Gesang XXXVII: Die Entführung
Ravana packte Sita bei den Haaren und hob sie hoch, während sie nach Rama und Lakshmana schrie. Er trug sie zu seinem fliegenden Wagen und schoss in den Himmel. Sita rief den Bäumen, dem Fluss Godavari, den Vögeln und den Waldgöttern zu und flehte sie an, es Rama zu sagen. Über dem Wald sah sie Jatayu, den alten Geierkönig und alten Freund ihres Schwiegervaters, der auf einem Baum saß. “Hilf mir! Ravana entführt mich!”
Gesang XXXVIII: Jatayus Konfrontation
Jatayu breitete seine gewaltigen Flügel aus, flog auf Ravana zu und versperrte ihm den Weg: “Halt! Kein Mann darf die Frau eines anderen nehmen. Lass Sita frei oder stelle dich Ramas Zorn – er wird kommen, dich töten, Lanka zerstören und jeden Dämon auslöschen.” Ravana verspottete sein Alter, aber Jatayu war bereit, bis in den Tod zu kämpfen.
Gesang XXXIX: Der Kampf
Sie kämpften heftig: Jatayu zerriss Ravanas Bogen mit seinem Schnabel in Stücke, zerbrach seinen Wagen mit seinen Krallen, tötete seinen Wagenlenker und riss tiefe Wunden in Ravanas Fleisch. Doch Ravana zog sein Schwert und schlug Jatayu beide Flügel ab, wobei er ihn tödlich verwundete. Jatayu fiel, der Körper gebrochen, und rief Sita zu: “Trauere nicht; ich starb, während ich dich beschützte. Rama wird kommen, um dich zu retten und Ravana zu töten.” Sita weinte, während Ravana weiter in Richtung Ozean flog.
Gesang XL: Ravanas Flug nach Lanka
Ravana flog über den gewaltigen Ozean, während Sita sich wehrte und ihn verfluchte; sie warnte ihn, dass seine Tat Verderben bringen würde: Rama würde mit einer Armee von Affen und Bären kommen, Lanka stürmen, ihn töten und sie befreien. Ihre Schmuckstücke fielen herab und verteilten sich im Wald darunter als Spur. Schließlich erreichten sie Lanka, eine goldene Stadt auf einem Berggipfel mit Blick auf den Ozean, mit lazurblitzenden Mauern, dämonengefüllten Straßen und goldglühenden Palästen.
Gesang XLI: Sita im Ashoka-Garten eingesperrt
Ravana brachte Sita in den blühenden, von Vogelgesang erfüllten, mit Teichen durchsetzten Ashoka-Garten und sperrte sie dort mit grausamen Dämoninnen ein, wobei er sie warnte, sie streng zu bewachen oder den Tod zu finden. Er gab Sita ein Jahr Zeit, um zuzustimmen, seine Frau zu werden; wenn sie sich weigerte, würde er sie töten und essen. Dann verließ er sie und schloss das Tor ab. Sita brach vor Kummer zusammen, umgeben von spöttischen Dämoninnen, und verweigerte jede Nahrung.
Gesang XLII: Sitas Drohungen
Sita verfluchte Ravana: „Deine abscheuliche Tat wird dir und deinem Volk das Verderben bringen. Rama wird kommen, dich töten, Lanka zerstören und jeden Dämon auslöschen. Ich würde lieber sterben, als deine Frau zu sein.“ Wütend ging Ravana weg und sagte, er würde ihr Zeit geben, es sich noch einmal zu überlegen.
Gesang XLIII: Sita im Gefängnis
Sita saß allein, trauerte um Rama und schwor Treue bis in den Tod. Sie verweigerte Speis und Trank, ihr Körper schwächte sich ab, ihre Augen waren vor Kummer eingesunken. Die Dämoninnen verspotteten sie und sagten ihr, sie solle die Hoffnung aufgeben, denn Rama würde nie kommen. Aber Sita umklammerte ihren Sari-Saum und flüsterte immer und immer wieder Ramas Namen.
Gesang XLIV: Sitas Verachtung
Ravana kehrte mit Juwelen, feinen Kleidern und Verheißungen von Luxus zurück und behauptete, Rama sei wahrscheinlich tot. Sita spuckte ihm vor die Füße: „Ich würde lieber sterben, als dich zu berühren. Rama lebt; er wird kommen, um dich zu töten. Ich werde nie dir gehören.“ Wütend verließ Ravana den Ort und befahl den Dämoninnen, sie noch strenger zu bewachen und eine Flucht oder Selbstverletzung zu verhindern.
Gesang XLV: Sita von Indra getröstet
Die Götter baten Indra, Sita zu helfen. Er kam nachts mit der Göttin des Schlafes in den Ashoka-Garten, welche die Dämonen in Schlaf versetzte. Indra gab Sita himmlische Nektarspeise, um sie für Jahre am Leben zu erhalten. „Gräme dich nicht. Rama wird kommen, eine Brücke über den Ozean bauen, eine Armee von Affen und Bären heranführen, Lanka erstürmen, Ravana töten und dich nach Hause bringen.“ Sita aß, ihre Kraft kehrte zurück, und sie betete für Rama und Lakshmana. Sie legte sich zum Ausruhen nieder, umgeben von schlafenden Dämonen, und wartete auf ihren Mann.
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