Middlemarch cover
Britische Literatur

Middlemarch

Middlemarch ist George Eliots weit angelegter viktorianischer Roman aus den Jahren 1871–1872, der in der fiktiven ländlichen Kleinstadt Middlemarch in den Midlands zwischen 1829 und 1832 spielt und die verflochtenen persönlichen, gesellschaftlichen und politischen Leben der unterschiedlichen Bewohner der Stadt verwebt, angeführt von der idealistischen jungen Dorothea Brooke, um die Zwänge von Geschlecht und Klasse, die Spannung zwischen individuellem Ehrgeiz und gesellschaftlicher Konvention sowie das langsame, ungleichmäßige Tempo des moralischen und politischen Fortschritts im vorviktorianischen England zu erkunden.

Eliot, George · 1994 · 27 min

KAPITEL XL.

Das Kapitel beginnt mit einem einleitenden Vers, der fleißige Arbeit feiert, und wechselt dann zu Caleb Garths Frühstückstisch, wo sich Vater, Mutter und fünf der Kinder zur morgendlichen Korrespondenz versammelt haben. Mary Garth erwägt, eine Stelle als Lehrerin an einer Schule in York anzunehmen — fünfunddreißig Pfund im Jahr, plus Extras für das Unterrichten der kleinsten Klavierspieler. Die Kinder necken sie; Alfred nennt sie „ein prima Kerl“, Ben vertont es in einem galoppierenden Lied, und Mary, die zugleich lacht und weint, wird von ihrem Vater überredet, die Stelle aufzugeben und zu Hause zu bleiben.

Caleb hat seine Briefe mit ernster Aufmerksamkeit gelesen. Einer stammt von Sir James Chettam, der ihm die Verwaltung der Güter Freshitt und Tipton anbietet — ein Angebot, das auch die Wiedereinsetzung in seine frühere Agentur in Tipton einschließt, die Sir James mit Freshitt vereint sehen möchte, zu Bedingungen, die Mr. Garth angemessen erscheinen.

„Er schreibt anständig, nicht wahr, Susan?“, sagt Caleb und blickt über seine Brille hinweg auf. Mrs. Garth, die hinter ihn getreten ist und ihm die Hand auf die Schulter legt, ermahnt ihn, eine angemessene Bezahlung zu verlangen. Er verspricht es, überschlägt, dass es zwischen vier- und fünfhundert für beide zusammen sein werden, und seine Augen leuchten vor Freude.

Am Abend kommt Mr. Farebrother den Obstgartenweg herauf, um einen Besuch abzustatten. Er kommt als Bote für Fred Vincy, der ihn ins Vertrauen gezogen hat. Fred will fortgehen, um erneut seinen akademischen Grad zu erwerben, und möchte, dass Caleb erfährt, dass ihm die Schuld, die er nicht begleichen kann, leid tut. Caleb winkt ab: „Wir haben die Not gehabt und sie überstanden. Und jetzt werde ich so reich wie ein Jude.“

Als Mary sich aus dem Zimmer stiehlt, vertraut Caleb dem Vikar ein lange gehütetes Geheimnis an. Der alte Featherstone hatte in der Nacht, als er starb, Mary gebeten, eines seiner Testamente gegen Geld zu verbrennen, und sie hatte abgelehnt. Hätte sie getan, wie er wünschte, so besäße Fred Vincy jetzt zehntausend Pfund. Mary, im Recht, wie sie war, kann nicht umhin, sich beinahe so zu fühlen, als hätte sie jemandes Eigentum umgestoßen und es gegen ihren Willen zerbrochen. Caleb fühlt mit ihr und würde es gerne wiedergutmachen.

„Wenn ich dem armen Burschen irgendetwas wiedergutmachen könnte, statt ihm wegen des Schadens, den er uns zugefügt hat, zu grollen, würde ich es gerne tun. Nun, was meinen Sie dazu, Sir?“

Der Vikar grübelt, dann verspricht er, das Geheimnis zu wahren. Als er sich verabschiedet, findet er Mary im Obstgarten bei Letty, wo sie Äpfel sammeln. Sie sprechen über Fred Vincy, und der Vikar, der sie beobachtet, zuckt zweimal mit den Schultern, während er nach Lowick geht – ein innerer Dialog, in dem er sich selbst eingesteht, dass zwischen Fred und Mary wahrscheinlich mehr ist als nur die Zuneigung alter Spielkameraden, und sich die Frage stellt, ob dieses Stück Frau nicht viel zu wertvoll für diesen groben jungen Herren ist.

Als Caleb und Susan allein sind, schlägt er für Fred einen Weg vor: Er braucht zu gegebener Zeit Hilfe, und Fred könnte zu ihm kommen, die Natur der Dinge erlernen und unter ihm arbeiten. Susan meint, die Vincys würden etwas dagegen haben, aber Caleb bleibt unbeugsam. „Ich nenne es unangebrachten Stolz, wenn du dich von den Vorstellungen von Narren davon abhalten lässt, eine gute Tat zu vollbringen.“

Dann sprechen sie über den seltsamen Zufall, dass sowohl Mr. Bulstrode als auch Joshua Rigg Featherstone sich an ihn gewandt haben, um denselben Grundbesitz bewerten zu lassen. Bulstrode wollte schon lange ein ansehnliches Stück Land unter seine Finger bekommen, und genau das ist das Grundstück, das alle für Fred Vincy erwartet hatten, das der alte Featherstone heimlich an Rigg, seinen unehelichen Sohn, den er im Verborgenen gehalten hatte, hinterlassen hatte. Caleb schüttelt den Kopf: „Wenn die Seele eines Menschen erst einmal richtig verfault ist, trägt sie dir alle möglichen giftigen Pilze.“

KAPITEL XLI.

Die Transaktionen, auf die Caleb Garth Bezug nahm und die zwischen Bulstrode und Joshua Rigg Featherstone in Bezug auf Stone Court stattgefunden hatten, hatten den Austausch von ein oder zwei Briefen veranlasst. Und nun steht Rigg selbst in Stone Court am Fenster, die Hände hinter dem Rücken, blickt auf das Gelände, als wäre er sein Besitzer, während ein Mann von ganz anderem Erscheinungsbild ihm aus der Mitte des Zimmers gegenübersteht.

John Raffles ist ein rotgesichtiger, haariger Mann, der sich auf dem Weg zu sechzig befindet, mit dichtem, grauem Lockenbart, einem etwas untersetzten Körper in abgetragener Kleidung mit abgenutzten Nähten und der Aura eines Angebers, der sogar bei einer Feuerwerksshow auffallen möchte. Seinen Namen schreibt er manchmal nach seiner Unterschrift als W.A.G., mit der Begründung, er sei einst von Leonard Lamb aus Finsbury unterrichtet worden, der die Buchstaben B.A. hinter seinen Namen gesetzt habe, und er, Raffles, habe den Witz erfunden, diesen berühmten Schulleiter Ba-Lamb zu nennen.

„Komm schon, Josh“, sagt er in seinem vollen, dröhnenden Ton, „deine arme Mutter kommt nun in die Jahre, und du könntest jetzt etwas Ordentliches beisteuern, um es ihr bequem zu machen.“

„Nicht solange du lebst. Nichts würde es ihr bequem machen, solange du lebst“, erwidert Rigg mit seiner kühlen, hohen Stimme, ohne sich vom Fenster abzuwenden. „Was ich ihr gebe, nimmst du dir.“

Raffles bittet beredt um ein wenig Kapital, um sich im Tabakhandel niederzulassen, schwört, er habe mit seinen jugendlichen Eskapaden Schluss gemacht und wolle nur noch an seiner Kaminecke sitzen. Rigg hört zu, dann wendet er sich ihm zu.

„Je mehr du von irgendetwas sprichst, desto weniger werde ich es dir glauben. Je mehr du von mir willst, dass ich etwas tue, desto mehr Grund habe ich, es nie zu tun. Glaubst du, ich habe vergessen, dass du mich als Jungen getreten hast und mir und meiner Mutter das ganze beste Essen weggessen hast?“

Er schließt mit der Drohung, dass, falls Raffles sich jemals wieder innerhalb der Tore zeigt, er ihn mit Hunden und der Peitsche des Fuhrmanns vertreiben werde. Raffles verzieht das Gesicht, bricht dann in ein Lachen aus und zieht eine Brandyflasche aus seiner Tasche. Er schlägt einen letzten Handel vor: Brandy und einen Sovereign, um seine Rückreise zu bezahlen, und er werde gehen wie eine Kugel.

„Pass auf, antwortet Rigg, falls er ihn jemals wieder sieht, werde er nicht mit ihm sprechen.“

Raffles greift sich die Flasche und einen gefalteten Zettel, der in den Kaminvorleger gefallen ist, und schiebt das Papier unter das Leder, um das Glas festzuhalten – einen von Nicholas Bulstrode unterschriebenen Brief, den ein Mann, der ihn kaum aus seiner derzeitigen nützlichen Position herausholen würde, achtlos in der Tasche hat.

Rigg, der seinen Schreibtisch wieder verschlossen hat, geht zurück zum Fenster und blickt ebenso regungslos hinaus, wie er es zu Anfang getan hatte. Raffles, der einen kleinen Schluck aus der Flasche nimmt und diesen mit provozierender Langsamkeit trinkt, geht mit seinem letzten Seitenhieb: »Lebewohl, Josh – und wenn für immer!«

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