Das Rámáyan des Válmíki, in englische Verse übersetzt cover
Mythologie, Legenden & Folklore

Das Rámáyan des Válmíki, in englische Verse übersetzt

Valmikis *Ramayana* ist das grundlegende Sanskrit-Epos um den Prinzen Rama, seine hingebungsvolle Frau Sita und seinen treuen Bruder Lakshmana, die durch Exil, Entführung und einen göttlichen Krieg reisen und den ewigen Kampf zwischen dharma und adharma verkörpern.

Valmiki · 2008 · 15 min

Vaśishṭha drängte Bharat darauf, die Bestattungsriten durchzuführen. Der Leichnam wurde aus dem Öl gehoben, auf eine Bahre gelegt, mit Sandelholz, Zederholz, Aloeholz und Kiefernholz benetzt und hinausgetragen. Priester sangen die Śaman, Frauen schrien wie Brachvögel, und der Zug bewegte sich zum Ufer des Sarjú, wo sie sich reinigten. Am zwölften Tag gab Bharat Gold, Edelsteine, Nahrung, Ziegen, Rinder, Sklaven und prächtige Wohnstätten an die Bráhmans. Am dreizehnten Tag warf er sich weinend nieder, als er sich dem Scheiterhaufen näherte und halb verbrannte Knochen sowie graue Asche erblickte. Auch Śatrughna fiel verzweifelt nieder und erklärte, er wolle sich in das Feuer stürzen. Der alte Priester Vaśishṭha richtete den weinenden Bharat auf und bat ihn, die übrig gebliebenen Knochen zu sammeln. Daraufhin richtete Śatrughna seinen Zorn auf die bucklige Magd Manthará, zerrte sie an den Haaren durch die Halle und streute ihre Ketten und Schmuckstücke umher, bis Bharat, aus Furcht vor Rámas Unmut, ihn aufforderte, das zitternde Wesen freizulassen.

Am vierzehnten Tag baten die Staatsnotabeln Bharat, den Thron anzunehmen, doch er erwiderte, dass der älteste Sohn stets König sei, dass Ráma rechtmäßiger Herrscher sei und dass er fünf Jahre und neun im Wald leben werde, um seinen Bruder zurückzubringen. Er ließ die Straße vorbereiten, schickte Arbeiter voraus, um Bäume zu fällen, Gruben aufzufüllen, Schluchten zu überbrücken, Brunnen zu graben und den Boden zu ebnen. Das große Heer machte sich auf den Weg: neunzigtausend Elefanten, sechzigtausend Streitwagen, hunderttausend berittene Bogenschützen, mit Kauśalyá, Sumitrá und Kaikeyí in strahlenden Streitwagen. Sie erreichten Śringavera am Ufer des Gangá, wo König Guha, Rámas enger Verbündeter, das Heer mit Entsetzen betrachtete, da er fürchtete, Bharat sei gekommen, um seinem Bruder zu schaden. Er stellte seine Männer bewaffnet am Ufer auf, näherte sich dann mit Geschenken aus Honig, Fleisch und Fisch. Als Bharat ihm versicherte, er sei nur gekommen, um Ráma nach Hause zu holen, freute sich der Nisháda-König: „Gesegnet seist du, auf Erden sehe ich niemanden, der es mit dir aufnehmen kann, der aus freien Stücken auf das Königreich verzichten kann, das dir unaufgefordert zusteht.“ Guha erzählte Bharat daraufhin die Geschichte der Nacht, in der er Ráma beherbergt hatte, von Lakshmaṇs Wachsamkeit, von Sítás Weigerung, Nahrung zu sich zu nehmen, von ihrer einfachen Hingabe und zeigte ihm das Bett aus heiligem Gras, auf dem Ráma und Sítá geruht hatten. Bharat blickte auf verstreutes Gold und Seidenfäden, seine Sinne waren wie in einem Traum verwirrt, und rief: „Unbewacht, mit verlassenen Mauern, zeigt die königliche Stadt meines Vaters ihre Tore den Feinden offen. Doch niemand hat heimlich mit feindlicher Macht geplant, das Land zu ergreifen: der Arm des Helden schützt es gut.“

Bei Morgengrauen befahl Bharat dem Guha, fünfhundert Boote bereitzustellen. Mit Banneren, mystischen Zeichen und großen Glocken überquerte das Heer die anschwellende Flut, einige in Barken, einige auf Flößen, einige durch Krüge getragen, andere auf schwimmenden Elefanten wie geflügelte Berge, und versammelte sich in Prayágas berühmtem Wald. Bharat, mit Priester und Diakon, eilte zur Wohnstätte des großen Heiligen Bharadvája, der ihn willkommen hieß, da er erkannte, dass er Rámas Bruder und aller Ehre würdig sei, und ihn zu den Höhen von Chitrakúṭa wies, vier Yojanas im Süden, wo der Strom Mandákiní floss und die laubige Hütte der königlichen Brüder stand. Der Einsiedler beschwor durch Meditation auf Viśvakarmá ein himmlisches Fest herbei: himmlische Lüfte, unsterbliche Blumen, die Musik der Sänger, Apsarasas, die Gärten von Nandan, Flüsse, die mit Milch und Quark strömten, weiche Lager, weiße Gewänder und Sandelholzwasser für jeden Krieger. Das ganze Heer ergötzte sich jene Nacht in gesetzlosem Frohsinn und erklärte es für den Himmel selbst.

Bei Morgengrauen nahm Bharat Abschied von dem Heiligen, der ihm riet, nicht seiner Mutter die Schuld für all das Leid zuzuschreiben, denn mancher Segen würde noch aus Rámas Wanderung entspringen. Das mächtige Heer drang durch Waldlichtung und Bach voran, und bald sah man eine Rauchsäule. „Hier wohnt Ráma“, rief Bharat, „der Ozean unserer Mühsal ist vorüber.“ Dann näherte sich Bharat, zu Fuß, begleitet von den verwitweten Gemahlinnen und Sumantra, der Hütte, in der Ráma und Sítá und Lakshmaṇ so lange gewohnt hatten.

Hinweis: Das bereitgestellte Quellenmaterial (Teile 7–10 von Buch II) deckt Ereignisse ab, die mit der Flussüberquerung am Kálindí beginnen und mit Bharats Annäherung an Rámas Wohnstätte in Chitrakúṭa enden. Die als fehlend aufgeführten Episoden – Rámas Abschied aus dem Palast, seine Abschiede von Kauśalyá, Lakshmaṇas Widerstand, die religiösen Zeremonien, Kauśalyás Segnungen, Rámas Gang durch die Stadt, um Sítá zu informieren, Sítás Weigerung und Schriftauslegung, Lakshmaṇas Bitte, Rámas Verteilung von Reichtümern und Kauśalyás Anrufungen – finden früher in Buch II statt und sind im bereitgestellten Quelltext nicht enthalten. Gemäß der Anweisung, nur das bereitgestellte Quellenmaterial zu verwenden, wurde kein erfundener Inhalt hinzugefügt.

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