KAPITEL XVIII
Nach diesen Enthüllungen wurde Emily auf Château-le-Blanc mit der Wärme behandelt, die einer Verwandten der Villerois zustand, obwohl das Gewissen des Grafen ihn wegen Valancourt weiterhin plagte. Die bevorstehende Hochzeit von Blanche hielt den Haushalt in fröhlichen Vorbereitungen, aber Emily konnte nicht an der Ausgelassenheit teilhaben; ihr Geist war durch die Entdeckungen belastet und sie machte sich Sorgen um Valancourts Schicksal.
Eines Abends nahm sie ihre Laute mit auf ihren Wachturm. Während die Sonne über den Pyrenäen unterging, sang sie ihre eigenen Verse: „An die Melancholie“, eine nachdenkliche Beschwörung des Geistes der Traurigkeit, der den Dichter durch gespenstische Gänge führt. Ihre Tränen fielen, während sie sang, und sie hätte noch lange in Träumereien dasitzen können, hätte sie nicht ein Schritt auf der Treppe aufgeschreckt. Die Tür öffnete sich, und Valancourt stand im Zwielicht vor ihr.
Emily, überwältigt, drohte in Ohnmacht zu fallen. Valancourt, ihr zu Füßen, bedauerte zutiefst seine Unüberlegtheit. Als sie wieder zu sich kam, trugen ihre ersten Worte eine würdevolle Zurückhaltung in sich, aber sein schmerzerfüllter Schrei durchbohrte sie, und er offenbarte die Wahrheit: Der Graf hatte die Verleumdungen entdeckt, ihn eingeladen, sich zu rechtfertigen, und an Emily geschrieben, um alles zu erklären. Da sie den Brief nie erhalten hatte, hatte sie unnötigerweise gelitten.
Die Stille der Dämmerung bestätigte seine Offenbarung, und Freude spülte jeden Zweifel hinweg. Der Graf empfing sie in der Halle mit der Freude reinen Wohlwollens, und Mons. Bonnac gesellte sich zu ihnen. Ein langes Gespräch in der Bibliothek, in dem Valancourt seine Torheiten zugab und sein Verhalten rechtfertigte, bestätigte die gute Meinung des Grafen, und er vertraute ihm Emilys zukünftiges Glück an. Schließlich traf Mons. St. Foix, vollständig genesen, ein, um die Freude aller zu steigern.
KAPITEL XIX
Die Hochzeiten von Lady Blanche und Emily St. Aubert wurden gemeinsam auf Château-le-Blanc gefeiert. Die große Halle war mit neuen Wandteppichen behängt, die Karl den Großen und seine zwölf Paladine darstellten; die Banner von Villeroi wurden entfaltet; Musik schallte durch jede Galerie. Die alte Dorothée seufzte, als sie das Schloss wie in ihrer Jugend sah, und Annette erklärte, der Anblick sei wie geschaffen für ein Feenfest.
Nach einigen Tagen kehrten Valancourt und Emily nach La Vallée zurück, wo die treue Theresa sie freudig begrüßte. Unter der Platane auf der Terrasse – dem Ort, an dem Valancourt zum ersten Mal seine Liebe erklärt hatte – gelobten sie, ihr Glück dadurch zu verdienen, dass sie St. Auberts Wohltätigkeit nachahmten und in Dankbarkeit gegenüber Gott lebten.
Valancourts Bruder trat einen Teil seines reichen Landbesitzes an ihn ab. Emily verkaufte die Güter in Thoulouse und kaufte den alten Landbesitz ihres verstorbenen Vaters zurück, wobei sie Annette als Haushälterin und Ludovico als Verwalter einsetzte. Das Paar beschloss, in La Vallée zu bleiben und verbrachte nur wenige Monate im Jahr am Geburtsort von St. Aubert. Emily trat Signora Laurentinis Erbschaft an Mons. Bonnac ab, und das Schloss Udolpho fiel seiner Frau zu. Bonnacs Gemüt, das durch plötzlichen Reichtum Frieden gefunden hatte, spendete seiner Familie bleibenden Trost.
Der Roman endet mit der Vision wiederhergestellter Unschuld: Die Lauben von La Vallée werden erneut zum Rückzugsort von Güte, Weisheit und häuslichem Glück. Die Moral ist eindeutig: Auch wenn die Bösen die Guten quälen mögen, ihre Macht ist vergänglich und ihre Strafe gewiss, und Unschuld, gestützt durch Geduld, wird schließlich über das Unglück triumphieren.
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