KAPITEL VII
Der Abschnitt beginnt mit einem Epigraphen von Milton, der sich nach den sanften, alltäglichen Klängen des Landlebens sehnt – eingezäunte Herden, Rohrpfeifen, ein krähender Dorfhahn – als kleinem Trost in der bedrückenden Enge eines dichten, eingeschlossenen Waldes, einer perfekten Metapher für Emilys eigenen, gefangenen Zustand in der düsteren Festung Udolpho. Die Erzählung setzt mit Emilys Erleichterung ein, als ihre treue Dienerin Annette an einem frühen Morgen eintrifft, nachdem sie in der Nacht zuvor von Ludovico in ihrem Zimmer eingeschlossen worden war, der um ihre Sicherheit unter den betrunkenen, gesetzlosen Bewohnern des Schlosses fürchtete. Annette stürmt atemlos plappernd in das Zimmer, ringt die Hände und schildert das Chaos der vergangenen Nacht: Montonis neue Mätressen, die Zech- und Spielorgien, die bis zum Morgengrauen dauerten, und das weit verbreitete Gerücht von einem feurigen Geist, der auf den Zinnen spazieren gesehen worden war und die Wachen in Anfälle abergläubischen Schreckens versetzte. „Ihr Heiligen! Wie kann ich etwas dafür!“ ruft sie aus, als Emily sie fragt, warum sie sich von Ludovico einsperren ließ. „Wenn er die Tür abschließt, Mademoiselle, und den Schlüssel mitnimmt, wie soll ich dann herauskommen, außer ich springe zum Fenster hinaus? Aber das würde mir nicht so viel ausmachen, wenn die Fensterflügel hier nicht alle so hoch wären; man kann von innen kaum zu ihnen hochklettern, und man würde sich wohl das Genick brechen, wenn man außen hinabsteigt. Aber Sie wissen ja wohl, was für ein Radau im Schloss gestern Nacht geherrscht hat; Sie müssen etwas von dem Tumult gehört haben.“ Sie fährt fort, den betrunkenen Signor Verezzi zu beschreiben, der brüllend durch die Korridore zog, Ludovicos Zimmer mit dem des Verwalters Carlo verwechselte und mehr Wein forderte, und wie Ludovico sie eingesperrt hielt, um sie vor den lärmenden Männern zu schützen. Als Emily sie nach Gefangenen im Schloss befragt, in der verzweifelten Hoffnung, dass Valancourt sich unter ihnen befindet, enthüllt Annette, dass die Bediensteten über Lösegelder geflüstert haben, was bestätigt, dass tatsächlich Gefangene festgehalten werden, obwohl niemand ihre Namen nennt. „Ich habe gestern in der Dienerhalle gehört, wie einer von des Signor seinen Männern über Lösegelder sprach“, sagt sie, „und meinte, was für eine feine Sache es für Seine Exzellenz sei, Männer einzufangen, und dass sie so gute Beute seien wie alles andere, wegen der Lösegelder.“ Bevor Emily weiter nachbohren kann, lässt Montoni nach ihr rufen, und sie findet ihn allein im Zedernsalon vor, sein Gesicht dunkel vor Wut.
Er fordert sie auf, ihr Recht auf die Güter im Languedoc abzutreten, und droht mit furchtbarer Rache, wenn sie sich weigert. Während er spricht, hört Emily gedämpfte, stöhnende Geräusche unter dem Fußboden des Gemachs, als sei jemand in dem Raum darunter eingesperrt. „Ich könnte Ihnen von anderen erzählen – ich könnte Sie beim bloßen Nennen erzittern lassen“, knurrt er, wird aber von einem weiteren lauten Stöhnen unterbrochen, das unter dem Boden hervorzukommen scheint. Emily schrickt voller Entsetzen zusammen, behält aber ihre Fassung bei und weigert sich zu unterschreiben, selbst als Montoni droht, sie das „bloße Nennen“ seiner Macht fürchten zu lassen. „Niemals, Herr“, erwidert sie, mit zitternder, aber fester Stimme. „Diese Bitte hätte mir die Ungerechtigkeit Ihres Anspruchs bewiesen, selbst wenn ich ahnungslos über mein Recht gewesen wäre.“ Montoni wird blass vor Wut, seine Lippe zittert, doch bevor er antworten kann, stürmt ein Späher herein und meldet, dass feindliche Truppen das Schloss näher rücken. Montoni ordnet sofort an, dass Emily Udolpho unverzüglich verlässt und unter bewaffneter Eskorte in ein abgelegenes Häuschen an der Grenze zur Toskana gebracht wird. Emily ist zerrissen: Ein Teil von ihr freut sich über die Chance, den Schrecken des Schlosses zu entfliehen, aber ein anderer Teil schmerzt vor der Angst, dass Valancourt immer noch darin gefangen ist, Montons Gnaden überlassen. Sie fleht Annette an, Ludovico zu bitten, ihnen bei der Flucht zu helfen, aber Annette kehrt weinend zurück und sagt, Montoni habe ihre Bitte rundweg abgelehnt, selbst als sie darum bettelte, dass Ludovico sie begleiten dürfe. „Er befahl mir schroff, ins Schloss zu gehen, und lehnte ihre Bitte absolut ab“, schluchzt Annette. „Er hatte einige seiner Männer angewiesen, mich aus seiner Gegenwart zu entfernen, bevor ich mich zurückziehen wollte.“ Da sie keine andere Wahl hat, steigt Emily auf einen Maulesel und verlässt das Schloss mit zwei bewaffneten Führern, Ugo und Bertrand. Ihr Herz ist schwer, als sie auf die grauen Türme von Udolpho blickt, die über den Wäldern aufragen, und sie sich fragt, ob sie Valancourt jemals wiedersehen wird. Während sie durch die wilden, einsamen Pässe der Apenninen reisen, wird Emily zunehmend misstrauisch gegenüber ihren Führern; ihr mürrisches Benehmen und ihre verstohlenen Blicke lassen sie befürchten, dass es sich um Banditen handelt, die von Montoni angeheuert wurden, um sie zu töten und ihre Güter an sich zu nehmen. Ihre Befürchtungen bestätigen sich, als sie belauscht, wie sie über den brutalen Mord des Signor Orsino an einem Mailänder Paar sprechen: Orsino hatte einen Mann in einem Bergpass erstechen lassen, weil er die Frau geheiratet hatte, die er liebte, und als Bertrand in eine detaillierte Nacherzählung des Mordes ausbricht, wird Emily klar, dass er einer der anwesenden Mörder war.
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