Moby Dick; Or, The Whale cover
Narrative Pressure

Moby Dick; Or, The Whale

Vor Jahren, als ich mich arm und ziellos an Land befand, beschloss ich, in See zu stechen und die Wasserwelt zu betrachten.

Melville, Herman 2001 204 min

Nennt mich Ismaël. Vor Jahren, als ich mich arm und ziellos an Land befand, beschloss ich, in See zu stechen und die Wasserwelt zu betrachten. Dies ist meine Methode, Melancholie zu heilen und mein Blut zu regulieren. Immer wenn mein Mund grimmig wird oder meine Seele sich anfühlt wie ein feuchter, trüber November, weiß ich, dass es Zeit ist zu gehen. Der Drang wird unwiderstehlich, wenn ich vor Särgen und Lagerhäusern verharre, Beerdigungen folge oder einen manischen Impuls verspüre, Hüte auf der Straße herunterzuschlagen. In See zu stechen ist meine Alternative zum Selbstmord. Während Cato mit einem Schwung sein Schwert fiel, besteige ich leise ein Schiff. Dieser Impuls ist nicht einzigartig; fast alle Menschen spüren einen magnetischen Zug zum Ozean.

Auf Tower-hill zeigt ein verkrüppelter Bettler eine bemalte Tafel, die den Walangriff depicts, der ihn sein Bein kostete – ein greifbares Zeugnis für die Gefahren des Walfangs. Ishmael wendet sich dann den komplizierten Schnitzereien auf Walsähnen und Knochen zu, die von Matrosen angefertigt wurden, und führt diese künstlerische Geduld auf die „wilde“ Natur zurück, die in Männern durch lange Verbannung von der Zivilisation wiederhergestellt wird. Er katalogisiert das Bild des Wals in hölzernen Vordecks, Messing-Türklopfern an Landhaustüren und Blech-Wetterfahnen auf Kirchturmspitzen. In der Natur identifiziert er versteinerte Formen in felsigen Klippen und lebendige Profile in den wellenförmigen Bergkämmen, die nur dem erfahrenen Walfänger sichtbar sind. Das Kapitel gipfelt in einer kosmischen Vision, die Sternbilder wie Argo-Navis und Cetus am Nachthimmel verfolgt. Ishmael bringt einen letzten, aufsteigenden Wunsch zum Ausdruck, auf einem Wal über die sterbliche Sicht hinaus zu reiten, Anker als Zaumzeug und Harpunen als Sporen zu verwenden, um zu sehen, ob die legendären Himmel wirklich jenseits seines Blicks lagern.

Nach Nordosten von den Crozetts steuernd, fährt die Pequod durch ausgedehnte Wiesen aus brit, einer gelben Substanz, die reifem Weizen ähnelt, auf denen Südliche Glattwale weiden. Sicher vor der Pequod, schwimmen diese gewaltigen Leviathane träge durch die Felder, filtern das brit durch ihre Barten wie Mäher, die Gras schneiden. Von der Mastspitze erscheinen ihre gewaltigen schwarzen Formen weniger wie lebende Wesen denn als leblose Felsmassen, ihr Instinkt so fremd im Vergleich zu Landtieren. Ishmael reflektiert über die unsoziale, abstoßende Natur des Ozeans und bemerkt das Fehlen der weisen Güte, die man bei Landtieren findet. Das Meer ist ein ewiger Schrecken, der den Menschen beschimpft und ermordet, die stattlichsten Fregatten zu Staub zermalmt, doch die Vertrautheit hat die Menschheit abgestumpft, sodass sie die volle Furchtbarkeit nicht mehr empfindet. Es ist ein Dämon für seine eigenen Nachkommen, zerschmettert Wale gegen Felsen und betreibt universellen Kannibalismus, verbirgt seine Schrecken unter schönen azurblauen Oberflächen. Das Kapitel schließt mit einer philosophischen Analogie: Wie der furchterregende Ozean das grüne Land umgibt, umschließen die Schrecken des halb bekannten Lebens die friedliche, freudvolle Insel in der menschlichen Seele, und warnen den Reisenden, nicht von dieser Insel abzustoßen, denn er kann niemals zurückkehren.

The original text of this work is in the public domain. This page focuses on a guided summary article, reading notes, selected quotes, and visual learning materials for educational purposes.

Project Gutenberg