Provinzmedizin einholen möchte. Lydgate ist redegewandt und sonor, mit einer furchtlosen Erfolgserwartung; er träumt davon, Middlemarch zum Kern einer medizinischen Schule zu machen, und seine Verachtung für den lokalen Standard der ärztlichen Praxis ist offensichtlich. Bulstrode, der blasse blonde Bankier mit seiner devoten, sich verneigenden Haltung und seiner prüfenden Aufmerksamkeit, ist der Mann, den das laute Middlemarch als Pharisäer oder Evangelikalen verdächtigt, und dessen Vater und Großvater vor fünfundzwanzig Jahren niemand kannte. Er ist entschlossen, dass das große Ziel der Krankenhausverbesserung nicht durch die beiden Ärzte behindert werden darf, und er möchte Lydgates sympathische Zustimmung sichern.

Das Gespräch wendet sich der Kaplanstelle im alten Krankenhaus zu. Bulstrode möchte, dass Herrn Farebrother als Kaplan durch seinen eigenen Mann, Herrn Tyke, ersetzt wird. Lydgate sagt, er hoffe, mit klerikalen Streitigkeiten nichts zu tun zu haben, und die beiden Männer trennen sich mit einem Unterton von Uneinigkeit. Herr Vincy wird angemeldet, und der Bankier und sein Schwager bleiben allein. Vincy, der gekommen ist, um eine schriftliche Dementierung der Gerüchte zu erbitten, dass Fred Geld gegen die zu erwartende Erbschaft von Featherstone geliehen hat, beginnt in guter Laune, doch Bulstrode kann es nicht unterlassen, ihn zunächst wegen seiner Weltlichkeit zu tadeln, dass er Fred für den geistlichen Beruf ausgebildet hat und nun die Folgen erntet. Vincy, gereizt, schlägt er trotz seiner Vorsätze zurück. Er drängt auf den Brief, und Bulstrode antwortet, dass er keineswegs sicher sei, dass Fred nicht versucht habe, Geld aufgrund einer solch vagen Vermutung aufzunehmen, und dass er keinen Grund sehe, den Weg für eine törichte Erbschaft zu ebnen. Vincy bricht heraus, dass es eine armselige Art von Religion sei, Fred einen Knüppel zwischen die Beine zu werfen, und dass Bulstrode, wenn er jeden außer Heiligen und Evangelisten am Geldverdienen hindern wolle, einige einträgliche Partnerschaften aufgeben müsse. Die beiden Männer geraten in einen immer bitterer werdenden Streit über Weltlichkeit, religiöse Pflicht, Familiengefühl und die wahren Grundlagen moralischen und kommerziellen Handelns. Vincy sagt, dass solche Machenschaften, selbst wenn sie mit Religion bemäntelt sind, einen üblen Anschein wie ein Hund in der Krippe haben, der den Namen eines Mannes stinken lässt. Bulstrode beendet das Gespräch damit, dass er ein wenig nachdenken, Harriet das Thema erwähnen und den Brief wahrscheinlich noch am nächsten Tag schicken werde.

KAPITEL XIV.

Der Brief kommt am frühen Morgen des nächsten Tages. Fred bringt ihn zu Mr. Featherstone hinauf, der wegen der kalten Witterung im Bett bleibt, und der alte Herr liest ihn durch seine Brille mit zusammengepressten Lippen. „Unter diesen Umständen werde ich nicht darauf verzichten, meine Überzeugung kundzutun – tschah! Was für schöne Worte der Bursche da macht! Er ist so fein wie ein Auktionator“, murmelt er, wobei er feststellt, dass Bulstrode nicht sagt, dass Fred ein junger Mann von Verstand und Charakter ist. Er gibt den Brief mit einer verächtlichen Geste zurück, und Fred, der seine Erregung nur mit Mühe zurückhält, fragt, ob er gehen dürfe. Featherstone läutet die Klingel und verlangt nach Mary, die mit geröteten Augen hereinkommt, vor Erwartung zitternd, dass man ihr etwas an den Kopf werfen wird, obwohl das nie geschieht. Er erteilt ihr mit schroffer Genauigkeit Anweisungen, schickt sie dann weg und nimmt langsam einen Bund Schlüssel aus seiner Westentasche.

Als Mary fort ist, fischt der alte Mann eine Blechdose unter der Bettdecke hervor und überreicht Fred einen kleinen Stoß Geldscheine. Fred sieht deutlich, dass es nur fünf sind, obwohl jeder einzelne fünfzig Pfund wert sein könnte. Er sieht nicht begierig aus, denn er betrachtet sich innerlich als Gentleman. Als er sie zählt, stellt sich heraus, dass es fünf Zwanziger sind, also einhundert Pfund – genug für ein Jagdpferd, sagt Featherstone kichernd, und zwanzig Pfund zusätzlich für jede kleine Verlegenheit. Der Schlag für Fred ist schwer, aber er sagt, das sei sehr großzügig und er sei sehr dankbar, und er schiebt Bulstrodes Brief mit seinem Ofenhaken ins Feuer. Als der Gerichtsvollzieher eintrifft, wird Fred mit der Auflage entlassen, bald wiederzukommen, und geht sofort, um Mary zu suchen.

Mary sitzt am Kamin und hält Näharbeiten in den Händen. Sie begegnet ihm mit ungewöhnlicher Gleichgültigkeit; sie hat oben im Haus geweint und ihre Nerven liegen blank. Sie spricht bitter über die widerwärtige Unterstellung, dass sie sich verliebt, sobald irgendein Mann ihr freundlich ist – eine Annahme, die sie ständig verfolgt. Fred wünscht, er wäre kein so fauler, verschwenderischer Bursche, und bemerkt, sie sollte ein bisschen Mitgefühl haben, da keiner von ihnen beiden für die Rolle geeignet ist, die ihnen vorgesehen wurde. Mary gibt ihm eine scharfe Antwort: Er sollte zuerst Güte zeigen, bevor er erwartet, geliebt zu werden. Er ergreift ihre Hand, als sie aufsteht, um zu gehen, und bittet um etwas Ermutigung. Sie will ihm keine geben; ihr Vater würde es für eine Schande halten, wenn sie einen Mann akzeptierte, der sich verschuldet hat und nicht arbeiten will. Fred, gekränkt, nimmt missmutig seinen Hut und seine Peitsche; aber er hat das Land von Herrn Featherstone in der Hinterhand und ist überzeugt, dass Mary wirklich etwas für ihn empfindet. Zuhause gibt er seiner Mutter vier der Zwanziger und bittet sie, sie sicher vor seinen Fingern aufzubewahren, denn er will eine Schuld von einhundertsechzig begleichen, die in Form eines von Marys Vater unterschriebenen Schuldscheins über ihm schwebt.

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